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Geschichte

Es herrschte Angst statt Gerechtigkeit

Beim Besuch der sogenannten Fragstatt unter dem Alten Rathaus bekamen Schüler Einblicke in die Justiz früherer Jahrhunderte.
Von der 7. Klasse des Pater-Rupert-Mayer-Zentrums

Die Fragstatt befindet sich direkt unter dem prunkvollen Reichssaal, wie Rathausführer Robert Ebner den Schülern erläuterte. Foto: Johannes Heider
Die Fragstatt befindet sich direkt unter dem prunkvollen Reichssaal, wie Rathausführer Robert Ebner den Schülern erläuterte. Foto: Johannes Heider

Regensburg.Beim Betreten der dunklen Folterkammer im Regensburger Alten Rathaus geht unsere Klasse durch knarrende, teilweise kleine Türen in einen durch eine Laterne beleuchteten und mit Holz verkleideten Raum. Wir erblicken das erste Mal die original erhaltenen Foltergeräte. Bei diesem Anblick läuft es uns kalt über den Rücken. Man kann sich vorstellen, wie die „Befragten“ vor Schmerzen schrien und die schrecklichsten Stunden ihres Lebens in der sogenannten „Fragstatt“ verbrachten. Bei dem Gedanken an die „peinliche Befragung“ – mittelalterlicher Ausdruck für „schmerzhafte Befragung“ – tritt Stille ein. Modrige, kalte, stickige Luft kommt uns entgegen.

Direkt über der kleinen, ungemütlichen und dunklen „Fragstatt“ befindet sich der Reichssaal. Dies ist ein einladender, prunkvoller, kaiserlicher und großzügiger Raum. Vergoldete Nägel wurden an der Decke nur zur Zierde angebracht. Während im Reichssaal berauschende, gelöste Feste gefeiert wurden, fanden ein Stockwerk tiefer grauenvolle und menschenunwürdige Folterungen statt. Ein unvorstellbarer, unwirklich scheinender Kontrast.

Der Rathausführer Robert Ebner berichtet uns, dass Regensburg im Jahr 1245 zur freien Reichsstadt erhoben wurde. Dadurch konnte Regensburg die Ratsherren selber wählen und die Steuer und Währung frei festlegen. Zudem hatte Regensburg das Recht zu den „peinlichen Befragungen“.

Geständnis unter der Folter

Die erste Folter fand in Regensburg im Jahr 1533 statt. Giftmischerei, Münzfälschung, Mord, Brandstiftung und Verrat galten als schwere Verbrechen und führten zu „Befragungen“ in der „Fragstatt“ (so wurde die Folterkammer früher genannt). Ziel war es, ein Geständnis zu erlangen, da Indizienprozesse wie heute nicht möglich waren. Nur mindestens zwei Augenzeugen (angesehene Bürger) oder ein Schuldgeständnis in der Fragstatt führten zu einer Überführung eines Verdächtigen.

Dem Folterknecht standen verschiedene Foltergeräte zur Verfügung. Maximal konnten die „Fragherren“ drei Folterrunden mit unterschiedlichen Foltergeräten anordnen. Ein Wundarzt entschied, wie lange die Folter durchgeführt werden konnte, ohne dass der Angeklagte starb. Nur wer drei Folterrunden ohne Geständnis überstand, wurde freigesprochen. Dies war fast unmöglich.

Neben dem Raum, in dem sich die Fragstatt befand, waren die Zellen und Lochgefängnisse der Angeklagten. Der Häftling wurde aus seiner Zelle geholt und zur Fragstatt geführt. Dort warteten der Folterknecht und der Wundarzt auf ihn. Hinter einer Holzwand befanden sich zwei Fragherren (Ratsherren). Diese leiteten und protokollierten die Befragung. Da der Beruf des Folterknechts ein unehrenhafter Beruf war, lebten Folterknechte meist außerhalb der Stadt.

Öffentlich zur Schau gestellt

Wenn der Angeklagte zum Tode verurteilt wurde, kam der Häftling in eine spezielle Zelle. In dieser Zelle verbrachte er seine letzten Tage. Verwandtschaft konnte ihn besuchen und der Verurteilte bekam eine letzte „Henkersmahlzeit“. Im Anschluss wurde der zum Tode Verurteilte zum „Galgenberg“ geführt. Dort angekommen wurde der Straftäter gehängt oder geköpft. Das Köpfen galt im Vergleich zum Hängen als „ehrenhafter“ Tod. Diese Hinrichtungen waren öffentlich, lockten viele Besucher an und dienten der Abschreckung der Bürgerinnen und Bürger.

Die Regensburger Fragstatt war mit verschiedenen Foltergeräten ausgestattet, welche auch alle eingesetzt wurden – unter anderem eine Streckbank, ein Spanischer Esel, bei dem man sich auf ein oben spitz zulaufendes Brett setzen musste, und ein Judasstuhl.

Im Gegensatz zu den schweren Verbrechen berichtete Rathausführer Robert Ebner auch von den „leichten“ Verbrechen. Als leichte Verbrechen galten Ehebruch, Betrug und Diebstahl. Verurteilte wurden unter freiem Himmel öffentlich einen Tag lang an den Pranger gestellt. Vorne am Pranger standen Name und Verbrechen. Eine weitere Strafe war die Halsgeige. Dies war eine Holzvorrichtung mit Eisenelementen, welche Hals und Hände einschloss.

1770 endete die Zeit der schrecklichen „Befragungen“. Die Regensburger Ratsherren beschlossen, die Folter abzuschaffen. Als unsere Klasse die Folterkammer verlässt, erblicken die Schülerinnen und Schüler wieder das Licht von Regensburg. Im Freien wird ihnen bewusst, wie brutal das Leben in Regensburg gewesen ist. Alle sind sich einig, dass es nur einer schaffen würde, drei Folterdurchgänge zu überstehen: Chuck Norris.

Die Folterinstrumente in der Fragstatt:

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