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Kunst

Andrea Madesta stellt sich neu auf

Die Regensburger Galeristin zieht um. Frische, hochkarätige Kunst hängt künftig in der Wahlenstraße – etwa von Mr. Brainwash.
Von Marianne Sperb

Andrea Madesta in ihrer neuen Galerie: In der Wahlenstraße 3 gibt es künftig statt feinem Schuhwerk frische Kunstwerke. Foto: Marianne Sperb
Andrea Madesta in ihrer neuen Galerie: In der Wahlenstraße 3 gibt es künftig statt feinem Schuhwerk frische Kunstwerke. Foto: Marianne Sperb

Regensburg.Andrea Madesta hält es nicht lange an einem Ort. Das zierliche Kraftpaket, das seinen Tag zum Beispiel mit einer Runde Liegestützen beginnt, treibt die Entdeckerlust. Ihr Drang nach Bewegung ist vitaler als die Beharrungskräfte, die einen bremsen könnten. Ab März 2014 hat die promovierte Kunstwissenschaftlerin und Kuratorin in der Oberen Bachgasse, in den früheren Räumen von Peter Bäumler, aktuelle Positionen internationaler Hochkaräter präsentiert. Nach vier Jahren ist es Zeit für Neues.

Andrea Madesta zieht weiter. Dieses Mal wechselt sie aber nicht die Stadt oder gar das Land, sondern nur die Straße – der Regensburger Lebensqualität wegen, vor allem aber mit Blick auf den festen und wachsenden Stamm von Besuchern und Sammlern. Ende Januar eröffnet ihre Galerie in der Wahlenstraße 3.

Pop-Art im Zuckerbäcker-Haus

Im Enslin-Haus, wo „Rosina“ lange Zeit feines Schuhwerk verkauft hat, hängt künftig frische Kunst. „Ich hatte das Gefühl, es muss wieder was passieren“, sagt Andrea Madesta. 2017 kuratierte sie etwa die gefeierte Ausstellung „Shopping“ im Donau-Einkaufszentrum und arrangierte im Park von Schloss Höfling einen Skulpturen-Parcours. Die Aufträge außer Haus machten ihr bewusst, wie viel Anregung so ein Ortswechsel bringt – auch, weil er dazu zwingt, die Koordinaten neu zu setzen. „Kunst muss man immer wieder neu denken. Ich hatte gemerkt: Das gilt auch für mich und die Galerie.“

Andrea Madesta über den Wechsel der Galerie in die Wahlenstraße: Hier im Video

Video: Sperb

Die Räume in der Wahlenstraße sind mit knapp 200 Quadratmetern knapp so groß wie die bisherigen, aber weniger wuchtig, sehr licht, sehr zentral und sehr charmant. Hinter der gelb-rosa Zuckerbäcker-Fassade von Conditormeister Johann Caspar Enslin und den behäbigen Rundbogen-Fenstern öffnen sich weiße Wände unter gotischen Kreuzrippen.

Blick auf die Fassade im Zuckerbäcker-Stil: Hier eröffnet Ende Januar die Galerie Andrea Madesta. Foto: Marianne Sperb
Blick auf die Fassade im Zuckerbäcker-Stil: Hier eröffnet Ende Januar die Galerie Andrea Madesta. Foto: Marianne Sperb

In diesem Rahmen begegnet man künftig der amerikanischen Moderne, Helden der Pop-Art wie Tom Wesselmann und Alex Katz, die sozusagen zu Madestas Kanon gehören. Besucher treffen junge Künstler wie Nina Rike Springer und Markus Orsini-Rosenberg wieder, die die Galerie seit Jahren positioniert. Big names wie Markus Lüpertz werden vertreten sein. Und man wird die Bekanntschaft mit neuen Errungenschaften der Galerie machen. Li Yan heißt die jüngste Entdeckung. Der Mann aus Peking, früh von Charles Saatchi gefördert, lässt in meisterhaft ausgeführten kleinformatigen Aquarellen fragile, flüchtige Raumwelten entstehen.

40 Jahre eine Adresse für Kunst

  • Andrea Madesta:

    Andrea Madesta war ab 2013 geschäftsführende Kuratorin des Museums Frieder Burda Baden-Baden, ab 2009 Direktorin des Kunstforums Ostdeutsche Galerie, ab 2004 Direktorin des Museums Moderner Kunst Kärnten und ab 2000 stellvertretende Leiterin der Kunsthalle Nürnberg. Andrea Madesta stammt aus Fürth. Sie promovierte an der Humboldt-Universität in Berlin.

  • Die Obere Bachgasse 16:

    Das Landolthaus war über Jahrzehnte Kunst-Schauplatz und Kultur-Treffpunkt. 1974 gründete Peter Bäumler im Landolthaus seine Galerie. 2014 übernahm Andrea Madesta die Räume und den Namen der Galerie. Ende Januar 2018 eröffnet sie neu im Enslin-Haus, in der Wahlenstraße 3.

Andrea Madesta hat immer wieder exzellente Ausstellungen realisiert und ein beeindruckendes Netzwerk geknüpft. Mit Werner Schrüfer und Maria Baumann vom Diözesanmuseum holt sie Markus Lüpertz zum Aschermittwoch der Künstler nach Regensburg. Und Julian Opie, der Schöpfer reduzierter Menschenfiguren, die sich bewegen, aber nicht recht vom Fleck kommen, vertraut ihr inzwischen seine Unikate an. „Und die bekommt fast niemand. Opie ist da streng.“

Im ersten Stock schimmern unter zartem Stuck Reste von Freskenmalerei. „Mr. Brainwash müsste auf dieser Wand doch einfach großartig aussehen!“, sagt Andrea Madesta. Foto: Marianne Sperb
Im ersten Stock schimmern unter zartem Stuck Reste von Freskenmalerei. „Mr. Brainwash müsste auf dieser Wand doch einfach großartig aussehen!“, sagt Andrea Madesta. Foto: Marianne Sperb

In der Galerie windet sich eine schmale Treppe nach oben. Im ersten Stock schimmern Fresken unter zartem Stuck. Sammler können hier bei private previews, diskret und vorab, das Angebot studieren. „Und Mr. Brainwash müsste auf dieser Wand doch einfach großartig aussehen!“

Madesta spricht über den Kumpel des berühmten Streetart-Phantoms Banksy. Im Film „Exit Through the Gift Shop“ (2010) dokumentiert der eine, wie der andere zum Künstler wurde. „Letztendlich“, sagt Mr. Brainwash, „bin ich zu seinem größten Kunstwerk geworden.“ Regensburg kann sich auf einiges gefasst machen. Wie sagt Banksy über Mr. Brainwash? „Er ist eine Naturgewalt, ein Phänomen. Und ich meine das nicht im positiven Sinn.“

Die Galeristin muss noch 1000 Dinge zur Eröffnung erledigen – und plant schon weiter. Sie denkt vage über Projekte im öffentlichen Raum nach. Ein Skulpturenpark im Herzogspark reizt sie, oder eine Aktion á la Ottmar Hörl, der mit Goethe-Zwergen und Dürer-Hasen Plätze füllt und nach Identitäten fragt. Madesta: „Kunst von internationialem Rang mitten in der Stadt – das müsste doch zu machen sein.“

Mehr über die „Galeristin mit Lust an Entdeckung“ lesen Sie hier.

Lesen Sie mehr über Tom Wesselmann bei Andrea Madesta: „Die Demokratisierung der Kunst – eine betörende Ausstellung“

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