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Technik

Zur Audienz beim König des Bayerwaldes

Parsberger Mittelschüler erfuhren dank der Bayernwerk AG, wie umweltfreundlich man auf den Arber kommt.
Von der Klasse 7b der Mittelschule Parsberg

Oben angekommen, durfte das Erinnerungsbild nicht fehlen. Die 7b war zuvor in einer mit Solarstrom betriebenen Gondelbahn ganz bequem auf den Großen Arber gelangt. Foto: Pöppl
Oben angekommen, durfte das Erinnerungsbild nicht fehlen. Die 7b war zuvor in einer mit Solarstrom betriebenen Gondelbahn ganz bequem auf den Großen Arber gelangt. Foto: Pöppl

Bayerisch Eisenstein.So ein beeindruckender Mittelgebirgsgipfel wie der Arber darf sich durchaus selbst rühmen. „Hoch überragt mein Haupt die andern Berge und Berglein, drum auch bin ich mit Recht König des Waldes genannt“, heißt es bereits im Jahr 1846 über die höchste Erhebung des Bayerischen Waldes (1456 Meter über Normalnull). Der König Arber hat sich im Laufe der Zeit zu einem touristischen Highlight entwickelt, auch deswegen, weil jeweils zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Neuerungen eingeführt wurden und auch längst moderne Technik Einzug gehalten hat.

Vermittelt wird das Wissen darüber auch an spezielle Besuchergruppen, zum Beispiel an Schulklassen. Die Bayernwerk AG sorgt dafür, dass junge Leute einen speziellen Blick hinter die Kulissen von Gondeln, Sesselliften, Schneekanonen und auch Sonnenstrom bekommen und (fast) alles erfahren, was der Arber seinen Besuchern so zu bieten hat.

Fülle an technischen Details

Eine Audienz beim König des Waldes ist eben informativ und unterhaltsam, wie auch die Klasse 7b der Mittelschule Parsberg im Rahmen des Projekts „Zeitung in der Schule“ (ZiS) erfahren durfte. Bestens „unterrichtet“ wurden die Schüler von dem „Seilbahner“ Stefan Beywl, der bei seinen Ausführungen den Schwerpunkt auf die Technik legte. 16 Schüler – neun Mädchen, sieben Buben – waren per Bus angereist mit ihrem Klassleiter Lehrer Joachim Pöppl und dessen Lehrerkollegin Evi Spangler als Betreuerin. Lehrer wie Schüler staunten nicht schlecht über die Fülle an Informationen, die vor ihnen ausgebreitet wurde. Fast zu viel, um alles genau zu kapieren. Wesentliche Inhalte blieben aber schon Hängen, wie sich in der schulischen Nachbereitung zeigte.

Das ist die Bayernwerk AG, die das „Zeitung in der Schule“ fördert:

https://www.bayernwerk.de/de.html

Die Parsberger Schüler hatten gut zwei Stunden Busfahrt hinter sich, als sie an der Talstation von „ihrem“ Stefan in Empfang genommen wurden – und einen Unterricht der besonderen Art starten durften. Dessen Höhepunkt war die Fahrt mit der Sechser-Gondelbahn auf den Gipfelbereich des Arbers. Die Schülergruppe erlangte erste Erkenntnisse am Bahnhof „Sonnenhang“. Hier startet auch eine Sechser-Sesselbahn, dazu gibt es noch eine Nordhang-Sechser-Sesselbahn.

Die Arber-Bergbahnen haben noch etwas Besonderes zu bieten: Die Bahn mit den jeweils sechs Sitze bietenden Gondeln wird – so weit die Sonne reicht – mit Solarstrom betrieben. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach der Bergstation hilft seit 1999 – dem Baujahr dieser Seilbahn – Touristen und Einheimischen auf den Gipfel. Die Bahn war mit der Eröffnung damit die erste solarangetriebene Gondelbahn Deutschlands. Mit der 50 Quadratmeter großen Solaranlage werden pro Jahr 5000 Kilowattstunden Strom produziert. Der weit größere Teil der benötigten Energie wird ebenfalls umweltfreundlich mit Wasserkraft erzeugt. Damit werden insgesamt rund 60 Prozent des gesamten Stroms am Arber aus regenerativen Energiequellen bezogen. Den Restbedarf liefert das Bayernwerk über sein Stromnetz.

Eine besondere Gondelbahn durften Parsberger Mittelschüler sehen:

Video: Philipp Froschhammer

Die Gondelbahn beginnt in 1050 Metern Höhe; die Bergstation liegt mit rund 1400 Metern nur knapp unter dem Gipfel. Die 44 Gondeln werden am Seil mit einer maximalen Antriebsleistung beim Anfahren von rund 400 PS auf einer Länge von 964 Metern über neun Stützen nach oben und dann wieder nach unten geführt. Die Fahrzeit über den Höhenunterschied von exakt 342 Metern beträgt vier Minuten. Übrigens: Bis zu 1400 Personen könnten im Durchschnitt in der Gondelbahn pro Stunde befördert werden. Das ist aber nur im Winter relevant, weil die Skifahrer ständig wieder nach oben wollen.

Alle Seilbahnen am Arber sind kuppelbar. Das heißt: Sessel beziehungsweise Gondeln werden in den Berg- und Talstationen vom schnellen Tragseil abgekuppelt, fahren langsam durch die Station zum Ein- und Aussteigen, werden dann auf Umlaufgeschwindigkeit beschleunigt und eingekuppelt.

Die Höchstgeschwindigkeit bei der Gondelbahn beträgt 18 km/h; das entspricht fünf Meter in der Sekunde. Im Sommerbetrieb fahren die Gondeln langsamer, damit die Fahrgäste den Ausblick genießen können. Die höhere Geschwindigkeit im Winter dient dem Ziel, möglichst viele Skifahrer möglichst schnell nach oben zu bringen, um die Anstehzeiten zu minimieren.

Sicherheit wird großgeschrieben am Arber: Funktionsprüfungen finden in unterschiedlichem Ausmaß täglich, wöchentlich, monatlich oder auch quartalsmäßig statt. Regelmäßige Wartungen und der jährliche TÜV sind selbstverständlich. Die Sessel kommen übrigens Sommer wie Winter nachts in eine Garage, den sogenannten Bahnhof, um Eis- und Nässeschäden zu vermeiden.

Diese Schautafel zeigt, wie früher Sommerfrischler und Skifahrer auf den Berg kamen. Foto: Pöppl
Diese Schautafel zeigt, wie früher Sommerfrischler und Skifahrer auf den Berg kamen. Foto: Pöppl

Das Thema Winter lässt am Arber auch schon im Sommer grüßen. Das merkte die 7b bei der Besichtigung der Pistenraupen. Klar, in einem Gebiet, das Skifahrer und Snowboarder zu ihren bevorzugten Einsatzgebieten zählen, muss das Gelände in Top-Zustand sein. Für Laien eine überraschende Antwort fand also die Frage, was mit den Technik-Riesen (vier an der Zahl mit je 400 PS und jede Raupe 300 000 Euro wert) im Sommer geschieht. Sie werden als Mäher eingesetzt, haben deswegen Sommer- Gummikette und Mulchgerät. In den Sommermonaten kommt regelmäßig auch eine Schafherde mit 800 Bergschafen zum Arber. Damit wird vorgesorgt für die kalte Jahreszeit. Das heißt: Das Gras auf den Wiesen wird für die Pisten einerseits kurz gehalten und gedüngt, so dass der Bewuchs sich im vergangenen Jahrzehnt optimal entwickeln konnte. Gleichzeitig braucht damit auch die nötige Schneeauflage nicht so hoch zu sein, weil eine schöne Bergwiese als Skipiste einfacher zu präparieren ist als ein steiniges Geröllfeld.

Der Wintersport hat sich in der Arber-Region hervorragend entwickelt. Abzulesen ist das auch an der Zunahme von Auffahrmöglichkeiten zum Start. Von 1949 bis 1962 ließ der Fürst von Hohenzollern – das Adelshaus aus Sigmaringen ist schon seit 1872 Eigentümer des größten Teils vom Arber und somit auch Betreiber der Arber-Bergbahn – die Gäste noch in Einer-Sesseln auf ehemaligen Flugzeugsitzen nach oben befördern.

Dann folgten eine Zweier-Sesselbahn und ab 1999 die Gondelbahn. Derzeit stehen den Besuchern neben den Gondeln und den zwei Sesselbahnen noch drei Schlepplifte, vier Förderbänder im ArBär-Kinderland und ein Förderband im ArBär-Zwergenland zur Verfügung. Wenn es mal nicht so richtig schneien mag, am Arber ist vorgesorgt: Mit einer Beschneiungsanlage: Deren Herzstück ist eine Pumpstation.

Das Gute liegt so nahe

Da wollte jeder Parsberger Schüler hin: unters Gipfelkreuz des Großen Arbers. Foto: Pöppl
Da wollte jeder Parsberger Schüler hin: unters Gipfelkreuz des Großen Arbers. Foto: Pöppl

Fazit der Gruppe aus Parsberg im Landkreis Neumarkt: Eigentlich war die Zeit des Besuchs zu kurz. Wir wissen nun zwar ganz viel über Technik am Arber, die Natur aber ist vielleicht ein wenig ins Hintertreffen geraten, Denn im Gipfelbereich des Arbers gibt es seltene Blumen und Pflanzen sowie seltene Tiere. In Bayerisch Eisenstein lockt außerdem ein tolles Museum, König Arber spielt dort auch eine Hauptrolle. Und ein Abstecher nach Tschechien wäre auch naheliegend gewesen. Man könnte sich selbst einen Auftrag erteilen: In den bevorstehenden Sommerferien einige Tage quasi vor der Haustür verbringen. Denn: Was sind schon knapp zwei Stunden Fahrzeit von Parsberg in den Wald. Wer dann mit seinen (Groß-)Eltern und Geschwistern wieder in der Gondel sitzt oder auch den etwa zweistündigen Aufstieg zum Gipfel zu Fuß unternimmt, wird mit Stolz erzählen, was er alles weiß.

Zum Beispiel, dass der Arber den Beinamen „Großer“ trägt, weil er noch einen kleinen Bruder hat, der - logisch - Kleiner Arber heißt und immerhin 1384 m in die Höhe ragt. Und etwas, das nicht so viele Touristen wissen: Nur gut 200 Meter neben dem niederbayerischen Gipfel des Großen Arbers, der übrigens unbewaldet ist, verläuft die Grenze zwischen den Regierungsbezirken Niederbayern und Oberpfalz, so dass der Kleine Arber zwar der höchste Berg der Oberpfalz ist. Der höchste Punkt der Oberpfalz befindet sich mit 1438 Metern (also nur 18 Meter niedriger als der Hauptgipfel) auf dem Großen Arber.

Der Gondel-Gag

Manche Gondeln, welche die Touristen im Sommer auf die Bergstation bringen, tragen Namen. Foto: Pöppl
Manche Gondeln, welche die Touristen im Sommer auf die Bergstation bringen, tragen Namen. Foto: Pöppl

Ein Teil der Gondeln trägt übrigens Namen: zum Beispiel Kuschelgondel (diese ist mit Herz und Amor-Pfeil verziert) oder Hochzeitsgondel (auf ihr prangen Kutsche und Pferde). Einige Parsberger Schüler durften in der „Gondel des Ministerpräsidenten“ Platz nehmen.

Das Nachtlager

Diese Sessel werden im Winter für den Transport der Skifahrer eingesetzt. Jetzt im Sommer lagern sie in einer Garage. Foto: Pöppl
Diese Sessel werden im Winter für den Transport der Skifahrer eingesetzt. Jetzt im Sommer lagern sie in einer Garage. Foto: Pöppl

Früher war es normal, dass bei jeder Sessellift- oder Gondelbahn die Transportmittel für Skifahrer (im Winter) oder Touristen (im Sommer) auch die Nacht über am Transportseil hängen blieben. Die neue Technik macht es möglich: Es gibt für Sessel und Gondel eine Garage.

Es heißt: Maschinenschnee

Ein Blick in die Pumpstation Foto: Pöppl
Ein Blick in die Pumpstation Foto: Pöppl

Aus einem Kubikmeter Wasser werden zwei Kubikmeter „Maschinenschnee“ (wie der Fachmann sagt). Von einer Station mit elektrischen Pumpen wird das Wasser zu den „Elektranten“ (Fachausdruck für Schneekanonen) befördert.

Rund 500 000 Touristen

Auf der Bergstation der Gondelbahn ist die Photovoltaikanlage angebracht. Foto: Pöppl
Auf der Bergstation der Gondelbahn ist die Photovoltaikanlage angebracht. Foto: Pöppl

Gut eine halbe Million Touristen (Sommerfrischler, Wintersportfans) kommen jedes Jahr. Trotz der großen Menge strahlen der Arber und sein Wald viel Charme aus; die Gegend und ihre Bewohner haben in großen Teilen ihre Ursprünglichkeit bewahrt. Auf der Bergstation der Gondelbahn ist die PV-Anlage angebracht.

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