mz_logo

Kultur
Donnerstag, 16. August 2018 27° 6

Ausstellung

Anregende Regensburger „Winterauslese“

Die Galerie konstantin b. Am Brixener Hof zeigt in kleinen, feinen Formaten die Arbeiten von 16 Künstlern.
von Gabriele Mayer

Blick in die „Winterauslese“ bei konstantin b.: Die Ausstellung ist bis 28. Februar zu sehen. Foto: Bernhard Löffler
Blick in die „Winterauslese“ bei konstantin b.: Die Ausstellung ist bis 28. Februar zu sehen. Foto: Bernhard Löffler

Regensburg.Winterauslese bedeutet: das Ausstellungsjahr Revue passieren lassen und dabei die Highlights der letzten Zeit gegen- und miteinander ins Spiel bringen. Sehr schön nimmt sich dieses Potpourri von Werken der Künstler der Galerie konstantin b. aus, geschmackvoll, abwechslungsreich, mit verschiedenen Positionen aus den Genres der Objekte und Plastiken, der Malerei, Grafik und Fotografie. Zu sehen sind konkrete Kunst, heftige Malerei, ausziselierte Collagen und zwei Überraschungen, und bei all dem spielt die Vorliebe des Galeristen mit hinein, denn eine Galerie, wenn sie denn ein „Gesicht“ hat, ist immer auch etwas Persönliches. In diesem Fall handelt es sich Bernhard Löfflers Faible für Architekturen und Räumlichkeiten.

Einer der wichtigen Künstler bei konstantin b. ist der Regensburger Peter Engel, bekannt durch seine verklausulierten Zeichnungen zwischen Karikatur und Surrealismus, zwischen Dadaismus, Satire, Ironie und tieferer Bedeutung. Diesmal ist Engel mit kleinen Landschaften vertreten: überraschend, aber nicht ganz neu, sagt der Galerist. Graue Landschaft mit Stromleitungen und eine Stadtecke mit einer Art Autoreifen gehören zu den Erfindungen des Künstlers. Sie sind ruhig und zeitlos, dabei aber natürlich schräg. Daneben hängen von Christina Kirchinger neue Radierungen von Räumen, die absichtlich stets die Betrachter-Erwartungen einer intakten Perspektive stören und deshalb fragil und unheimlich wirken. Diesmal schachtelt die Künstlerin ihre unwirtlichen Räume im einzelnen Bild hintereinander, und bewerkstelligt dies wie immer mit raffinierten Liniengeflechten und Kontrasten.

Eine Treppe führt ins Nichts

Eine Treppe aus Beton von Franz Janetzko steht mitten im Ausstellungsraum auf einem Sockel, aber sie ist klein und endet im Nichts, ein Objekt für sich. Die Treppe als elegantes Element und als Symbol. Wofür? Das muss jeder selbst wissen. Dann der Handbesen mit den zwei Griffen: Ist das Kunst? Wenn man so will, handelt es sich doch um eine Abweichung und Ablösung vom gewohnt funktionalen Objekt des üblichen Gebrauchs, um ein fundamentales Gegenmodell.

Liz Zitzelsberger macht Collagen aus gerissener Hartfaser im Postkartenformat, sie bemalt die Flächen und schiebt sie in- und übereinander. Wir sehen große Berge, Klüfte, Wasserfälle, Schneebretter und Schluchten, Fernweh und Romantik im Miniaturformat, so mini, dass es wie durch ein Fernrohr betrachtet erscheint, aber dabei vielleicht allzu ungefährlich und idyllisch wirkt.

Hier nähere Infomationen zur Ausstellung

Matthias Eckert, der Fachmann für Konkrete Kunst in der Region, geht mit einem geometrischen, weißen Objekt, das aus mehreren Rechtecken zusammengesetzt ist, in den Raum, in die Dreidimensionalität. Seine Kunst der reinen Formen regt Schönheitssinn und Geist an. Interessante Arbeiten zeigt Tobias Stutz aus Bonn. Kühl malt er Fassaden und Stadträume, die sich aus geometrischen Anordnungen, aus Kanten, Licht- und Schattenwürfen bilden; sie vermitteln auch das entsprechende undurchsichtige Lebensgefühl. Ungewöhnlich ist seine geometrische, beinahe ungegenständliche Malerei im Fünfeck-Format. Das Blaugrau ist von feinen Parallel-Linien durchzogen, wie ein moderner Rohbau mit vielen Fenstern, aber das Motiv wirkt erstaunlich anheimelnd, so wie auch das andere, viel bunter unterteilte Fünfeck, bei dem die Fläche wie gefaltet sich zu mehreren Räumen zu spreizen scheint, die kein Ende nehmen; ein anmutiges Verwirrspiel.

Florian Toperngpong 2007 bei koknstantin b. - mit seinem Projekt „Alles, was ich weiß“. Foto: Sperb/Archiv
Florian Toperngpong 2007 bei koknstantin b. - mit seinem Projekt „Alles, was ich weiß“. Foto: Sperb/Archiv

Und dann zur Kunst der Flüchtigkeit, die im Sommer in der Galerie stattfand, wo der Künstler und Kommunikationsdesigner Florian Toperngpong fünf Tage lang saß und auf kleine gelbe Zettel notierte, was ihm durch den Kopf ging, was er Jahr für Jahr aufgeschnappt, gelernt, halb vergessen und assoziiert hat: ein Ausschnitt des gesellschaftlichen Umfelds, das durch das Individuum hindurchgeht und es prägt und von diesem bestimmten Individuum auf dessen eigenen Maßstab zugeschnitten wird.

Lesen Sie auch: Die Welt auf kleinen gelben Zetteln

Die Dokumentation dessen, was momenthaft in diesem Menschen an Erfahrung, Wissen, Klischees, Falschheit, Ungenauigkeit und Kreativität hochgetaucht ist, ist nun als Büchlein zu erwerben: Es besteht aus 286 gelben Zettelchen, Post-its, und ist eine sehr eigenwillige und liebevolle Sache. Und die Werke der 16 Kunstschaffenden dieser Schau ergeben eine kleine Achterbahnfahrt durch die Künste in vorwiegend kleinen, feinen Formaten.

Hier geht es zur Kultur


286 Post-its

  • „Winterauslese“:

    Die Ausstellung zeigt Werke von 16 Künstlern in der Galerie konstantin b.: bis 28. Februar Am Brixener Hof (freitags von 16 bis 21 Uhr).

  • Mappen:

    Die Ausstellung präsentiert zudem zwei unterschiedliche Mappen mit Original-Druckgrafiken mehrerer Künstler, sowie die Gesamtdokumentation der 286 Post-its von Florian Topernpong, Auflage: 50 Post-its.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht