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Kultur
Mittwoch, 15. August 2018 27° 6

Literatur

Anna di Santosa löst ihren vierten Fall

Die Detektivin sucht einen Schriftsteller. Die Regensburger Autorin Hilde Artmeier nimmt die Buchbranche aufs Korn.
Von Susanne Wiedamann

Vor wenigen Tagen ist Hilde Artmeiers vierter Anna-di-Santosa-Krimi „Donauherz“ erschienen. Foto: Wiedamann
Vor wenigen Tagen ist Hilde Artmeiers vierter Anna-di-Santosa-Krimi „Donauherz“ erschienen. Foto: Wiedamann

Regensburg.Ein Schriftsteller verschwindet spurlos und Anna di Santosa begibt sich auf die Suche. Für ihren vierten Krimi in der Reihe um die deutsch-italienische Ex-Polizistin und Boutiquenbesitzerin, der vor wenigen Tagen erschienen ist, lässt die Regensburger Autorin Hilde Artmeier ihre Protagonistin nicht nur in der Domstadt recherchieren. Ihre Ermittlungen führen die quirlige Privatdetektivin nach Amberg, Mühldorf, an die Rusel und durch das schöne Ligurien.

Die Leser erwartet in „Donauherz“ eine bewährte Mischung aus authentischen, vielschichtig angelegten Figuren, einer überraschenden Geschichte, Spannung und Romantik sowie italienischem Ambiente und südlicher Lebensart – in Regensburg und in Italien. Dabei schildert Artmeier ihre Schauplätze detailgenau. In Dutzenden von Örtlichkeiten – vom Degginger über namentlich erwähnte Regensburger Buchhandlungen bis zum Amberger Luftmuseum – kann der Oberpfälzer seine Heimat wiedererkennen.

Der schöne Schein

Diesmal führen Anna di Santosas Ermittlungen in Hilde Artmeiers ureigenstes Metier: die Literaturszene. Danilo Jakobi ist Bestsellerautor. Doch nach seinem Verschwinden zeigt sich der Privatdetektivin ein anderes Bild: Der Schriftsteller hatte schon lange kein Buch mehr verkauft, hatte Geldprobleme und lebte vom schönen Schein. Sein Verleger Marius Fabek lehnte die Veröffentlichung seines neuesten Werkes ab. Als in Fabeks Haus in Ligurien das Blut des verschwundenen Literaten gefunden wird, gerät der Verleger mehr und mehr unter Druck.

Den Trailer zum neuen Buch „Donauherz“ sehen Sie hier:

„Die Idee zu dem Buch hatte ich schon vor sehr langer Zeit, als ich mich mit meinem damaligen Verleger über die Charakteristika unterhielt, die ein Bestseller haben muss“, erzählt Artmeier. Doch das eine Geheimrezept gibt es nicht. Auch Verleger werden immer wieder überrascht von Tops und Flops. Die Mehrheit der Autoren kann nicht vom Schreiben leben. Der Durchschnittsverdienst von Schriftstellern beträgt neunhundert Euro im Monat, klärt ein Konkurrent des verschwundenen Autors Anna di Santosa auf. Hilde Artmeier findet die Szene extrem interessant: „Man begegnet schon sehr skurrilen Typen. Unter den Schreibern gibt es viele Individualisten.“ Und viel Konkurrenz, Erfolgsdruck, Neid und Eifersucht. Triumpf und Niederlage liegen oft unheimlich nah zusammen. Das Wissen um das Metier erleichterte der Schriftstellerin die Recherche.

Zwei Gesichter

Die Konstellationen ihrer Figuren und ihre Charaktere sind Artmeiers Thema. „Jeder scheint etwas anderes zu sein, als er ist. Durch diese Eigenart sind sich die Figuren sehr nah“, sagt die Autorin, die die Leser im Lauf der Geschichte mehrfach genüsslich in die Irre führt. „Es hat mir Spaß gemacht, den Leser ein klein wenig hinters Licht zu führen.“ So gut wie alle im Buch vorkommenden Figuren versuchen Erfolg zu haben um jeden Preis – und scheitern, sind Opfer und Täter zugleich, haben zwei Gesichter. „Keiner kann, wie er will. Mich interessieren die Beziehungen zwischen den Personen und die daraus entstehenden Konflikte“. Die gibt es in „Donauherz“ reichlich. „Mich reizt der psychologische Aspekt: Wie kann es soweit kommen, dass ein Mensch nicht mehr Herr der Situation ist?“

Hilde Artmeier

  • Biografie:

    Die Autorin wurde 1964 in Mühldorf am Inn geboren. In Regensburg studierte sie Biologie und blieb der Stadt treu. Sie arbeitete in der Pharmaindustrie und als freie Übersetzerin. Seit 2000 ist sie freischaffende Autorin. Die Mutter von zwei erwachsenen Kindern lebt in Regensburg und Karlsruhe.

  • Ihre Bücher:

    „Donauherz“ (Emons-Verlag, 319 Seiten, 11,90 Euro, ISBN 978-3-7408-0313-1) ist Hilde Artmeiers neunter Roman, der vierte in der Reihe mit Privatermittlerin Anna di Santosa. Zusammen mit ihrem Mann Wolfgang Burger hat sie gerade einen Thriller geschrieben: „Gleißender Tod“ erscheint im Februar 2019.

Die Autorin schildert ihre Figuren mit viel Empathie – ob das familiäre Umfeld der Hauptfigur, Annas pubertierenden Sohn Vincenzo, den Lebensgefährten Maximilian und Ex-Mann und Kriminalkommissar Paolo, dem Anna ermittelnd nicht ins Gehege kommen darf, oder eine absolute Nebenfigur, die aber als Symbol für das Verhalten aller besonderes Gewicht bekommt. Und Artmeier recherchiert genau. Beispielsweise zum Thema Drogensucht. „Das trifft auch Menschen, von denen man es gar nicht vermuten würde“, sagt sie. „Ich glaube, dass manche Leute nicht merken, wo die Grenze ist.“ Und damit meint sie nicht nur den Umgang mit Betäubungsmitteln, sondern auch die Ansprüche an andere und der Personen an sich selbst.

Hilde Artmeier liest am 19. September um 19 Uhr in der Staatlichen Bibliothek in der Regensburger Gesandtenstraße  aus „Donauherz“. Foto: Emons-Verlag
Hilde Artmeier liest am 19. September um 19 Uhr in der Staatlichen Bibliothek in der Regensburger Gesandtenstraße aus „Donauherz“. Foto: Emons-Verlag

Die Auflösung der im Buch vorkommenden Kriminalfälle – denn Hilde Artmeier kommt in diesem Krimi erneut nicht mit nur einem Toten aus – ist überraschend und doch folgerichtig. „Ich mag keine Bücher schreiben, wo etwas aus dem Hut gezaubert wird. Ich will nachvollziehbares Verhalten schildern.“ Das ist ihr wieder bestens gelungen.

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