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Freizeit

Schritt für Schritt zum Discofox

Ein riesiger Spiegel, eine Theke wie in der Disco und moderne Musik: Viele von uns betreten zum ersten Mal eine Tanzschule.
Von der Klasse 9 des SFZ Maxhütte-Haidhof

Die richtige Handhaltung beim Discofox: Die linke Hand des Herren hält die rechte Hand der Dame. Foto: Kevin Baumann
Die richtige Handhaltung beim Discofox: Die linke Hand des Herren hält die rechte Hand der Dame. Foto: Kevin Baumann

Burglengenfeld.„Schritt, Schritt, Tap“, sagt eine freundliche, junge Stimme. Wir stehen in einer Reihe vor dem Spiegel auf dem Parkett. Alle gehen zwei Schritte vor, tippen mit der Fußspitze auf den Boden – und dann das Ganze zurück. Die Stimme gehört Sophie Ottermann. Sophie ist Auszubildende zur Tanzlehrerin im ersten Lehrjahr. Erstaunlich routiniert und souverän stellt sie uns, der 9. Klasse des Förderzentrums in Maxhütte-Leonberg, dem Lehrer Michael Werner und dem Schulbegleiter Willibald Urban, das Tanzcentrum in Burglengenfeld vor, beantwortet viele Fragen und bringt uns in einem Workshop den Discofox bei.

Sophie tanzt die Schrittfolge vor. Immer besser können wir mitmachen. Nach der Trockenübung kommt Musik dazu. Dann stellen wir uns als Tanzpaare auf, Hand in Hand. „Die Mädchen gehen zurück, die Jungs nach vorne!“, sagt Sophie. Zu bekannter Musik tanzen wir zum ersten Mal den Discofox. Sophie geht von Paar zu Paar. „Schaut mal, wenn ihr die Hände so haltet, dann ist das noch besser! Und: „Das sieht schon ziemlich gut aus!“

„Tanzen im Tanzkurs, das fängt schon im Kindergartenalter an“, informiert uns Sophie. „Wir bieten Kindertanz an. Das ist tänzerische Früherziehung. Unseren Hip-Hop-Kurs besuchen Vier bis 13-Jährige. Und wir haben Kinderballett im Programm.“ Auch für unser Alter ist etwas dabei: „In Schülerkursen bereiten wir auf Abschlussbälle vor“, erklärt Sophie.

Intensivkurse für Hochzeitspaare

In den Erwachsenenkursen lernt man Standard- und lateinamerikanische Tänze, zum Beispiel den Walzer, Cha-Cha, Blues und natürlich den Discofox. Sogar Erwachsenenballett wird angeboten. Und es gibt eintägige Intensivkurse – zum Beispiel für Hochzeitspaare. „Wie lange dauert eine Tanzstunde?“, will Nadine wissen. „Bei den Kindern eine Dreiviertelstunde bis eine Stunde, bei Schülern 90 Minuten“, sagt Sophie. Ein Intensivkurs für Hochzeitspaare geht über vier Stunden.

Das Abc der Tanzprofis

  • Beat:

    englische Bezeichnung für den Taktschlag, der den Rhythmus der Musik bestimmt

  • Discofox:

    beliebter und einfach zu erlernender Tanz für Paare

  • Lateinamerikanische Tänze:

    Paartanz mit wechselnden Aktionen und Drehungen

  • Rhythmus:

    zeitliche Einteilung der Musik

  • Standardtänze:

    Paartanz, die Tanzfläche wird dabei gemeinsam durchschritten

  • Tap:

    ein Tanzschritt, bei dem die Fußspitze den Boden kurz berührt

„Seit wann gibt es das Tanzcentrum?“, fragt Teresa. „An unserem Hauptort Neumarkt wurde 2006 Einweihung gefeiert, in Burglengenfeld sind wir seit 2013“, sagt Sophie. In Neumarkt arbeiten 28 Tanzlehrer und in Burglengenfeld acht. Gegründet wurde das Tanzcentrum von Stefan Schlosser und Sören Knappe, denen es auch heute noch gehört und die als Tanzlehrer, Ausbilder, Wertungsrichter und Referenten den Tanzsport voranbringen. In Neumarkt gibt es zurzeit 24 Kurse, in Burglengenfeld zehn. Hier kann man ganz nach seinen Fähigkeiten aus fünf Leistungsgruppen auswählen: Anfängerkurs, Fortgeschrittenenkurs und Leistungsstufe I, II und III.

Auf geht’s zum Tango: Der Tanz entstand in Südamerika. Die Zeit zwischen 1935 und 1955 bezeichnet man als das goldene Zeitalter des Tangos. Foto: Kevin Baumann
Auf geht’s zum Tango: Der Tanz entstand in Südamerika. Die Zeit zwischen 1935 und 1955 bezeichnet man als das goldene Zeitalter des Tangos. Foto: Kevin Baumann

Gründe, tanzen zu lernen, gibt es viele: „Es hält fit, es macht Spaß und man lernt hier viele nette Leute kennen“, sagt Sophie. Und: „Neurowissenschaftler haben Studien zum Tanzen gemacht und herausgefunden, wenn man tanzt, dann ist man attraktiver.“ Auch kann man sich bei Veranstaltungen oder in Discotheken viel sicherer auf der Tanzfläche bewegen, wenn man einen Tanzkurs besucht hat.

Neueste Studien belegen, dass Tanzen sogar gegen Alzheimer hilft. Bei Männern sinkt demnach das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, um sensationelle 76 Prozent, wenn man regelmäßig tanzen geht. Das zeigt, Tanzen ist nicht nur ein sinnvolles Training für den Körper, sondern auch für den Geist. „Ich finde, Tanzen ist wie Urlaub. Da kann man abschalten und den ganzen Stress wegtanzen“, sagt Sophie.

Ein Tanzkurs bindet Paare und verbessert die Beziehung. „Wir haben Paare, die schon seit 20 Jahren zusammen tanzen, und das gemeinsame Hobby schweißt sie zusammen. Es haben sogar schon welche in der Tanzschule in Neumarkt geheiratet. Das zeigt, was für eine große Bedeutung das Tanzen für Paare haben kann“, erzählt Sophie.

„Kommen mehr Jüngere oder Ältere zum Tanzkurs?“, wollen wir wissen. „Es gibt Teilnehmer in jedem Alter“, erklärt uns Sophie. „Die Kinderkurse sind gut besucht und natürlich kommen in Tanzkurse für Hochzeitspaare jüngere Kursteilnehmer, meist im Alter zwischen 20 und 30 Jahren. Die größte Gruppe der Teilnehmer bildet zurzeit aber die Ü40-Gruppe.“ Im Augenblick lernen in Burglengenfeld 150 und in Neumarkt 800 Personen das Tanzen. Insgesamt haben im Tanzcentrum schon 20 000 Personen das Tanzen gelernt, etwa 10 000 Kinder und Schüler und 10 000 Erwachsene.

Daumen hoch: Beim Tanzen lernt man Leute kennen, es macht Spaß und ist gesund. Foto: Kevin Baumann
Daumen hoch: Beim Tanzen lernt man Leute kennen, es macht Spaß und ist gesund. Foto: Kevin Baumann

Die Kinderkurse kosten beispielsweise 27,50 Euro im Monat. Ein Einsteiger-Grundkurs, also ein Kurs, bei dem man alle Grundschritte lernt, dauert zwölf Wochen mit mehreren Stunden Tanzunterricht in der Woche und kostet 109 Euro. Man kann auch Mitglied für drei, sechs oder zwölf Monate werden. Ein Jahresvertrag kostet dann 37,50 Euro pro Monat. Neben den Kursen kann man auch die Tanzpartys besuchen, die meistens am Samstag zweimal im Monat von 20.30 bis 0 Uhr stattfinden. Da gibt’s dann Salzstangen, Chips und Erdnüsse – und natürlich wird auch Discofox getanzt.

Film löste Discofox-Fieber aus

Der bekannte Tanz entstand vor etwa 50 Jahren. Der Film „Saturday Night Fever“ mit John Travolta löste damals ein weltweites Discofox-Fieber aus. Endlich gab es einen Tanz, den man paarweise auf Discomusik tanzen konnte. Heute gehört er zu den beliebtesten Tänzen in vielen Ländern, auch weil er leicht zu erlernen ist. Und er wird sogar zu Technomusik getanzt. Der Junge geht zwei Schritte nach vorn, das Mädchen zwei zurück. Beim dritten Taktschlag tippt die Fußspitze ohne Gewicht auf den Boden: „Tap“ – geschafft.

Uns hat der Vormittag im Tanzcentrum viel Spaß gemacht und wir können jetzt sogar Discofox tanzen. Mit vielen Informationen verlassen wir gut gelaunt die Tanzschule. Und mit Bonbons. Denn die gibt’s im Tanzcentrum immer zum Abschied.

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