MyMz

Geschichte

Wie die Menschen früher lebten

Im Heimat- und Bauernmuseum Oberhinkofen lässt Heimatpfleger Pius Detterbeck die Vergangenheit lebendig werden.
Von der Klasse 4b der Grundschule Nittendorf

Pius Detterbeck kann zu jedem der Ausstellungsstücke interessante Geschichten erzählen. Foto: Naima Alahmad Alothman
Pius Detterbeck kann zu jedem der Ausstellungsstücke interessante Geschichten erzählen. Foto: Naima Alahmad Alothman

Oberhinkofen.Was bedeuten die Wörter „Fretter“ oder „Sachl“? Bestimmt kennt heutzutage nicht jeder die Antwort auf diese Frage. Diese Begriffe galten im vergangenen Jahrhundert als Bezeichnungen für landwirtschaftliche Betriebe. Dabei war ein „Fretter“ die Umschreibung für ein sehr kleines Anwesen, während etwas größere Höfe „Sachl“ oder „Sacherl“ genannt wurden. Danach erst kamen die Bezeichnungen „Bauernhof“ oder „Gutshof“.

Solche Geschichten und vieles mehr kann man im Heimat- und Bauernmuseum Oberhinkofen im Südwesten von Obertraubling lernen. Dieses ganz besondere Museum ist auf dem Hof von Georg Gattinger in Oberhinkofen zu finden. Ebenerdig, im ehemaligen Stall, und darüber im großen Dachboden verteilt, kann man tausende Schätze aus vergangenen Zeiten bestaunen und vieles über das Leben in den letzten Jahrhunderten und teilweise sogar Jahrtausenden lernen.

Körperliche Arbeit auf dem Feld

Eine Sammlung alter, handgefertigter Schuhe und Schusterwerkzeuge Foto: Maria Plank
Eine Sammlung alter, handgefertigter Schuhe und Schusterwerkzeuge Foto: Maria Plank

Verantwortlich für das Museum ist Pius Detterbeck. Seit 36 Jahren ist er als ehrenamtlicher Heimatpfleger tätig und verantwortlich für das Heimat- und Bauernmuseum Oberhinkofen. Detterbeck leitet und pflegt dieses mit vollem Einsatz und jedes seiner Ausstellungsstücke kennt er ganz genau. Egal ob antike Spielsachen, Bücher, Kleidungsstücke oder landwirtschaftliche Geräte – ein jedes hat seine besondere Geschichte zu erzählen. Detterbeck entführt die Museumsbesucher an allen Stationen der Führung in lange vergangene Zeiten und erklärt anschaulich, was es mit den historischen Gegenständen auf sich hat.

Vor allem die landwirtschaftlichen Geräte unterschieden sich früher sehr von jenen, die man heute kennt. Heute sieht man große Mähdreschen über die Felder fahren, aber wie konnten die Menschen ohne moderne Hightech-Geräte und -Fahrzeuge die Getreidekörner von dem Stroh und den Pflanzenhülsen trennen? Pius Detterbeck demonstriert den Besuchern die Antwort auf diese Frage sehr anschaulich: Er schwingt einen sogenannten Dreschstock – einen über einen Meter langen Holzstab mit einem länglichen, beweglichen Holzgewicht, das mit reiner Muskelkraft geschwungen und auf das am Boden ausgebreitete Getreide geschlagen wird. Dabei hielten die Bauern und Feldarbeiter früher einen Dreiviertel- oder Viervierteltakt ein und sprachen dazu rhythmisch passende Texte.

Fast ausgestorbene Berufe

Im ehemaligen Stalltrakt des Museums kann man die alten Werkzeuge der Schmiede, Hufeisen und einen Amboss bestaunen. Foto: Friederike Grün
Im ehemaligen Stalltrakt des Museums kann man die alten Werkzeuge der Schmiede, Hufeisen und einen Amboss bestaunen. Foto: Friederike Grün

Das Heimat- und Bauernmuseum informiert die Besucher aber auch über andere Berufsfelder, die früher von großer Bedeutung waren. Der Beruf des Schmiedes beispielsweise war sehr anspruchsvoll. Er stellte oft sein Arbeitswerkzeug selbst her. Schon damals fertigte er kunstvolle Gegenstände an, reparierte Maschinen und beschlug natürlich Pferde sowie Ochsen. Im ehemaligen Stalltrakt des Museums kann man die alten Werkzeuge der Schmiede, Hufeisen, sogenannte „Ochsenblattl“ und auch einen Amboss bestaunen.

Ein weiterer interessanter Beruf, der in dieser Form nicht mehr existiert, ist der Bader. Er rasierte die Männer und schnitt die Haare, aber er musste auch ärztliches Wissen und Können zeigen, wenn er Kranken half oder beispielsweise Zähne zog. Manchmal mussten Bader auch die Aufgaben eines Leichenbeschauers übernehmen. Dabei drückte er mit einem kleinen sogenannte „Leichenschaumesser“ auf die Verse des Totgeglaubten. Das Messer fuhr dann durch den Fuß und wenn dieser dabei zuckte, wusste man, dass der Mensch nicht tot war. So konnte der Bader oder der Leichenbeschauer verhindern, dass Leute bei lebendigem Leib bestattet wurden.

Wer das Heimat- und Bauernmuseum Oberhinkofen besuchen möchte, kann das jeden zweiten Sonntag im Monat von 13 Uhr bis 16 Uhr tun. Für Führungen außerhalb dieser Öffnungszeiten kann man sich an den Heimatpfleger Pius Detterbeck wenden. Auch gibt es die Möglichkeit, Veranstaltungen im Museum zu besuchen, beispielsweise den Museumstag oder das Drescherfest. Termine dazu werden in der Presse veröffentlicht.

Mehr ZiS-Artikel lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht