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Kultur
Freitag, 20. April 2018 27° 2

Schau

Anspruchsvoll und abwechslungsreich

Raumimpulse: Zehn Künstler widmen sich dem Jahresthema „Stadt-Land-Fluss“ und verlassen dabei auch übliche Denk-Bahnen.
Von Gabriele Mayer

Anspruchsvoll und abwechslungsreich: Die Ausstellung „Raumimpulse“ist bis 15. April zu sehen. Foto: Wolfram Schmidt

Regensburg.Riesige, ungeschlachte Baumwurzelwerke, schwer übereinandergestapelt. Gegenüber: schemenhafte und lichtdurchflutete Fotos von New Yorker Wolkenkratzern. Beide Werke sind trotz ihrer Unterschiedlichkeit geradezu prägend in dieser Ausstellung vereint. „Stadt-Land-Fluss“ lautet das kulturelle Jahresthema, das die Stadt Regensburg ausgegeben hat.

Das Thema ist breit genug, um Verschiedenstes darin unterzubringen, andererseits kann es in der beinahe naiven Dinglichkeit und Schlichtheit, die von ihm ausgeht, auch leicht zu Banalitäten verführen. Nachdem die Stadt an den Berufsverband Bildender Künstler (BBK) und an den Regensburger Kunst- und Gewerbeverein mit dem Wunsch nach einer Ausstellung zu diesem Jahresthema herangetreten war, haben beide Organisationen zehn regionale Künstlerinnen und Künstler angesprochen und deren sehr verschiedenartige „Stadt-Land-Fluss“-Beiträge nun anspruchsvoll und abwechslungsreich in einer Schau kombiniert.

Reiner R. Schmidt vom Kunst- und Gewerbeverein sagt, der Grundgedanke sei gewesen, das Thema auf einer abstrahierten Ebene zu fassen und auf diese Weise impulsgebend zu wirken.

Von den Baumwurzel-Riesen Wigg Bäumls geht eine beinahe erhabene und einschüchternde Kraft aus. Es kommt uns hier plötzlich eine – freilich bereits zerstückte – Natur entgegen, die stärker wirkt als wir, in der vieles verborgen ist, was wir nie und nimmer kennen und beherrschen.

Visionen einer Zukunft nach der großen Flut bei Renate Haimerl-Brosch und ihren Übermalungen von Schullandkarten: Länder sind nur noch Inseln und Deutschlands Flüsse ausufernde Wasserautobahnen. Und in einem vertrackten Video dokumentiert sie den Abbruch und Neubau eines Regensburger Gebäudes in rasendem Zeitraffer als Endlosschleife.

Archaisch und alltäglich


Architekturen sind das häufigste Sujet. „Brutalismus“ heißt eine Gemäldereihe von Lena Schabus. Bilder grau in grau, aber so, dass es Fotos sein könnten: Treppenhäuser, Betonwände, kalt, verwinkelt, wie Kerker. Archaisch, alltäglich, beklemmend, ausweglos. Themenausstellungen gewinnen ihren Reiz durch die aufgefächerten Erörterungen, aber auch dadurch, dass bestimmte Aspekte einzelner künstlerischer Positionen neu zur Geltung kommen, beides ist bei Schabus gelungen.

Ganz anders nimmt sich Architektur bei Martin Rosner aus. Seine präzisen, dokumentierenden Fotos von Regensburger Häusern sind durch Licht oder Montage leicht verfremdet. Auch um Vergänglichkeit geht es. Ein Abbruchgebäude entfaltet seine Geisterhaftigkeit lautlos in einem Leuchtkasten. Und es zeigt sich wieder, dass Gebäude oft ein merkwürdiges Leben zu entfalten scheinen, wenn sie von ihrer ursprünglichen Funktion gelöst sind.

Zwei suggestive Fotos von Pauline Adler sind Dokumente ihrer Landart-mäßigen Intervention in die Natur. Runenartig, geheimnisvoll und märchenhaft wirken der Wald, das Gelände, die Pflanzen, wie eine Macht für sich, der wir uns nähern, ohne sie zu verstehen. Die Bodeninstallation von Jürgen Böhm ist auf den ersten Blick weniger einleuchtend. Und Alexander Rosol macht mit seinen plakativen, übermalten Fotos wie gehabt Hochhausschluchten durch Blickwinkel und Licht-Schatten-Wirkungen zu übermächtigen Figuren.

Nico Sawatzki hat bei seinen typischen Schab- und Schleif-Bildern eine neue Qualität erreicht. Glassplitterartig, durchsichtig und doch verstellt und wie zugeschnürt wirkt diese Phantasie-Architektur – oder soll man besser sagen: diese rhythmische, aufgesprengte ungegenständliche Malerei.

Reizvolle Imaginationen

Hans Lankes ist mit einer Serie kleiner zum Teil farbiger Messerschnitte vertreten, deren Grundformen immer die eines Hauses sind, wenn auch verzerrt, schräg oder nur als Struktur angedeutet. Er entwickelt reizvolle Imaginationen, eher Innen-Häuser der Psyche statt feste Gebäude. Und die Regensburg-Impressionen von Wolfram Schmidt wirken im Farbdunst wie verschleierte Erinnerungen zwischen Entstehen und Vergehen.

Und die Impulse? Das Thema und die Begriffe Stadt, Land und Fluss werden in dieser Ausstellung nicht tages- oder regionalpolitischen Schemata unterworfen, und die Werke illustrieren nicht brav die gerade trendigen Schlagworte und Bewertungen, sondern übersteigen sowohl das Regionale als auch die üblichen Denk-Bahnen. Es geht hier eher um das Nicht-Verfügbare, um Formen der Anmutung, um Ausstrahlung von Natur und Architektur und um den Fluss der Zeit. Die schöne Ausstellung bekommt auf diese Weise ein eigenes Gewicht.

Die Ausstellung läuft bis 15. April im Kunst- und Gewerbeverein Regensburg, Ludwigstr. 6, Dienstag bis Sonntag 12 bis 18 Uhr. Eine Führung durch die Ausstellung findet am 14. April um 11 Uhr statt.

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