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Kontrolle

Was dem Zoll so alles in Netz geht

Beim Hauptzollamt Regensburg erleben Schüler hautnah, was täglich an den Grenzen und auf den Straßen Deutschlands passiert.
Von der Klasse 8b des Gymnasiums Lappersdorf

Arzneimitteln, gefälschte Markenprodukte, Waffen oder Teile von Tieren – diese Gegenstände hat der Zoll beschlagnahmt. Foto: Lukas Dorsch
Arzneimitteln, gefälschte Markenprodukte, Waffen oder Teile von Tieren – diese Gegenstände hat der Zoll beschlagnahmt. Foto: Lukas Dorsch

Regensburg.Wer das Wort „Zoll“ hört, denkt vermutlich zuerst an Beamte, die sorgfältig unter die Lupe nehmen, was seinen Weg über Landesgrenzen finden möchte – beispielsweise Drogen, Waffen und Zigarettenschmuggel. Dass der Zoll aber weitaus mehr Aufgaben zu bewältigen hat, erfuhren wir bei einem interessanten Besuch vor Ort. Das Hauptzollamt im Regensburger Osten ist ein modernes Gebäude, welches in einem Gewerbegebiet in der Nähe der Autobahn und dem Güterbahnhof liegt, was die Arbeit der Zöllner erleichtert. Unsere Führung beginnt in einem großen, hellen Raum, in dem uns Michael Lochner, der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Zollbeamte, freundlich empfängt.

Während seiner Präsentation bringt Lochner uns die zahlreichen Einsatzbereiche der etwa 850 Zöllnerinnen und Zöllner des Hauptzollamts Regensburg und deren Spürhunde nahe und unterstreicht diese mit interessanten Erlebnissen aus seiner mehrjährigen Berufserfahrung. So erfahren wir an zahlreichen Beispielen, dass der Zoll nicht nur an Grenzen wie der 240 Kilometer langen bayerisch-tschechischen Grenze, sondern auch an Autobahnen, auf Baustellen, in der Gastronomie, an Flug- und Schiffshäfen und in Brauereien unterwegs ist. Mit rund 39 000 Beschäftigten ist der Zoll einer der größten Arbeitgeber des Bundes und trägt durch Steuereinnahmen von 140 Milliarden Euro den größten Posten zum Bundeshaushalt bei.

Oma schmuggelte Drogen

In ganz Deutschland sind dabei Teams, meist mit einem Diensthund, unterwegs und führen verdachtsunabhängige Kontrollen durch. Unsere Fragen wie „Was ist einer der größten je entdeckten Drogenfunde in Deutschland?“ beantwortet Michael Lochner mit „250 Kilo Ecstasy auf der Ladefläche eines Lkw“. Sogar in einem Döner hätten die Fahnder schon Drogen – Crystal aus Tschechien – gefunden. Erstaunt waren die Fahnder auch, als sie „Drogen im BH einer alten Oma“ fanden. „Die Dame wollte diese für ihren Enkel über die Grenze bringen“, geht diese erstaunliche Geschichte weiter, „aber der Spürsinn der Beamten und ihrer vierbeinigen Helfer, welche nicht nach einem starren Schema kontrollieren, sondern sich auf ihr Bauchgefühl verlassen“, ließ die Zollfalle zuschnappen, wie uns Michael Lochner erzählt. Außerdem verrät uns der Insider die „leckeren“ Zutaten des zur Zeit beliebten, aber höchst abhängig machenden Crystal Meth: „Kloreiniger, Batteriesäure und weitere, doch recht ungesunde, Zutaten“, welche dann den Weg nach Deutschland und in die Körper der Abhängigen finden.

Blick auf die Ausstattung eines Einsatzfahrzeugs Foto: Lukas Dorsch
Blick auf die Ausstattung eines Einsatzfahrzeugs Foto: Lukas Dorsch

Nach dem Vortrag dürfen wir uns einige der bei Einsätzen sichergestellten Waren ansehen – von Arzneimitteln über gefälschte Markenprodukte bis hin zu Waffen oder Tierteilen ist alles dabei. Die eingezogenen Produkte werden meist vernichtet, Autos teils versteigert und lebende Tiere unter anderem an Tierheime übergeben. Auch das Paketlager besichtigen wir und erfahren einiges über die Arbeit des Zolls im gesamten Bundesgebiet. Dabei werden Sendungen aus dem Nicht-EU-Ausland kontrolliert, die meist über das internationale Drehkreuz Frankfurt am Main den Weg nach Deutschland finden.

Vorab informieren

  • Reisen:

    Bevor man ins Ausland reist, sollte man sich darüber informieren, was man ein- beziehungsweise ausführen darf und was nicht (z.B. geschützte Tiere), denn Unwissenheit schützt nicht vor Strafe.

  • App:

    Dies kann man mit der App „Zoll und Reise“ tun, um nicht in Konflikt mit dem Gesetz beziehungsweise dem Zoll zu geraten.

Schließlich gehen wir nach draußen, wo wir die Verplombung eines LKW mit dem Ziel Türkei, also einer EU-Außengrenze, verfolgen. Dabei wird die Ladefläche mit einem Seil umspannt und dieses verplombt, um sicherzustellen, dass die bereits kontrollierte Ladung nicht verändert wird.

Ein Beruf, viele Möglichkeiten

Spiegelverkehrte Schrift auf dem Zollfahrzeug Foto: Jakob Buchhauser
Spiegelverkehrte Schrift auf dem Zollfahrzeug Foto: Jakob Buchhauser

Außerdem nehmen wir ein Einsatzfahrzeug genauer unter die Lupe: Sofort fällt die spiegelverkehrte Schrift an der Front des PKWs auf, die manche von uns verwundert. Die Zollbeamten fahren auf ihrer täglichen Suche nach Schmugglern und Steuersündern allerdings nicht etwa mit falsch bedruckten Fahrzeugen durch die Republik. Die spiegelverkehrte Schrift, die auch auf Krankenwägen oder bei der Polizei zu finden ist, soll sicherstellen, dass ein zu kontrollierendes Fahrzeug im Rückspiegel eine anstehende Zollkontrolle erkennt. Die Zollbeamten nähern sich nämlich oft von hinten, um notfalls eine Verfolgung aufnehmen zu können.

Am Schluss des Tages sind wir um einige Erfahrungen reicher. Wir wissen neben interessanten Verstecken und dem Wert des teuersten Fundes (150 Kilo Heroin mit einem geschätzten Verkaufswert von zehn Millionen Euro) auch, dass man sich als Zollbeamter nicht auf einen einseitigen oder gar langweiligen Beruf festlegen muss. Denn nach der zweijährigen Ausbildung oder dem dreijährigen Studium auf der zolleigenen Hochschule hat man freie Auswahl: vom Hundeführer über Pressearbeit bis hin zum Gerichtsvollzieher; man kann auf der Straße oder im Büro, alleine oder im Team arbeiten – Zöllner zu sein, heißt mehr als nur die Grenze zu kontrollieren.

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