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Kultur
Freitag, 21. September 2018 28° 2

Rock

Am liebsten schnell, hart und laut

Der Hot Club um Gitarrist Ray Collins begeistert mit wildem Sound im Tiki Beat.
von Peter Geiger

Richtig heiß wurde es mit dem Hot Club im Tiki Beat. Foto: Peter Geiger
Richtig heiß wurde es mit dem Hot Club im Tiki Beat. Foto: Peter Geiger

Regensburg.Klar, Rock’n‘Roll konnte immer pappsüß sein. Aber in den 1950er Jahren, als die Musik dem Schoß des Rhythm’n‘Blues entschlüpft war und als Sturzgeburt das Licht der Welt erblickte, da war das auch der favorisierte Sound der Halbstarken und der Gefährlichen. Derjenigen, die nicht nur zur Maniküre das Springermesser benutzten. Die schwarzes Leder trugen und ihr Gegenüber fies anschauten, von der Seite. Die mochten’s am liebsten schnell, hart und laut. Wie bei einer Fahrt mit der Achterbahn sollte es zugehen, rauf und runter. Und mit vollem Karacho und höchstem Tempo rein in die Kurven. Genau diesem Gedanken hat sich der neunköpfige „Hot Club“ um den Kölner Gitarristen Ray Collins (der mit bürgerlichem Namen Andreas Kollenbroich heißt) verschrieben: Seit fast 20 Jahren machen sie Musik, die klingt, als wär’s der Soundtrack zu einem unveröffentlichten Streifen von Quentin Tarantino. Sie spielen ausschließlich Eigenkompositionen – die von einer Qualität sind, die es allesamt aufnehmen können mit Originalen eines Louis Jordan oder Thurston Harris. Gut durchstrukturierte, synkopierte Melodien, ausgestattet mit Refrains, die sich sofort festsetzen in der Hirnrinde des Publikums. Und sodann dessen Instinkte befeuern.

Beim Auftritt im Tiki Beat am Freitagabend funktioniert das von der ersten Sekunde an. Die Crowd johlt, sie singt mit und – tanzt! Und zwar nicht den schlichten Hip- oder Headshake. Sondern stilistisch authentische Moves, wie den Lindy Hop oder den Jive. Zwar hatten zwei der Saxophonisten auf die Reise von Aachen nach Regensburg verzichten müssen – weshalb die Truppe zum Septett zusammenschmolz. Trotzdem erreicht der „Hot Club“ sofort Betriebstemperatur. Und sorgt mit Songs wie „Little Missy, I’m drunk“ nicht nur für kollektive Schwindelanfälle – das Publikum intoniert die Refrains, als wären’s allesamt über Jahrzehnte in altamerikanischen Überlandlastwagenlautsprechern gereifte und in der Sonne zwischen Memphis und New Orleans abgehangene Gassenhauer. „Es ist gar nicht so leicht, die Jungs nach Regensburg zu lotsen“, sagt Veranstalter Peter „Buddy“ Vielberth. Er trägt ein beiges Sakko und einen Halsschmuck, der ihn aussehen lässt wie einen Sheriff, der in einem John-Ford-Western auf glamouröse Weise für Ruhe und Ordnung sorgt. So signalisiert er schon allein durch sein Outfit, wie sehr er sich der Vintage-Idee des Hot Club verschrieben hat. „Normalerweise spielen sie nämlich in Paris oder in London vor ausverkauften Hallen!“ Zwei Stunden lang kam Regensburg in den Genuss des Hot Club. Und durfte am Ende froh sein, dass diese Mittsommernacht einen Temperatursturz im Programm hatte!

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