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Angelottis Flucht über das Wasser

Für die Aufführung von „Tosca“ im Hafen hoffen alle Beteiligte auf gutes Wetter.
Von Michael Scheiner

Intendant Jens Neundorff von Enzberg (l.) mit Mitarbeitern im Westhafen Foto: MICHAEL Scheiner
Intendant Jens Neundorff von Enzberg (l.) mit Mitarbeitern im Westhafen Foto: MICHAEL Scheiner

Regensburg.„Und – springt sie?“ Beim Pressegespräch im Westhafen zur Freiluftaufführung von Puccinis berühmtem Musikdrama über die Unvereinbarkeit von Treue zu politischen Idealen und geliebten Menschen kommende Woche (Samstag, 13. Juli) frotzelten die Teilnehmer, ob „Tosca“ von einem der alten Kräne ins Hafenbecken springen wird. „Am Bungee-Seil“, legte ein Pressevertreter spottfreudig nach. „Und das Orchester wiederholt dazu den letzten Takt immer wieder“, flachste Maximilian Eisenacher lachend. „Jetzt kommen sie mit den kreativen Ideen“, fädelte sich der dazugekommene Intendant Jens Neundorff von Enzberg geschickt und nicht weniger ironisch ins Gespräch ein.

Und tatsächlich – sie springt! Genauer gesagt, sie ist schon gesprungen und wurde dabei von Clemens Rudolph auf Video gebannt. „Jetzt wird nichts mehr geändert“, wehrte dieser andere Vorschläge grinsend ab, „nachdem das endlich im Kasten ist.“ Der digtal aufgenommene Sprung wird auf einen der Seitenflügel des Stadtlagerhauses projiziert, welches wieder als Bühne und Kulisse für die semikonzertante Aufführung dient. Vor zwei Jahren spielte vor dieser imposanten Kulisse bereits „Der fliegende Holländer“ und begeisterte Besucher wie Kritik. Natürlich spielt auch diesmal ausgefeilte digitale Technik eine große Rolle. Das Drama um die Sängerin Floria Tosca (Sinéad Campbell-Wallace), den skrupellosen Polizeipräsidenten Baron Scarpia (Adam Kruzel) und den Maler Mario Cavaradossi (Yinjia Gong) wird damit musikalisch, vom Licht und der Übertragung des Gesangs optimal für die Zuschauer aufbereitet.

Bei der hochkomplexen Inszenierung sitzen dieses Jahr die Zuschauer auf der gegenüberliegenden Seite des Hafenbeckens. Luftlinie „in der Schräge fast 150 Meter“, illustrieren Eisenacher und Rudolph sowohl technische wie künstlerische Herausforderungen. Die Rampe des Stadtlagerhauses, die als Bühne für Sänger und Ensemble dient, „ist gerade mal eineinhalb Meter tief und 20 Meter breit“, deutet Eisenacher den Bereich zwischen zwei Rundbogentoren an. Er hat die Oper szenisch eingerichtet. Dabei wird auch der Hafen einbezogen, wenn der gefangen gehaltene „Angelotti (Selcuk Hakan Tirasoglu) übers Wasser flieht“, wie Neundorff eines der spektakulären Geheimnisse der Inszenierung verrät.

Er will „Leuten, die sonst wenig mit Theater“ am Hut haben, vielleicht sogar Scheu davor haben, „zeigen, dass Oper etwas Lebendiges ist“. Das wiederum will er „in die Stadt bringen“, denn ein Stadttheater heute „ist interessiert daran, Räume zu entdecken, die nicht per se für Aufführungen geschaffen sind,“ und diese für künstlerische Spektakel und Themen erschließen.

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