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Literatur

27 Sichten auf die Donau in einem Buch

Gerd Burger stellte auf der Jahninsel „Donau – eine literarische Flussreise“ vor. 27 Autoren kommen darin zu Wort.
Von Florian Sendtner

Eva Sixt, Gerd Burger und Barbara Krohn (oben v.l.) lasen die Texte, Fredy Granzer (unten) spielte dazu auf seinem Akkordeon. Foto: Sendtner
Eva Sixt, Gerd Burger und Barbara Krohn (oben v.l.) lasen die Texte, Fredy Granzer (unten) spielte dazu auf seinem Akkordeon. Foto: Sendtner

Regensburg.Wer je die Ehre und das Vergnügen hatte, mit Gerd Burger in der Zille auf der Donau zu fahren, der wusste: Der Mann schippert da nicht bloß so rum auf diesem Fluss, sondern da kommt noch was. Nun ist es also raus: Nach dem englischsprachigen Band „Danube – A River Journey“ 2016 legte Gerd Burger jetzt, wiederum im Regensburger Morsbach Verlag, auch noch ein deutschsprachiges Pendant vor: „Donau – eine literarische Flussreise. Von der Quelle bis Budapest“. Es sind 27 Autoren aus mehreren Jahrhunderten (die Mehrheit freilich aus der Gegenwart), die Burger hier versammelt hat, garniert mit einer Fülle exzellenter Fotos, von denen fast die Hälfte von Burger selbst stammt.

Angesichts des sehr ähnlichen Covers könnte man meinen, es handle sich um die gleichen Texte, nur übersetzt, aber da kennt man Gerd Burger schlecht. Der promovierte Nordamerikanist bewegt sich sowohl in der englisch- als auch in der deutschsprachigen Literatur wie der Fisch im Wasser. Natürlich überlappen sich die beiden Bücher ein bisschen, im Grunde aber sind es zwei ganz verschieden komponierte Donauanthologien, die freilich die gleiche Handschrift tragen.

Aus der Zeit – und dem Ort fallen

Welcher Ort wäre besser geeignet, ein literarisches Flussreisebuch vorzustellen als bei der Schwimmabteilung des SSV Jahn auf der Jahninsel? Über die es in dem Roman „The Blue Danube“ von Ludwig Bemelmans heißt: „Der Naturkundelehrer hielt einmal im Jahr seine Klasse bei ihrem Morgenausflug an und wies auf die Insel, um sie als Muster ursprünglichen Lebens zu benutzen und dadurch das Leben der frühen Pfahlbautenbewohner zu erklären.“ Die Pfähle, auf denen der Holzschuppen des SSV Jahn steht, sind immerhin aus Beton – einziges Indiz für das 20./21. Jahrhundert. Ansonsten könnte man hier auf der Stelle aus der Zeit fallen – und auch aus dem Ort: Umgeben vom Fluss und von hohen Bäumen kann man kaum glauben, dass man hier mitten in der Stadt ist (Bemelmans ist übrigens nur in der englischsprachigen Flussreise enthalten).

Von der blumengeschmückten Veranda des Jahn-Schwimmvereinsheims herab las Burger mit Barbara Krohn und Eva Sixt Donautexte, Fredy Granzer spielte dazwischen vornehmlich traditionelle Balkanmelodien, und wer da nicht sogleich mit den Wogen des Flusses und der Literatur mitgetragen wurde, dem ist nicht zu helfen.

„Donau – eine literarische Flussreise“

  • Das Buch:

    Donau – eine literarische Flussreise. Von der Quelle bis Budapest. Gesammelt von Gerd Burger, Morsbach Verlag, Regensburg 2018, 217 Seiten, 20 Euro

  • Der Vorgänger:

    der englischsprachige Band „Danube – A River Journey“.

  • Der Autor:

    Gerd Burger, geboren im Jahr 1953 in Regensburg, ist Nordamerikanist und Soziologe und arbeitet als literarischer Übersetzer, Lektor, Autor und Regisseur, außerdem als Reiseleiter bei Begegnungen mit Böhmen, als Schiffslektor und als Publizist.

Schiffe „wie müde Krokodile“

Da berichtet Karl Friedrich Zelter in einem Brief an Goethe voll Begeisterung von einer Schiffsreise auf der Donau und der „Menge der Strudel“ besonders ab Linz, „unter welchen der ‚Saurüssel‘ der prächtigste ist“. Da beschreibt Martin Graff eine Schiffsfahrt bei Hainburg: „Wie müde Krokodile gleiten die Schiffe dahin“, da charakterisiert Eva Demski die Donau mit Respekt: „Heubündel, Stämme, Schuhe, ein totes Schaf, alles, alles trägt sie eilig davon.“

Unterhalb der Veranda spielt Fredy Granzer auf dem Akkordeon eine serbische Biserka und eine bulgarische Cetvorna im Sieben-Sechzehntel-Takt, ein Wanderfalke zieht hinter den Bäumen seine Kreise, und das Schlusswort hat der Salzburger Schriftsteller Karl-Markus Gauß, der eine historisch-politische und dabei doch sehr einfach-menschliche „Lehre der Donau“ zieht. „Die Donau hat die schlimmsten Despoten gekannt, aber auch gesehen, wie sie sich mit ihren Lakaien überstürzt davonstehlen mussten.“

Gerade angesichts des Donauraums, so Gauß, werde die Absurdität des Denkens in nationalen Grenzen sichtbar: „An der Donau ist viel Blut geflossen, vergossen für Besitz, Herrschaft, Ideologie, doch an der Donau ist auch immer wieder die Toleranz wirksam geworden“. Und zwar alles andere als theoretisch: „nicht als intellektuelle Utopie aufgeklärter Geister oder als politisches Programm wohlmeinender Staatsdenker, sondern als lebensnahes Prinzip des Alltags, als praktizierte Lebensweisheit der sogenannten gewöhnlichen Menschen“. Darauf einen Gankino Oro im Elf-Achtel-Takt!

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