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Auch eine wichtige Energie: die Kultur

KUNSTPREIS Gefeiert wurden im Kunstforum Ostdeutsche Galerie nicht nur zehn Jahre REWAG-Kulturstiftung, sondern auch die Idee von der Bedeutung der Kultur für eine Stadt.

Bei der Preisverleihung im Kunstforum Ostdeutsche Galerie: Oberbürgermeister Hans Schaidinger, Preisträger Stefan Göler, Museumsdirektorin Dr. Ulrike Lorenz, BBK-Vorsitzender Ludwig Bäuml, Preisträgerin Notburga Karl und Stiftungs-Vorstand Dr. Klaus Schulz (von links). Foto: altrofoto.de

Von Harald Raab, MZ

REGENSBURG. Blau war sie nicht die Nacht, obwohl die REWAG – der Regensburger Energie- und Wasserversorger – ins Kunstforum Ostdeutsche Galerie eingeladen hatte. Es war auch rote und orange Illumination dabei. Trotzdem wurde mit Recht und erlesener Speise, süffigem Trank, wohl gesetzten Worten und viel Musik am Wochenende gefeiert: eine wichtige Energie nämlich , die Kultur. Geladene Gäste, Maler, Musiker, Theaterleute, Schriftsteller und was sonst noch Kultur performt.

Denn die Regensburger Kulturstiftung der REWAG ist zehn Jahre alt geworden. Und zum ersten Mal wurde der mit 10 000 Euro dotierte Kunstpreis der Stiftung verliehen – an die Installationskünstlerin Notburga Karl und den Zeichner Stefan Göler.

Stifter gesucht

So weit, so gut für die, die dabei gewesen sind. Einerseits und andererseits, jedes Ding hat seinen Reiz. In diesem Fall auch für die ganze Regensburger Gesellschaft. Denn die Gelegenheit ließ man nicht ungenutzt verstreichen. Es gingen von dem Abend zwei Impulse zu Tugenden aus, an die in Regensburg immer wieder erinnert werden muss: an Bürgersinn, der sich in Hingabe von Geld an eine Sache des Gemeinsinns am besten manifestiert. Und an Qualität, denn Kultur ist mehr, als die Zeit angenehm zu vertändeln, die auf Erden uns gegeben ist.

Stiftungen, so erfuhr man vom Vorstandsvorsitzenden der REWAG, Norbert Breidenbach, und von Christian Bretthauer, Sprecher der Vielberth Verwaltungsgesellschaft, sind Einrichtungen, von denen man nicht genug haben kann. So geäußert im klug-knappen Gespräch mit der Moderatorin Ilka Meierhofer. Denn wichtig sei, so Oberbürgermeister Hans Schaidinger, „Nachahmungstäter“ zu finden. Wer also nicht wisse, wohin mit seinem Geld, der könne sich getrost an Klaus Schulz, den Vater des Stiftungsgedankens, und Joachim Wolbergs wenden. Beide sind sie die Vorstandsmitglieder der Stiftung. Breidenbach sprach sogar von einer „Pflicht“ der Wirtschaft, sich für die öffentliche Sache zu engagieren.

Apropos Vaterschaft. In der Presseerklärung lüftet Schulz teilweise das Geheimnis: Die Idee wurde aus der Bürgerschaft an ihn herangetragen. Er hat den damals frisch gekürten Oberbürgermeister dafür gewinnen können und der wiederum hat REWAG und OBAG zur Stiftung von einer Million D-Mark bewegt. Um den Rest der Wahrheit über die Mehrvaterschaft zu sagen: Die Stiftungsidee war vorher schon an die damalige Oberbürgermeisterin Christa Meier herangetragen worden – ohne Erfolg.

Egal wie, der Erfolg ist zweifelsohne da. Die Stiftung wurde aus dem herrenlosen Vermögen des Pater-Emmeram-Nachlasses um eine weitere Million D-Mark vom Freistaat aufgestockt. Das Stiftungsvermögen beträgt jetzt 1,125 Millionen Euro. Bisher wurden aus den Zinserträgen 352 786 Euro ausgeschüttet, für 260 Kulturprojekte: Zuschüsse für Kataloge und Buchveröffentlichungen, Filmproduktionen, Ausstellungen, Erst- und Uraufführungen von kompositorischen Arbeiten.

Qualität statt Gießkanne

Ludwig Bäuml, der Vorsitzende des Berufsverbands Bildender Künstler Niederbayern/Oberpfalz, machte darauf aufmerksam, dass auch kleine Summen die Basis für große Vorhaben sein können, als Initialzündung für die Erschließung weiterer Geldquellen. Und natürlich das große Versprechen des Oberbürgermeisters, der ja auch Vorsitzender des Stiftungskuratoriums ist: Es werde nicht mit der Gießkanne gefördert, durchaus aber in Vielfalt, um bewusst zu machen, was Kunst in Regensburg zu leisten vermöge.

Und wie ist es mit der Qualität des Kunstschaffens in Regensburg bestellt? Eindeutig, das Publikum beweist immer wieder, dass es Qualität will und nicht nur Fülle. Politiker und ein Teil der Künstler scheuen aber die Qualitätsdebatte wie der Teufel das Weihwasser. Erstere, weil sie nichts davon verstehen, letztere, weil sie befürchten müssen, nur unter ferner liefen dabei sein zu können.

Qualität dafür steht der neue Kunstpreis, der jetzt alle zwei Jahre vergeben wird. Notburga Karl und Stefan Göler, die ersten Preisträger, beweisen es, nicht nur durch ihre bisherigen Leistungen, sondern weil sie hoffen lassen, dass ihre Phantasie, ihre Kreativität nicht erschöpft sind. Wie sagte die Direktorin des Kunstforums, Ulrike Lorenz: „Ohne Fleiß kein Preis.“ Sie fordert „Aufmerksamkeit für Leerstellen, für Lücken, in dem das Kunstwerk entsteht“.

Ihr Fazit ist Lob an die Ausgezeichneten, aber auch ein Appell für Qualität in der Kultur: „Hier geht es nicht um Wiederholung und Identität. Hier ist Ausstieg aus den Zyklen der Erben und Epigonen gefordert. Mutation statt Imitation.“

Wie sang doch Eva Sixt am Ende des Abend mit rauchiger Stimme: „Es muss ein Stück vom Himmel sein . . .“ Was zu beweisen war: Kultur ist auch sehr erotisch.

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