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Kunst

Alchimie und gegenwärtige Idyllen

Ausstellungsreihe „KunstBeiSteuern“: Arbeiten von Stefan Bircheneder und Günter Klobouk sind bis Ende Januar im Finanzamt Regensburg zu sehen.
Von Gabriele Mayer, MZ

„Rampe“ von Stefan Bircheneder (Öl auf Leinwand)

Regensburg.Zum zehnten Mal ist in der Reihe „KunstbeiSteuern“ eine Ausstellung im Besucheratrium und im Donauforum des Regensburger Finanzamts zu sehen. Diesmal werden in einer gelungenen Kombination die Arbeiten zweier sehr unterschiedlicher Regensburger Künstler präsentiert: Bilder von Günter Klobouk und Stefan Bircheneder. Klobouk ist mit seinen kruden Material-Bildern aus graubrauner Schlämmkreide in der hiesigen Kunstszene wohlbekannt. Der gelernte Kirchenmaler Bircheneder, Jahrgang 1974, ist eher ein Newcomer. Mit seinen beinahe fotorealistisch genauen Darstellungen in Öl vertritt er quasi eine künstlerische Gegenposition zu Klobouk.

Regensburger Stadtlandschaften sind bei Bircheneder nicht die sattsam bekannten Idyllen der Mittelalter-Metropole. Statt dessen: Gegenwärtigkeit. Etwa in dem Gemälde gleich zu Beginn der Ausstellung. In nebelverhangenem Zartblau und Silbergrau leuchtet am Horizont klein die mittelalterliche Stadt-Silhouette auf. Doch vorne, groß: ein knallgelb gestrichenes Metallgeländer und technische Apparaturen. Oder ein anderes Bild: Goldblau wölbt sich der Abendhimmel über den fernen Domspitzen. Im Vordergrund sieht man Straßenpflaster und die Seite einer Lagerhalle mit Metallleitern und Gestänge, die in das weiße Licht der Neonlampen getaucht sind. Das ist unsere Welt: Welterbe und Arbeitswelt, Verkehrswelt, globalisierte Technikwelt. Übrigens, auch die Domarchitektur war einst hypermodern und nicht jedermanns Sache. Und die Mühlräder und Ochsengespanne auf alten Gemälden, die uns so romantisch stimmungsvoll erscheinen, auch sie zeigten dazumal nur den schnöden Arbeitsalltag.

Bei einem weiteren Bild Bircheneders blickt man in den Innenraum eines riesigen Metallbehälters, von dem der Rost abbröckelt. Das Motiv wirkt beinahe so, als wäre es ein Bild aus dem Bereich der ungegenständlichen Malerei und entwickelt einen interessanten Form- und Farbreiz. Und darin stimmt es wunderbar zusammen mit den Materialbildern Klobouks, diesen Bildern aus Schlämmkreide, Nessel, Eisenchlorid, Pilzsporen und oft vielen anderen biologisch-chemischen Ingredienzien. Durch Verbrennungen, Verätzungen, Schichtungen entstanden, das Material geritzt und gespachtelt und sonstwie bearbeitet, das ist die alchimistische Bildwelt dieses Künstlers. Zufall und Zeit spielen eine Rolle, durch die sich aufgrund chemischer Prozesse die Bilder oft verändern. Das Auge des Betrachters jedoch neigt dazu, in diese Bilder Darstellungen hineinzudeuten, etwa von Landschaften oder Menschen, gar in Reih und Glied, wenn auch versehrt, aufgerieben, nur erahnbar. Doch die Assoziationsarbeit des Betrachters kommt in der gelungenen Kombination dieser einander im Ansatz so fremden Arbeiten von Klobouk und Bircheneder, die sich farblich oft sehr schön ergänzen, erst recht in Gang.

Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 31. Januar 2014 im Finanzamt Regensburg, Galgenbergstraße, zu den üblichen Öffnungszeiten

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