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Theater

Amaretto mit bitterem Beigeschmack

Das Freie Künstler Ensemble bringt Brées routinierte Beziehungskomödie im Akademietheater auf die Bühne. Ella Schulz und Armin Kind sind saukomisch.
Von Uta von Maydell, MZ

Ella Schulz und Armin Kind Foto: altrofoto.de

Regensburg.Morde am laufenden Band sind bevorzugtes Thema des Allrounders Uli Brée, wenn er nicht gerade tolles Kabarett macht oder auf seiner Triumph-Maschine durch Tirol röhrt. In seinem Bühnen-Stückchen „Amaretto“ dagegen geht es eher um Selbstmord, beziehungsweise um alle Fallen der Liebe, die Menschen dazu bringen können. Dafür hat sich jetzt die Regensburger Gruppierung Freies Künstler Ensemble entschieden.

Den ungemein erfolgreichen Drehbuchautor – in Dinslaken am Niederrhein aufgewachsen und in Österreich verwurzelt – hatte das junge Sextett schon länger auf dem Schirm, nicht nur, weil ihm dessen Krassnitzer-Tatorte oder ungezählte TV-Movies so gefallen, sondern weil der gelernte Clown und Schauspieler ab und an auch Theaterstücke schreibt. Weil er wahnsinnig komisch sein kann und dabei auch noch kräftig mitdenkt. Am Wochenende hatte die Beziehungskomödie „Amaretto“ Premiere im Akademietheater.

Der italienische Kräuterlikör hat einen ähnlich bitteren Beigeschmack wie Bärwurz, muss aber in Liebesdingen wesentlich elektrisierender sein – ähnlich wie Brausepulver, mit dem Günther Grass in seiner „Blechtrommel“ einen Damen-Nabel zum Prickeln brachte. Bei den aktuellen Protagonisten Ella Schulz und Armin Kind jedenfalls scheint’s prächtig zu funktionieren. Die junge Mimin bringt einen Orgasmus über die Rampe, dass der ganze Schenkerturm wackelt. Und auch sonst: Viel Movimento!

Aber mal schön der Reihe nach: Des Zuschauers Blick fällt auf eine leere Bühne ganz in Schwarz, bestückt nur mit zwei weißen Würfeln, die ganz nach Laune kombinierbar sind als Parkbank, Hocker oder Ähnlichem. Hier bezieht ein junges Frauenzimmer im Jogging-Outfit Posten und sucht ganz offenbar Ruhe. Als Störenfried erscheint jedoch ein stattliches Mannsbild in derangiertem Business-Dress, das zunächst um ein paar Münzen, später um ganz andere Dinge buhlt – und zumeist auf Granit beißt. Denn Ella Schulz gibt vornehmlich die knallharte Männer-Verächterin und will – vor allem schlafen. Im Folgenden geht’s mächtig zur Sache. Armin Kind als Produktmanager in Seidensocken muss sich von einem seiner Fußwärmer trennen, weil der nach Hundekot stinkt. Dann will er sich aufknüpfen oder erschießen. Oder sie soll ihn erschießen. Aber nichts klappt.

Stattdessen ist ein Männlein-Weiblein-Schlagabtausch zu erleben, wie man ihn mittlerweile aus zig Kabaretts und Boulevardkomödien fast bis zum Überdruss kennt. Autor Uli Brée hat hier routiniert im Übervollen gefischt. Aber Regisseur Julian Niedermeier gelingt es durchaus, Spannung zu halten in diesem ausgeklügelten Verwirrspiel. Zwar wird ziemlich bald klar, dass die Helden einen handfesten Ehekrach samt Fremdgehen und Trennung verdauen müssen. Aber wer nun genau wer ist – SIE Tabata oder Sabine, ER Ludger, Klaus-Dieter oder Andreas – bleibt weitgehend im Verborgenen. Seelen-Abgründe werden aufgerissen, Verletzungen ausgespuckt, und all das mit viel Tempo und kurioser Situationskomik.

Zum Finale hin kommt die durchaus pikante Annäherung der beiden Eheversager. Zwei „Gelackmeierte“ brauchen schließlich auch Trost, und Partnertausch scheint ein probates Mittel. Aber Amaretto hat schließlich mit „Bitter“ zu tun, nicht mit Amore, steckt allerdings voller Eleganz. Die bleibt bisweilen auf der Strecke bei zu großen thematischen Wiederholungen. Also auch etwas Bärwurz statt Amaretto. Aber vor der schauspielerischen Leistung des Duos Schulz/Kind Hut ab! Sie sind über weite Strecken saukomisch in ihrer Verzweiflung.

Service

Vorstellungen am 19. u. 20 September, 2. u. 3. November im Akademietheater, Kumpfmühler Straße 14; außerdem am 13. u. 14. Oktober in der Alten Mälzerei und am 13. u. 14. Dezember im W 1 – Zentrum für junge Kultur in Regensburg. Beginn jeweils 19.30 Uhr. Karten unter Tel. (09 41) 507 50 50 oder (01 52) 57 50 59 85

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