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Medien

Gymnasiasten machen Radio

Die Schüler des Johann-Michael-Fischer-Gymnasiums in Burglengenfeld erkunden im Funkhaus Regensburg den Sendebetrieb.
Von den Schülern der Klasse 8d des Burglengenfelder Johann-Michael-Fischer-Gymnasiums

  • Unsere Mitschülerin Lili beim Einsprechen von „Heute Schweden“ Foto: M. Nowak
  • Moderator Matthias Koch erklärt seinen Job Foto: M. Nowak
  • Aufnahme des WM-Raps im Produktionsstudio Foto: L. Espák

BURGLENGENFELD.Die Klasse 8d des Burglengenfelder Johann-Michael-Fischer-Gymnasiums mischt mit beim Produktionsteam des Funkhauses Regensburg. „Ich bin Jott, ich bin Stella und zusammen sind wir Jottella, heute wieder mit unserem WM-Rap.“ Jeder, der Gong fm hört, kennt diesen Spruch, auch wenn der WM-Rap nach dem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft in einer etwas veränderten Version dort lief. Als wir uns an einem Mittwochmorgen auf den Weg nach Regensburg machen, sind wir voller Vorfreude: Die WM hat gerade erst begonnen und wir werden an diesem Tag die Menschen kennenlernen, deren Stimmen täglich im Radio zu hören sind.

Das moderne Gebäude in der Lilienthalstraße, in dem sich das Regensburger Funkhaus seit 2001 befindet, vermittelt durch die vielen Glaselemente einen hellen und einladenden Eindruck. Dass diese Offenheit nicht nur ein Gestaltungsmerkmal der Fassade ist, sondern auch auf die Atmosphäre im Funkhaus zutrifft, wird uns schnell deutlich, als uns Petra Grillmayer, eine Mitarbeiterin der Eventagentur Media Live, die zum Funkhaus Regensburg gehört, in der Eingangshalle willkommen heißt.

Von ihr erhalten wir zunächst einige grundsätzliche Informationen über die Medienfirma. Zu dieser gehören neben Media Live vier Radiosender. 688 000 Menschen in Niederbayern und der Oberpfalz können Charivari, dessen Zielgruppe 30- bis 59-Jährige sind, hören.

Für das jüngere Publikum gibt es Gong fm, das ebenso wie Charivari über UKW, Kabel und Internet von 444 000 Menschen sowie seit Juli auch über den neuen digitalen Radio-Standard DAB+ zu empfangen ist. Daneben sind Radio Galaxy, ein bayernweit ausgestrahlter Sender, und mehrere Sender der Absolut-Gruppe in dem Gebäude untergebracht.

Das Team umfasst mehr als 100 Mitarbeiter, die in den verschiedensten Bereichen arbeiten: Wir blicken durch weitere Glasfenster in das Büro des Geschäftsführers Martin Schelauske und beobachten die Redakteure im Großraumbüro, die mit Kopfhörern konzentriert auf ihre Bildschirme sehen, um die Nachrichten und Verkehrsinformationen für die Sendungen des Tages vorzubereiten. Vorbei am Master-Control, dem „digitalen Herz des Funkhauses“, das aus zahlreichen Rechnertürmen besteht, geht es zu den Moderatoren.

„Ja, die Studios sind mit einer Klimaanlage ausgestattet“, bestätigt uns Matthias Koch im Charivari-Studio, nachdem einige von uns an diesem heißen Tag beim Betreten des Raumes gleich ihren Wunsch geäußert haben, länger dort zu bleiben. Die Klimatisierung ist wegen der hier untergebrachten Technik nötig. Mehrere Computer und Mischpulte befinden sich auf und in dem langgezogenen Holzmöbel, an dem der routinierte Moderator barfuß steht und neben unseren Fragen „die Sendung fährt“.

Dabei richtet er sich nach der sogenannten „Playlist“, denn die Moderatoren spielen verständlicherweise nicht ihre persönlichen Lieblingssongs, sondern die Lieder, die die entsprechende Zielgruppe hören will. Diese Wünsche herauszufinden, ist Aufgabe der Musikredakteure. In den „breaks“ kommen dann die Moderatoren zu Wort. Der „Spaß am Reden“ gehört damit zu den unbedingt notwendigen Voraussetzungen, die man mitbringen sollte, wenn man diesen Beruf ergreifen will.

Corbi aus unserer Klasse spielt mit diesem Gedanken und erfüllt – wie wir aus dem Unterricht wissen – diese Bedingung auf jeden Fall. Als er erfährt, dass einem Gong fm-Moderator täglich rund 98 000 Menschen zuhören, also mehr Leute als in die Allianz Arena mit ihren 75 000 Plätzen passen, ist unser Mitschüler überzeugt: „Das ist mein Traumberuf!“

Jott, der Moderator der Morgensendung auf gong fm, den wir nun in eines der Produktionsstudios begleiten, macht uns darauf aufmerksam, dass man zudem, weil man sich ja ständig mit neuen aktuellen Themen beschäftigen muss, eine breite Allgemeinbildung und „Interesse für alles“ braucht.

Ein Pflaster an Jotts Schläfe, das eine Wunde verdeckt, die sich dieser beim eiligen Aufsetzen des Kopfhörers zugezogen hat, verdeutlicht uns zweierlei: Zum einen, dass der Beruf des Moderators anscheinend gefährlicher ist, als wir dachten, zum anderen, dass sich „jottella“ wirklich so gut verstehen, wie es am Radio klingt, denn Stella, die seit sieben Jahren mit Jott die Morgensendung auf gong fm bestreitet, hat ihren Kollegen mit einem wunderbaren „Olaf-Pflaster“ verarztet, also ziert nun der Schneemann aus dem Film „Eiskönigin“ das Gesicht des Moderators. Dieser erklärt uns, welche Aufgabe wir abschließend zu bewältigen haben.

Wir werden an der Produktion einiger Bestandteile der Morgensendung am darauf folgenden Freitag mitwirken. Neben diesen Programmbestandteilen werden auch Werbespots im Funkhaus produziert. Die Ausstrahlung eines solchen Spots kostet zwischen zwei und sechs Euro pro Sekunde, dieser ist meist für zehn bis vierzehn Tage im Radio zu hören. „Wer nicht wirbt, stirbt“, fasst Petra Grillmayer während der Führung die Bedeutung von Werbung für Unternehmen zusammen.

„So sechs, sieben von euch brauche ich für die nächste Aufnahme“, fordert Jott uns auf, in die Sprecherkabine zu gehen. Einen Augenblick später stehen etwa doppelt so viele von uns dicht gedrängt in dem schalldichten Raum und verursachen Hintergrundgeräusche, die im angrenzenden Studio aufgenommen werden. Es bedarf einiger Anläufe, bis beispielsweise aus einem abschreckenden Gegröle ein überzeugendes Jubelgeschrei geworden ist.

Lili bekommt eine besondere Rolle: Sie spricht den Anfang des WM-Raps für die Freitagmorgensendung ein: „Heute Schweden“. Auch wenn die deutsche Nationalmannschaft Russland so frühzeitig verlassen hat, wird für uns diese WM damit in besonderer Erinnerung bleiben.

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