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Klassik

Allerfeinste Musik aus dem Barock

Sängerin Emma Kirkby berührte und fesselte die Zuhörer der Serenade mit „London Baroque“ bis hin zum Gänsehautgefühl.
Von Gerhard Dietel, MZ

Regensburg. . Ein gewisser Giorgio Federico Hendel reiste 1706 in Italien umher und avancierte in Rom zum Jungstar als Klavierspieler, Organist und Komponist. Dabei ergaben sich zwischen dem „Sassone“, wie die Italiener ihn auch nannten, und den ortsansässigen Musikern fruchtbare, wohl gelegentlich auch einmal von künstlerischen Meinungsverschiedenheiten eingetrübte Kontakte. Von dieser historischen Situation inhaltlich inspiriert zeigte sich das Programm der letzten diesjährigen Museumsserenade, überschrieben mit „Händel in Rom“. Neben Werken Händels ließ die Gruppe „London Baroque“ dabei die Sonate op. 1/12 Arcangelo Corellis erklingen und dazu noch eine hübsche programmatische Komposition, in welcher der Franzose Francois Couperin dem italienischen Kollegen Corelli huldigt, indem er ihn von den Musen auf den Parnass führen lässt.

Barockmusik vom Feinsten wurde geboten, und das in perfektem gegenseitigen Verständnis der Interpreten: Kein Blatt passte, was Bogenführung, Phrasierung und rhetorische Gestaltung betrifft, zwischen das vom Geist der historischen Aufführungspraxis getragene Violinspiel von Ingrid Seifert und Richard Gwilt. In Rede und Gegenrede ergingen sich die beiden, wenn sie einander die Phrasen und Motive zuspielten, wobei es meist einvernehmlich zuging und nur selten einmal so erregt, dass man glaubte, die beiden Instrumente streiten zu hören.

Enorme Differenziertheit

Steven Devine am Cembalo und Charles Medlam (Gambe) sorgten bei den erklingenden Trio-Sonaten für das harmonische Fundament, über dem sich der affektbetonte Violin-Dialog erhob, durften aber mit einer g-Moll-Sonate für Viola da gamba und Basso continuo auch einmal in den Vordergrund treten. An Beweglichkeit, an Differenziertheit und sprachnaher Artikulationsfähigkeit zeigte sich Charles Medlams Gambenspiel den Interpretationen seiner Geigenkollegen dabei ebenbürtig.

Besonders gespannt waren die Museumsserenaden-Besucher freilich auf den Auftritt von Emma Kirkby mit drei Vokalwerken Händels: dem „Salve Regina“ HWV 38, der Kantate „O qualis de coelo sonus“ und dem erst 2000 wiederentdeckten „Gloria“. Fesselnd war es, wie Emma Kirkby, die weltberühmte Pionierin der historischen Gesangspraxis, diese Werke interpretierte: mit ganz klarer, direkter Stimme ohne alle Vibrato-Manieren, die ideal mit dem Spiel von „London Baroque“ verschmolz, weil sie selbst instrumental geführt war, und schon einmal hinter den Instrumentalpart zurücktrat, aus dem sie sich dann wieder mit langgezogenem Crescendo löste.

Ein Koloraturenfeuerwerk

Wichtiger noch: Musikalischer Ausdruck ist bei Emma Kirkby nicht aufgesetzte Zutat, sondern entsteht direkt aus der Formung der Töne. Einzelne Vokalfärbungen genügten ihr, um einem „Qui tollis“ solchen Schmerzensausdruck zu verleihen, dass sich beim Hören richtiges Gänsehautgefühl einstellte. Erstaunlich war am anderen Rand des Emotionsspektrums, mit welcher Geläufigkeit Emma Kirkby im Schlussteil des „Gloria“ ein Koloraturenfeuerwerk abbrennen konnte: Obwohl die einzelnen Töne für sich Fülle und Schwere besaßen, fügten sie sich zu rasanten Passagen, die das Publikum zu heftigem Beifall hinrissen.

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