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Kultur
Dienstag, 24. April 2018 22° 3

Schauspiel

Altbackenen Witz solide inszeniert

Im Turmtheater: Die Komödie „Honigmond“ entpuppt sich als reichlich angestaubte Klamotte, der es an Schärfe mangelt.
Von Michael Scheiner, MZ

Verkörpern die konsumorientierte Weiblich- und Hausfraulichkeit: Christine (Bettina Schönenberg, l.) und Linda (Henriette Heine) Foto: Cristina Alba Falchi

Regensburg.Er kann! Sie auch – nämlich in die Röhre gucken. Denn bei ihr kann er – meist – nicht. Oder besser gesagt: nicht mehr. Das erzählt sie, Barbara (Heike Ternes), wutentbrannt ihrer Freundin Christine (Bettina Schönenberg) und geniert sich dabei kein bisschen, dass auch deren Mitbewohnerin Linda (Henriette Heine) höchst neugierig die Ohren spitzt.

Bei den „Leuchttürmen“ einer funktionierenden Beziehung, den Eheleuten Barbara und Manuel, ist das Tischtuch, vor allem aber die Bettdecke zerschnitten. Der Grund: ein verwaschenes Schwarzweiß-Foto. Es belegt, dass der männliche Leuchtturm außerehelichen Sex mit einer Assistentin hatte.

Komödie mit humorigen Unschärfen

Der „Honigmond“ im Turmtheater Regensburg hat seine Süße verloren, und Barbara erklärt mit knallharter Stimme: „Ich werde wieder realistisch sein!“ Dass sie es mit einer derart coolen und eindeutigen innerehelichen Vereinbarung zuvor nicht gewesen sein soll, erschließt sich in dem Stück des multitalentierten Österreichers und Vielschreibers Gabriel Barylli nicht auf Anhieb. Vielleicht aber gehört das zu den humorigen Unschärfen, die einer Komödie innewohnen und manchmal gar erst deren Witz ausmachen.

Der Witz, der in „Honigmond“ steckt, fällt unter die Rubrik altbacken. Da wird getobt, geschimpft, gelästert, es werden Schnuten ausprobiert, auf die natürlich – wer sonst – dumme Männer hereinfallen (sollen) und es wird hemmungslos geschnieft. Männer kommen nur als Telefonstimmen vor, werden aber dennoch angeschmachtet. Nun hat diesen süßlich triefenden „Honigmond“ ein Mensch der Gattung Mann verfasst. Diese war schon immer der Gefahr ausgesetzt, alles besser zu wissen, trefflicher zu interpretieren und klarer einzuordnen als jede andere Gattung Mensch – eine Frau beispielsweise.

Aufgeblasenes Slapstick-Setting

Manchmal klappt das ja auch. Bei Baryllis Beziehungskomödie allenfalls mehr schlecht als recht. Sie wirkt wie ein aufgeblasenes Slapstick-Setting aus den 80ern, aber es fehlt vorne und hinten an Schärfe.

In einer Zeit, als Punk schon als alter Hut galt und Pussy Riot gerade dabei waren, den Kindergarten zu rocken, können Sprüche vom „Kampf der Geschlechter“ oder „Der Mann denkt nicht!“ eigentlich nur noch müdes Gähnen hervorrufen.

Natürlich lassen sich aus dem Verhältnis der Geschlechter mit seinen Ungereimtheiten, Spannungen und Veränderungen vermutlich bis in alle Ewigkeit Funken schlagen – auch solche, die Gelächter auslösen. Dann sollte ein Autor aber auch tatsächlich auf der Höhe der Zeit sein und sich etwas trauen. Und nicht ausgeleierte Klischees und abgefieselte Stereotypen noch einmal in den Fleischwolf werfen, um die allerletzten Kröten aus abgestandenen Witzen rauszupressen.

Die drei Schauspielerinnen im Turmtheater gaben sich viel Mühe, aus dieser angestaubten Klamotte noch etwas Ordentliches rauszuholen, wobei vor allem Heike Ternes mit ihrer gekonnt gespielten Wut, sprühenden Bosheit und pointierten Schlagfertigkeit das Komödchen vorantrieb. Aber auch Schönenberg und Heine überzeugten nach zähem Beginn.

Von Kopf bis Fuß nur Libido?

Ein trefflicher Einfall war es, das reduzierte Bühnenbild (Katharina Claudia Dobner) aus verknitterten blauen Ikea-Einkaufstaschen und Ikea-Schürzen zu gestalten. Vom Bett für drei über Utensilien, die entnommen und verstaut werden konnten, bis zum Tisch mit Schampus und Keksen sind diese Symbole konsumorientierter Weiblich- und Hausfraulichkeit vielfach einsetzbar.

Die drei Weiber von Kopf bis Fuß nicht auf Liebe, sondern auf knallrotes Verlangen eingestellt darzustellen, die nur eines (!) im Kopf haben, um dann doch wieder zu regredieren, ist dagegen etwas farblos. Der soliden Inszenierung (Michael Bleiziffer) hätte mehr Pep gutgetan. Und sollte noch jemand ins Grübeln kommen, ob die angriffslustig intonierte Parole „Lieber Vielfalt statt Einfalt“ feministischen Ansprüchen genügt – sie tut es nicht!

Nächste Vorstellungen: 14. Mai, 19 Uhr, und 16. Mai, 20 Uhr, Turmtheater, Watmarkt 5, Regensburg

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