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Vorstellung

Auf dem Zebrastreifen zur Drei

Das Sosani Tanztheater präsentierte sein neues Stück „Code“. Die Premiere am Uni-Theater wurde begeistert aufgenommen.
Von Michael Scheiner

Bei der Uraufführung des Tanzstücks „Code“ bekamen die Zuschauer eine sehr komplexe Choreografie zu sehen. Foto: Michael Scheiner
Bei der Uraufführung des Tanzstücks „Code“ bekamen die Zuschauer eine sehr komplexe Choreografie zu sehen. Foto: Michael Scheiner

Regensburg.Die neue Produktion „Code“ des Sosani Tanztheater beeindruckt schon durch den personellen Aufwand. Bei der Premiere tanzen, singen und sitzen zeitweise 16 Künstler auf der kargen Bühne des Uni-Theaters. Unter ihnen drei Sänger des georgischen Vokalensembles Shavnabada. Wie die großartige Tänzerin Natia Bunturi sind sie eigens für die Endproben und Aufführungen bei den Tanztagen Regensburg aus Tiflis angereist. Für ein freies, finanziell vermutlich eher klammes Ensemble, ist das beachtlich.

Im Lichtkegel steht zunächst breitbeinig eine männliche Figur in einem roten, gegürtetem Wams, schwarzer Pluderhose und hohen Lederschaftstiefeln. Mit einem haarigen Etwas auf dem Kopf wirkt der Tänzer, der einer folkloristischen Vorstellung eines Kosaken ähnelt, beinahe grotesk, komisch. Mit zackig-volkstümlichen Tanzschritten und der zotteligen Perücke, die sich als traditionelle Mütze aus Schaffell entpuppt, markiert er eine Suche nach Identität und Herkunft. Später gesellt sich mit Bunturi, die in gleicher Farbgebung gekleidet (Kostüme: Thea Sosani) ist, eine grazile Partnerin zu ihm.

Szene

Tanztage starten: Regensburg vibriert

Uraufführungen und international prämierte Produktionen versprechen Hochgenuss. Der Auftakt des Festivals ist am 7. November.

Verstärkt wird der volkstümlich-folkloristische Eindruck durch die Sänger mit einer überlieferten, lautmalerischen Gesangsweise, von der eine vibrierende Intensität ausgeht. Eine dynamische Gruppenchoreografie voller starker Bilder markiert den Einbruch und die Auseinandersetzung mit der Moderne. Es ist wohl auch ein Tauziehen um Bedeutung und Notwendigkeit von persönlichen (Ausdrucks-)Freiheiten und Streben nach Glück, welches sich sowohl in kollektiver Gemeinsamkeit, wie in tänzerisch spannungsreichen Kleingruppen und intimer Paarchoreografie äußert.

Menschliche Aspekte

Über einen durch Licht erzeugten zebrastreifenartigen Zwischenteil leitet die immer wieder durch starke theatralische Bilder aufgeladene Choreografie Thea Sosanis zum zweiten Teil über. Der kreist um die Zahl drei, auf georgisch „sami“. Diese hat in vielen Kulturen und Religionen eine herausgehobene Stellung. Mehrere Triokonstellationen brechen die mathematische Abstraktion auf handfeste menschliche Aspekte herunter. Das funktioniert mit drei Tänzerinnen, die hinreißend und gewitzt starke Frauenbilder mit matriarchalischen Aspekten symbolisieren. Aber auch mit einem Tänzer (Patrick Bayer) und zwei schwarze gekleideten Partnerinnen (großartig Ramona Reißaus und Julia Koderer), die sich einmal eifersüchtig bekämpfen oder spielend als Einheit erscheinen. Im Trio Mann, Mann (Jonas Dürrbeck) und Frau (Ramona Reißaus) kommen quasi-religiöse und wunderbar kapriziöse Bezüge zum Vorschein.

Chor Shavnabada

  • Jodeln

    : Krimanchuli, die georgische Jodelkunst, klingt bei Shavnabada atemberaubend. Im Bereich traditioneller Polyphonie ist Shavnabada einer der bekanntesten Chöre Georgiens.

Der dritte und letzte Teil der komplexen Choreografie schließlich widmet sich der Bedeutung des Kreises „als eines der ältesten menschlichen Symbole für die Unendlichkeit des Seins und das Einssein mit der Gemeinschaft“, wie es im Programmheft beschrieben ist. Zunächst stiftet der kosakische Volkstänzer (Irakli Dvali) erstmal Ausgleich und Friede zwischen rivalisierenden Tänzern. Die Sänger nehmen wieder ihre Rolle als magische Klangschöpfer ein. Die Tänzerinnen vermitteln in einer Mischung aus Frühlingsreigen, dienenden und sich erhebenden Figurationen eine nicht ganz durchschaubare Absicht aus Ironie und weiblichen Klischeebildern.

Viele lose Ansätze

In den Gegensätzlichkeiten liegt ein gewisses Manko dieser durchaus spannenden, aber auch verwirrenden Choreografie begründet. Die verschiedenen thematischen Ansätze scheinen nur lose oder teils gar unverknüpft nebeneinanderzustehen, als inhaltlich aufeinander bezogen. Das Zusammengehen unterschiedlich professioneller Fähigkeiten dagegen hat Sosani in ihrem Tanzstück ganz wunderbar hinbekommen, indem sie ihre Tänzer den Fähigkeiten nach optimal eingesetzt hat. Das ganze Ensemble selbst ist mit einer funkelnden Leidenschaft, erstaunlicher mimischer und gestischer Ausdruckskraft und einem körperhaften Aufruhr dabei, der unbedingten Respekt verlangt.

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