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Festival

„ahoj!“: Eine frische Brise von ostwärts

Deutsch-tschechische Literaturbegegnung: Jaroslav Rudis und Ondrej Buddeus sind mit jungen, kraftvollen Texten die Stars.
Von Daniel Pfeifer, MZ

  • Jaroslav Rudis ist in seiner Heimat Tschechien ein Popstar der Literatur. Foto: Pfeifer
  • Ondrej Buddeus, hier mit seiner „zweiten Stimme“ Susanne Kulda, ist einer der innovativen jungen Stars der Szene. Foto: Pfeifer
  • Autorin Alena Zemancikova, Vorleserin Magdalena Becher und Dr. Carsten Lenk vom Mitveranstalter EBW im Alumneum Foto: Daniel Pfeifer
  • In der wenig bekannten Bruderhauskirche wurde es mit Carola Kupfer im Kerzenschein fast schon liturgisch. Foto: Pfeifer

Regensburg.Seit die Grenzen gefallen sind, hat sich zwischen den Nachbarn Bayern und Tschechien eine einzigartige Dynamik entwickelt. Eine kulturelle Freundschaft, die am Wochenende in Regensburg beim deutsch-tschechischen Literaturfestival „ahoj!“ gefeiert wurde. Mit Autoren und Texten von beiden Seiten des Böhmerwaldes, mit Klassikern und jungen Innovatoren der Literatur. Für Jaroslav Rudiš war Regensburg 1990 die erste westdeutsche Stadt, in die der Junge aus Turnov seinen Fuß setzte. „Wir waren total geflasht“, erinnert er sich. Heute ist er in Tschechien ein Popstar – soweit man mit Büchern ein Star werden kann. Rudis sorgte dafür, dass „ahoj!“ am Freitag mit einem Knall begann. Statt langatmiger Festreden gab es Rock’n’Roll und eine Lesung, so fest auf dem Boden und sympathisch, wie man es sich nur wünschen kann.

Sehr versteckte Leseorte

Die Regensburger Band Mehr braucht’s ned drehte die Verstärker auf und eröffnete mit der passenden Rock-Nummer „You Can’t Judge A Book by the Cover“. Im Licht der Industrie-Röhren von Halle A der OTH in Prüfening, die metallenen Belüftungsrohre halb mit schwarzem Vorhang und Sperrholzplatten verdeckt, las Jaroslav Rudiš mit einem Kneitinger in der Hand über grenzüberschreitende Liebe und die Toten Hosen 1987 – versammelt in seinem Buch „Vom Ende des Punks in Helsinki“. Junge, moderne Literatur, ohne Pomp und Selbstbeweihräucherung.

Nach der Party begann das Festival am Samstag erst so richtig. Nach einem Jugendprogramm am Nachmittag führte eine Shuttle-Lesung an vier ungewöhnliche Orte der Altstadt, zu vier ganz unterschiedlichen Autoren. Hier offenbarten sich die Anlaufschwierigkeiten von „ahoj!“: das Projekt ist noch Work in Progress. Carola Kupfer vom Schriftstellerverband Ostbayern berichtete, dass es gar nicht so einfach sei, geeignete Räume zu finden – solche, die selbst für Regensburger „Ureinwohner“ neu sind. Deshalb irrte mancher angereiste Festival-Besucher durch die Gassen der Altstadt. Vom dritten Stock des Alumneums, wo Autorin Alena Zemancikova und Magdalena Becher abwechselnd auf Deutsch und Tschechisch vorlasen, bis zur Bruderhauskirche, in der Carola Kupfer in fast liturgischem Kerzenschein die Geschichte des Prager Golems erzählte.

Der nachdenkliche junge Wilde

Ondrej Buddeus war der Star des Abends. Der junge Autor mit wildem Bart und Männer-Dutt schöpfte das Potenzial des Festivals mit jedem seiner nachdenklichen Texte, mit jedem Wortkunststück voll aus. Die tief berührenden Texte wären vor Jahren in Tschechien noch Provokation gewesen. Heute blüht die Literatur in der Clubszene. Buddeus’ frische literarische Brise ließ die Zuhörer mal mit einem Grinsen, mal sprachlos zurück.

„ahoj!“ ist Teil einer Reihe von jährlichen Literaturfestivals, die im vergangenen Jahr mit einer deutsch-türkischen Begegnung startete. Veranstalter sind die Buchhandlung Bücherwurm und das Evangelische Bildungswerk, am Freitag stieß auch das Centrum Bavaria Bohemia dazu.

Jaroslav Rudis hat das Literaturfestival „Ahoj“ eröffnet. Video: D&G

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