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Soziales

Ein offenes Ohr für viele Sorgen

Liebeskummer, Stress mit den Eltern, Depressionen – bei „kopfhoch“ bekommen Kinder und Jugendliche aus der Region Hilfe.
Von der Klasse 8c des Gymnasiums Lappersdorf

Bieten Hilfe für Kinder und Jugendliche in Regensburg (von rechts): Frauke Riegelsberger-Ganglmeier, Vorsitzende des Regensburger Kinderschutzbundes, und Julia Mathes, Projektleiterin bei „kopfhoch“. Foto: Valentin Pistohl
Bieten Hilfe für Kinder und Jugendliche in Regensburg (von rechts): Frauke Riegelsberger-Ganglmeier, Vorsitzende des Regensburger Kinderschutzbundes, und Julia Mathes, Projektleiterin bei „kopfhoch“. Foto: Valentin Pistohl

Regensburg.Das Telefon klingelt. Eine Frauenstimme meldet sich am anderen Ende der Leitung: „Hallo?“ „Ja, hallo… ich bin Jasper. Bin ich hier bei ‚kopfhoch‘? Wahrscheinlich kann mir eh niemand helfen…“ – „Was bedrückt dich denn?“

Die Mitarbeiter bei „kopfhoch“, einem Projekt des Regensburger Kinderschutzbundes, sind von 6 bis 22 Uhr über die kostenlose Telefonnummer (08 00) 5 45 86 68 erreichbar. Bei „kopfhoch“ werden Kinder und Jugendliche bis zu einem Alter von 21 Jahren von Erwachsenen anonym beraten. An dem Projekt, das es seit 2009 gibt, sind circa 50 Mitarbeiter, darunter 43 Ehrenamtliche, beteiligt, erzählt Frauke Riegelsberger-Ganglmeier, Vorsitzende des Regensburger Kinderschutzbundes. Gemeinsam mit Julia Mathes, Projektleiterin bei „kopfhoch“, berichtet sie beim Besuch in unserer Klasse über die Arbeit des Kinderschutzbundes.

Wichtig: Erst einmal zuhören

In den Telefonaten werden hauptsächlich Konflikte mit den Eltern oder schlechte Noten besprochen, online hingegen ernstere Probleme, wie zum Beispiel Depressionen oder selbstverletzendes Verhalten.

Jasper schildert sein Problem am Telefon, während die „kopfhoch“-Mitarbeiterin erst einmal nur zuhört: „Meine Eltern sind kurz davor, mich rauszuschmeißen. Meine Mutter versteht mich einfach nicht. Sie akzeptieren meinen Style und meine Freunde nicht. Und den Alkohol trink ich nur, weil ich halt auch mal feiern will…“. Der Teenager, der einer Punkerclique angehört und sich häufig betrinkt, zeigt kein Interesse mehr an schulischen Themen, was seine Mutter nicht akzeptieren kann.

Neben interessanten Infos wurden auch „Originalfälle“ von Kinder und Jugendlichen aus dem Landkreis vorgestellt. Foto: Samuel Horn
Neben interessanten Infos wurden auch „Originalfälle“ von Kinder und Jugendlichen aus dem Landkreis vorgestellt. Foto: Samuel Horn

Da viele sich nicht trauen, ein solches Gespräch zu führen, kann man alternativ auch eine E-Mail schreiben, die innerhalb von 24 Stunden beantwortet wird, oder eine Nachricht über die Homepage www.kopfhoch.de schreiben. „Vielleicht könnt ihr mir ja einen Rat geben, wo ich hin kann, wenn sie mich rausschmeißen. Zum Jugendamt kann ich ja nicht, wegen der Schule. Ich mein, man kann da ja nur in so eine WG, wenn man regelmäßig zur Schule geht…“, spricht der 16-Jährige weiter.

Interview

Ein Recht auf gewaltfreie Erziehung

Frauke Riegelsberger-Ganglmeier vom Kinderschutzbund Regensburg erläutert im Interview die Ziele ihrer Organisation.

So ungefähr könnte ein Telefonat bei „kopfhoch“ ablaufen. Dieses Projekt für Kinder und Jugendliche, das es nur in der Oberpfalz gibt, wird von den zehn Jugendämtern des Bezirks finanziert. Geworben wird unter anderem mit Flyern und auf Instagram, daher kann an einem normalen Tag das Telefon auch einmal durchgehend klingeln. Die „kopfhoch“-Mitarbeiter versuchen dennoch, für alle da zu sein.

Neue Räumlichkeiten bieten mehr Möglichkeiten

Derzeit ist der Kinderschutzbund noch in der Alten Mälzerei untergebracht. „Im Februar 2019 werden wir von dort in das ,Kinderschutzhaus‘, das Bürgerstift St. Michael am westlichen Altstadtrand, umziehen“, berichtet Frauke Riegelsberger-Ganglmeier. Dort werde man mit mehreren anderen Stellen, unter anderem dem Jugendschutz, zusammenarbeiten. „Dann können wir auch Kinder und Jugendliche aufnehmen, die nicht mehr zu Hause betreut werden können, was uns momentan, mit den aktuellen Räumlichkeiten, nicht möglich ist“, sagt die Vorsitzende des Regensburger Kinderschutzbundes.

Der Kinderschutzbund

  • Gründung:

    Gegründet wurde der Kinderschutzbund 1953 in Hamburg von dem dort lebenden Arzt Fritz Lejeune. In Regensburg gibt es den Bund seit 1977.

  • Hilfe:

    Der Kinderschutzbund unterstützt unter anderem Kinder, die Probleme mit ihrem Leben haben, und setzt sich für Kinderrechte ein.

Zurück zu „kopfhoch“: Das Telefon klingelt erneut. Dieses Mal ist es die 16-jährige Marie. Sie hat Liebeskummer: „Hi… also ich weiß nicht, ob ich hier richtig bin, aber… mein Freund hat mich verlassen und jetzt weiß ich nicht, was ich tun soll…“, sagt sie. „Das tut mir leid, Marie“, antwortet die Beraterin. „Erzähl doch mal…“.

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