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Archäologie

Archäologie-Irrtümer in Herne

Ein Museum in Herne präsentiert spektakuläre Irrtümer und Fälschungen der Archäologie - etwa angebliche Beweise für die Existenz des Einhorns. Heute sind die Experten klüger als früher, aber die Fälscher haben auch gelernt.
Von Antonia Hofmann, dpa

  • Josef Mühlenbrock, Direktor des LWL Museums, neben einer dreidimensionalen Rekonstruktion des Quedlinburger Einhorns. Foto: Caroline Seidel
  • Die Fälschung „Tiara des Saitaphernes“ in der Ausstellung „Irrtümer & Fälschungen der Archäologie“ in Herne. Foto: Caroline Seidel

Herne.Angebliche Knochen von einem Einhorn, das es nie gab, eine vermeintliche Krone, die nur der Henkel eines Eimers war und ein Goldhelm, der sich als kein bisschen antik herausstellte - Archäologen haben mit ihren Einschätzungen immer wieder spektakulär daneben gelegen, manchmal auch absichtlich.

„Irrtümer & Fälschungen der Archäologie“ sind von diesem Freitag (23.3. bis 9. September) an Gegenstand einer eigenen Ausstellung im Museum für Archäologie in Herne im Ruhrgebiet. 200 spektakuläre Fehlurteile und Betrugsfälle aus dem Europa des vergangenen Jahrhunderts sind zu betrachten oder zu beschmunzeln. „Auch große Charaktere sind Irrtümern aufgesessen“, sagt Museumsleiter Josef Mühlenbrock.

Zu den spektakulärsten Fällen gehört sicherlich die vermeintliche „Tiara des Saitaphernes“, ein Goldhelm, der zunächst für ein Kunstwerk griechisch-skythischen Stils aus dem dritten Jahrhundert vor Christus gehalten wu

rde. Ausgerechnet der Louvre soll dem Irrtum aufgesessen sein - und habe die Tiara Ende des 19. Jahrhunderts gekauft, sagt Mühlenbrock. Bei einer späteren Untersuchung entpuppte sich der Helm als Werk eines Goldschmieds aus dem 19. Jahrhundert.

Die meisten Fälle sind kurios bis peinlich: Ein Eimerhenkel, der als Krone interpretiert wurde, ein gefälschtes Relief der Gottheit Merkur, auf dessen Schulter blöderweise die Eule der Göttin Minerva abgebildet ist, oder steinzeitlich anmutende Messerchen, die ein Wursthersteller in einem Präsentkoffer verschenkt haben soll.

Highlight dürften die vermeintlichen Beweise für die Existenz des popkulturell wohl beliebtesten Fabelwesens der Gegenwart sein: Die Ausstellung zeigt das Modell-Skelett des „Einhorns von Quedlinburg“, das auf Knochenfunden von 1663 im Harz basiert. Selbst der Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz bildete eine Zeichnung des Fundes später in seinem Standardwerk zur Fossilienkunde ab.

Blöd gelaufen - denn die Knochen stammen von verschiedenen Tieren, das Horn vermutlich aus den Überresten eines Mammutstoßzahns. Die Tiere waren damals noch nicht bekannt. „Das Einhorn hat nie existiert“, sagt Mühlenbrock. Geblieben ist der Hype.

Die Gründe für solche Irrtümer liegen seiner Meinung nach in mangelndem Kenntnisstand und begrenzten wissenschaftlichen Methoden dieser Zeit. Heute sei das anders. Und ohne den Fundzusammenhang zu kennen, kauften große Museen Objekte heute nicht mehr an. Aber gleichzeitig würden auch die Methoden der Fälscher immer besser, sagt Mühlenbrock.

Der Archäologie-Professor Ernst Pernicka von der Uni Heidelberg geht davon aus, dass die Zahl der Fälschungen zunimmt. „Weil die Nachfrage groß ist und das Angebot naturgemäß begrenzt.“ Sehr häufig kämen sie aus China, Südostasien, Westafrika und Südamerika, sagt der Fachmann für Archäometrie, die naturwissenschaftliche Methoden zur Klärung archäologischer Fragen anwendet. Simple Fälschungen ließen sich leicht erkennen, sagt er. Ganz gefeit vor Fälschungen sind aber auch heutige Archäologen laut Pernicka nicht.

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