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Justiz

Nicht bestrafen, sondern erziehen

Beim Besuch einer Verhandlung gegen einen 19-Jährigen Drogenkonsumenten lernten Schüler, welche Aufgaben das Gericht hat.
Von der Klasse 7M der Anton-Balster-Mittelschule Neustadt

  • Schriftzug vor dem Kelheimer Amtsgericht Foto: Weigert/Archiv
  • Die Siebtklässler besuchten im Rahmen von Zeitung in der Schule eine Gerichtsverhandlung am Amtsgericht in Kelheim. Foto: Klasse 7M

Kelheim.Wir besuchten am 14. Juni 2018 gemeinsam mit unserer Klassenlehrerin, Frau Rosemarie Huber, das Amtsgericht in Kelheim.

Im Rahmen von Zeitung in der Schule durften wir am Donnerstag, den 14. Juni 2018 an einer Gerichtsverhandlung teilnehmen. Dabei ging es um einen damals 19-Jährigen, der gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen hatte. Auf einem Festival in Ingolstadt konsumierte der Angeklagte Drogen in Form von „Gras“ und wurde dabei von der Polizei erwischt. Nach einer Befragung und der Konfiszierung seines Mobiltelefons durchsuchten Polizisten die Wohnung des jungen Mannes. Dort fanden sie illegale Rauschmittel und es stellte sich zusätzlich heraus, dass er und sein Mitbewohner die Drogen nicht nur konsumierten, sondern auch damit dealten.

Frage nach dem Preis

Der Angeklagte gab während der Verhandlung an, einige 100 Gramm des Rauschmittels gemeinsam mit seinem Mitbewohner, dem Mittäter (es gibt keine weiteren Informationen zu ihm), gekauft zu haben. Ein kleiner Teil davon diente dem eigenen Gebrauch, der Rest sollte für einen sehr hohen Preis verkauft werden. Die Frage der Richterin, wie viel er für ein Päckchen verlangt habe, konnte er nicht beantworten. Während der gesamten Verhandlung, die von zirka 8.50 Uhr bis 11.50 Uhr andauerte, wurden unter anderem der damals am Festival anwesende Polizist sowie eine Kriminalpolizistin, die das Handy des Angeklagten untersuchte, als Zeugen befragt.

Der Mitbewohner bzw. Mitangeklagte sollte ebenfalls als Zeuge auftreten, erschien jedoch trotz Aufforderung nicht bei Gericht. Nach den Befragungen des Angeklagten und der Zeugen kam das Gericht zu der Entscheidung, den jungen Mann nach dem Jugendstrafgesetz zu verurteilen: Drei Jahre auf Bewährung. Regelmäßige Kontrollen sollen verhindern, dass er erneut Drogen konsumiert. Sollte er innerhalb der drei Jahre gegen die Strafe verstoßen, muss er ins Gefängnis.

Noch einmal eine Chance

Aufgrund weiterer Verhandlungen und eines sehr strengen Terminplans, fiel das Interview mit der Richterin leider aus, doch unsere Lehrerin sowie ein Jugendsozialarbeiter konnten uns Fragen zum Fall und zur Verurteilung beantworten. Wie wir erfuhren, hätte der Angeklagte nämlich auch nach dem Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden können, doch das Gericht entschied sich dagegen, um dem jungen Mann noch eine Chance zu geben. „Das Urteil soll ihn in erster Linie nicht bestrafen, sondern erziehen!“, so die Richterin.

Wir fanden den Besuch im Amtsgericht und den Ablauf einer Verhandlung unfassbar spannend und sind dankbar, dass uns dieser Ausflug ermöglicht wurde.

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