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Kultur
Montag, 24. September 2018 24° 6

Sakral

18 Lieder und Texte statt der 95 Thesen

Kabarettistisch und modern: Die Luther-Revue in der Bruderhauskirche zeichnet das Leben des Rerformators sarkastisch nach.
Von Anna-Leandra Fischer, MZ

Ralf Albert Franz (hinten) und Bernhard Setzwein      Foto: Fischer
Ralf Albert Franz (hinten) und Bernhard Setzwein Foto: Fischer

Regensburg.Ralf Albert Franz ging es um einen neuen Zugang zu Luther abseits klassischer Konzerte: „Ich wollte Kritisches, Ernstes, aber auch Lustiges miteinander verbinden.“ Ergebnis ist die Luther-Revue, eine lose Abfolge von Sprech- und Musiknummern, die Franz am Freitag mit seinem Ensemble auf die Bühne brachte. Die Zuschauer – sie füllten knapp die Hälfte der 120 Plätze – schmunzelten immer wieder über Verbindungen zu aktuellen Ereignissen oder über den sarkastischen Umgang mit Luthers Leben.

Mit der Idee, das Luther-Zitat „Die Welt ist ein trunkener Bauer“ als Leitfaden zu nutzen, um Luther in ein neues Licht zu rücken, hatte Ralf Albert Franz vor gut zwei Jahren die Planungen für sein Projekt begonnen. Zwei bekannte Schriftsteller, Karl Krieg und Bernhard Setzwein, schrieben das Programm und die einzelnen Texte. Auch Schauspielerin Julia Gruber, die in Regensburg und Augsburg wohnt, spielt bei der Revue mit.

Einst ruhige Lieder verjazzt

Als Kantor des Dekanats Passau und Organist hat Franz die Musikstücke zwischen den Textstücken selbst komponiert. Er unterlegte Lutherchoräle mit modernen Melodien, beispielsweise Luthers „Hier stehe ich und kann nicht anders“ mit Frank Sinatras „I did it my way“. Für den musikalischen Rahmen war am Freitag die dreiköpfige Jazz-Combo St. Matthäus zuständig. Mit Saxophon, Schlagzeug und Kon-trabass (und Franz am Klavier) verjazzte sie die einst ruhigen Lieder.

Der Swing war allgegenwärtig, schon beim eröffnenden Klavierstück zu „Ein feste Burg ist unser Gott“. Schnell wurde klar: Der Abend wird nicht langweilig. Zum Dialog der Teufelin, gespielt von Julia Gruber, mit Luther (Bernhard Setzwein) gab es einen Erzähler, der Gestik, Mimik und alle Bewegungen der Protagonisten vorgab. Der Teufel und Luther lasen ihre Dialogpassagen ebenfalls nur ab und setzten so nur ihre Stimmen ein– eine unkonventionelle Art der Darstellung.

Luther-Socken und -Luftballons

Auch Dialoge zwischen Luther und Cranach oder Luther und Müntzer führten durch das Programm. Eine Dauerwerbesendung zu Luther-Socken, Luther-Süßigkeiten oder Luther-Luftballons verdeutlichte die Kommerzialisierung Luthers im Reformationsjahr auf ironische Art und Weise. Trotz allem waren die Dialoge, Monologe und Auftritte auch mit Hintergrundwissen und historischen Genauigkeiten hinterlegt. Warum hat Luther die Bibel ins Deutsche übersetzt? – das war nur eine jener Fragen, die nebenbei beantwortet wurden.

Das Kulturreferat der Stadt Regensburg und das Evangelische Bildungswerk hatten die Luther-Revue nach Regensburg geholt. Gestartet war sie in Passau, Regensburg war nach Grafenau und Ortenburg die fünfte Station. In Bayern sind für den Herbst noch zwei weitere Auftritte des Teams, bestehend aus Schriftstellern, Schauspielern und Musikern, geplant. Das Evangelische Bildungswerk Regensburg bietet im Lutherjahr diverse Vortragsreihen und Führungen an.

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