MyMz

Soziales

Ein guter Ort für den Abend des Lebens

Nach dem Motto „Nutze den Tag“ bekamen Schüler einen Einblick in den Alltag im Zentrum für Betreuung und Pflege in Parsberg.
Von der Klasse 8a des Gymnasiums Parsberg

Die 8a teilte sich für den Bericht in Gruppen auf. Foto; Esther Krinner (Lehrerin)
Die 8a teilte sich für den Bericht in Gruppen auf. Foto; Esther Krinner (Lehrerin)

Parsberg,.Manchmal fühle ich mich wie die Feuerwehr“, sagt die Sozialpädagogin Manuela Schwarz freundlich lächelnd. Seit sie 17 Jahre alt ist, arbeitet sie im sozialen Bereich. Anfang des Jahres hat sie die Leitung der sozialen Betreuung im Pflegeheim Parsberg übernommen und schnell wird klar: Es gibt viel zu tun. „Man kann keinen Menschen mit dem anderen vergleichen“, erklärt sie bei dem Rundgang durch das dreistöckige Gebäude, das über drei Wohnbereiche verfügt. Schnell wird klar, dass man hier dieses Gefühl, etwas Besonderes zu sein, auch jedem Bewohner vermitteln kann.

Auffällig ist, dass die verschiedenen Bereiche nicht nummeriert sind. Sie tragen Namen wie „Marktplatz“, „Kalvarienberg“ und „Jura“ bezeichnet sind. Die Idee, die dahinter steckt, ist, dass auf keinen Fall der Eindruck entstehen soll, es gebe eine Rangfolge unter den Bewohnern. Niemand soll hier nur eine Nummer sein. Hinter jedem Bewohner stehe eine Geschichte, die sich lohnt zu hören. Eine Frau mit freundlichem Gesicht erzählt, sie sei in Parsberg geboren und anschließend in die Schweiz gezogen, wo sie eine Praxis für innere Medizin eröffnet hat. Wegen eines Unfalls vor zwei Jahren musste sie nach Deutschland zurückkehren und lebt nun hier. Es ist spannend, die Lebensgeschichten der Menschen zu hören.

Schon beim Betreten des Gebäudes, wird man von einer in warmen Farben gehaltenen Eingangshalle empfangen, die von gedämpftem Licht beleuchtet wird. Wer den liebevoll dekorierten Windfang passiert, spürt gleich die wohlige Wärme des mit grauem Marmor gefliesten Raumes. Man könnte meinen, man betritt eine Hotellobby, nur der Desinfektionsmittelspender, der einen krankenhausähnlichen Geruch verströmt, und die zahlreichen Pflegerinnen und Pfleger, erinnern daran, dass es nicht so ist.

Assistenten und Fachkräfte

Manuela Schwarz führte die 8a des Parsberger Gymnasiums durch das Haus. Foto: Azra Sancaktar/Daniel Piazolo
Manuela Schwarz führte die 8a des Parsberger Gymnasiums durch das Haus. Foto: Azra Sancaktar/Daniel Piazolo

Eine Bewohnerin sitzt in einem der weißen Sessel, den Blick gedankenverloren nach draußen gerichtet. An den Wänden hängen buntgerahmte Bilder, die ein heimatliches Gefühl vermitteln. Vom regen Betrieb der Pflegekräfte scheint sie nichts mitzubekommen. Liebevoll kümmern diese sich um die Bewohner des Heims. Generell unterscheidet man zwischen Pflegeassistenten und Pflegefachkräften. Erstere sind hauptsächlich für die Betreuung der Bewohner zuständig; Letztere übernehmen zusätzlich die medizinische Versorgung und die Körperpflege.

Knapp 100 Personen können im Pflegeheim in Parsberg ein Zuhause finden. Natürlich braucht man für diese Anzahl auch eine große Menge an Personal. Denn die Betreuung findet rund um die Uhr statt. Zwei bis drei Pfleger machen nachts einen stündlichen Rundgang und kontrollieren, ob mit den Bewohnern alles in Ordnung ist. Die Heimbewohner haben jedoch auch einen Notfallknopf, den sie bei dringend benötigter Hilfe betätigen können. Eine besondere Rolle nehmen die Damen der Betreuung ein. Sie finden in der oftmals stressigen und hektischen Alltagsroutine Zeit, sich um die aktive Zuwendung zu den Patienten zu kümmern. In diesem Rahmen werden eifrig Gesellschaftsspiele gespielt, gesungen, gemalt und vor allem auch Gespräche geführt. In einem der vielen Aufenthaltsräume befindet sich eine Gruppe von Damen, die sich angeregt über Gott und die Welt unterhalten.

Große Vorfreude auf die Märchen

Die Aufenthaltsräume haben den Schülern einen wohnlichen Eindruck vermittelt. Foto: Azra Sancaktar/Daniel Piazolo
Die Aufenthaltsräume haben den Schülern einen wohnlichen Eindruck vermittelt. Foto: Azra Sancaktar/Daniel Piazolo

Fröhlich lachend und sichtlich gut gelaunt tauschen sie sich mit zwei Betreuungskräften aus. Eine Dame döst hin und wieder ein, um sich dann freundlich dreinblickend, ein wenig verwirrt, aber sichtlich zufrieden im Raum umzublicken. Eine 70-jährige Dame lobt lächelnd das gute Essen, das die Bewohner gerne gemeinsam zu sich nehmen. Ein Highlight stellt für sie auch der wöchentliche Besuch eines Märchenerzählers dar. Hier werden für zahlreiche Männer und Frauen vertraute Erinnerungen wach. Vielfach können die Texte der Geschichten lückenlos mitgesprochen werden. Das Parsberger Zentrum, so wird deutlich, bietet ein vielfältiges Programm an, das allen Geschmäckern gerecht wird. Langeweile kommt hier so schnell nicht auf.

Die Einrichtung bietet neben Kurzzeit- und Dauerpflege auch betreutes Wohnen und einen beschützenden Fachbereich für Demenzkranke an.

„Marktplatz“ und „Kalvarienberg“ sind offene Wohnbereiche, in denen die Bewohner sich je nach Mobilität vollkommen selbstbestimmt bewegen können. Je nach Wunsch und persönlicher Vorliebe ist es möglich, dort in einem Einzel- oder Zweibettzimmer zu wohnen. Die Räume werden nach individuellem Geschmack eingerichtet.

Im betreuten Wohnen verfügen die Bewohner über ein eigenes Apartment, können aber trotzdem an den Aktionen des Zentrums für Betreuung und Pflege teilnehmen, wie zum Beispiel der Muttertagsfeier, dem Maibaumaufstellen oder aber auch am Essensangebot. Denn natürlich ist auch für das leibliche Wohl bestens gesorgt. So kann man sich jeden Tag zwischen mehreren Gerichten entscheiden und sie anschließend im gemeinsamen Speisesaal oder im Zimmer genießen.

„Bei uns geht es immer lustig zu“, sagt eine freundliche ältere Dame mit verschmitztem Lächeln und bestätigt damit die positive und einladende Atmosphäre, die das Haus vermittelt.

 Zu jeder Zeit können die Bewohner die hauseigene Kapelle besuchen. Foto: Azra Sancaktar/Daniel Piazolo
Zu jeder Zeit können die Bewohner die hauseigene Kapelle besuchen. Foto: Azra Sancaktar/Daniel Piazolo

„Jetzt stellt euch mal vor, ihr müsst weg von daheim“, lacht Frau Schwarz, „dann sollte man wenigstens eine Gaudi haben!“. Schwungvoll bewegt sich die sympathische Sozialpädagogin durchs Haus. Kaum ein Bewohner, für den sie und ihre Kollegen nicht ein freundliches Wort, ein Späßchen oder eine liebevolle Berührung übrig haben. Die Chemie stimmt offensichtlich.

Das Engagement und die Leidenschaft der Pflegekräfte sind überall zu spüren. Mit viel Humor und Hingabe gestalten sie das alltägliche Leben der Menschen. Zu dieser positiven Stimmung trägt sicher auch das Bemühen bei, den Bewohnern so viel Freiheiten wie möglich zu gewähren. Gerne wird auf Wünsche der Bewohner eingegangen. In seltenen Fällen werden sogar Haustiere mitgebracht und von den Pflegekräften liebevoll mitbetreut. Das Mitbringen persönlicher Gegenstände und das Beibehalten alltäglicher Gewohnheiten stehen im Vordergrund.

Feste Besuchszeiten gibt es aus diesem Grund nicht. Auch beim Aufstehen und Frühstücken muss sich niemand an feste Zeitvorgaben halten, jeder kann individuell in den Tag starten.

Jederzeit können auch private Ausflüge unternommen werden. Es gibt eine kleine Kapelle im Haus, in der ein Pfarrer regelmäßig den Gottesdienst abhält. Wem das nicht ausreicht, der kann regelmäßig Wortgottesdienste besuchen, die von Pflegern abgehalten werden. Natürlich steht auch jedem der Weg in die Pfarrkirche Parsberg frei.

Einige sind besonders umsorgt Nicht für alle Bewohner kann man diese Freiheit aber umfassend verwirklichen. Patienten mit psychischen Beeinträchtigungen, Suchterkrankungen oder einer Demenzerkrankung leben in dem geschlossenen Wohnbereich „An der Jura“. Dort wohnen nur Menschen mit richterlichem Beschluss, da dieser Teil des Pflegezentrums nur begleitet verlassen werden kann, erklärt Manuela Schwarz. Die Bewohner dort werden besonders geschützt, weil sie eine so genannte „Weglauftendenz“ zeigen und sich oder andere dadurch in Gefahr bringen könnten.


Um sich um die Bewohner kümmern zu dürfen, braucht man eine Extraausbildung. Beim Rundgang durch diesen Wohnbereich wird deutlich, dass dieser Umstand den Bewohnern so wenig präsent wie möglich gemacht werden soll. Helle, fröhliche Wandfarben erleuchten die Räume. Ein schön angelegter Gartenbereich ist durch die großen Glasfronten des Aufenthaltsraums erkennbar. Viele Türen sind allerdings auch streng abgeschlossen. Insbesondere die gemütlich eingerichtet Therapieküche als auch das Schwesternzimmer sind dauerhaft verschlossen, um mögliche Gefahren wie beispielsweise das Entwenden von Scheren, spitzen Gegenständen und Medikamenten durch Bewohner zu verhindern. Denn der Schutz aller Personen, und natürlich der dort lebenden selbst, ist von enormer Bedeutung.


Eine sperrige weiße Tür verwehrt den Bewohnern den Zugang zu den anderen Bereichen und zum Ausgang. Es sei wichtig, dass diese Räumlichkeiten herzlich wirken und viel Wärme ausstrahlen. Das sei das Mindeste, fügt die Sozialdienstleiterin hinzu, da die Bewohner ihr Zuhause verlassen mussten und das Seniorenheim in den meisten Fällen die letzte Lebensstation ist.


Würdevolle letzte Stunden

Das Sterbezimmer: Für viele Bewohner ist das Seniorenheim die letzte Station in ihrem Leben. Foto: Azra Sancaktar/Daniel Piazolo
Das Sterbezimmer: Für viele Bewohner ist das Seniorenheim die letzte Station in ihrem Leben. Foto: Azra Sancaktar/Daniel Piazolo

Deshalb wird auch das Thema Tod nicht ausgeklammert.Beim Betreten des sogenannten „Sterbezimmers“, in dem viele Bilder, Kerzen und ein zweites Bett für Angehörige zu finden sind, spürt man sofort eine Änderung der Atmosphäre. Eine brennende Kerze vor der Tür gibt Mitbewohnern und Angestellten zu erkennen, wenn hier gerade ein Leben zu Ende geht. Eine speziell ausgebildete Sterbebegleiterin betreut die Menschen während ihrer letzten Stunden, erzählt Manuela Schwarz mit nachdenklichem Blick.

Es sei auch für Pflege- und Betreuungskräfte nicht einfach, Abschied zu nehmen, wenn man Menschen eng begleitet habe. „Man muss lernen, damit umzugehen“, erklärt die große dunkelhaarige Frau, „Jeder von uns muss dafür seinen eigenen Weg finden.“ Ein würdiger und schöner letzter Wohnort soll das Heim sein. Wie wichtig das ist, wird spätestens hier deutlich. Schwarz betont, dass jeder ernst genommen wird – unabhängig von seinen körperlichen oder psychischen Einschränkungen.

Deswegen sei der Pflegekraftmangel ein großes Problem, wenn man diesem Anspruch gerecht werden wolle. Die Tatsache, dass der soziale Bereich nach wie vor schlecht bezahlt wird und die Pflege und Betreuung von Menschen anstrengend und psychisch auch belastend sei, verbessere die Situation nicht. „Die Menschen sollen gerne hier sein, Lebensfreude spüren und in ihrer letzten Lebenssituation glücklich sein“.

Unser Fazit: Es war für uns großartig zu sehen, wie motiviert und liebevoll man in diesem Zentrum mit den Senioren umgeht.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht