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Fotografie

Auf den richtigen Blick kommt es an

Das Schwarz-Weiß-Bild „Dunes“ des Kallmünzer Fotografen Stephan Fürnrohr ist für den diesjährigen Fotografie-„Oscar“ nominiert.
Von Fred Filkorn, MZ

Bei einem einwöchigen Aufenthalt in der Weißen Wüste, an der Grenze zu Libyen, entstand „Dunes“. Foto: Fühnrohr

Regensburg. „Morgens vor Sonnenaufgang raus und abends die Dämmerung noch mitnehmen, die tief stehende Sonne sorgt für die besten Lichtverhältnisse. Das Fotografenleben ist nichts für Langschläfer“ erzählt der Kallmünzer Fotokünstler Stephan Fürnrohr. Für sein Schwarz-Weiß-Foto „Dunes“ ist er morgens um 4.30 Uhr aufgestanden und auf einen Berg hoch marschiert. An dessen Rücken bildet abgelagerter Sand eine spektakuläre Dünenlandschaft. „Dabei ist die Düne gar nicht mal typisch für die Landschaft der Weißen Wüste“, erzählt Fürnrohr.

Im Oktober hatte er sich mit drei Kollegen der Fotografischen Gesellschaft Regensburg, deren stellvertretender Vorsitzender er auch ist, nach Ägypten aufgemacht. Sieben Tage verbrachten die vier Männer in der Weißen Wüste, die sich 500 Kilometer südwestlich von Kairo, an der Grenze zu Libyen, befindet. Drei Tage weilten sie in Kairo, um die Ecke vom Tahrir-Platz, der in den vergangenen Wochen die Nachrichten bestimmte.

Schon damals habe man etwas von der großen Unzufriedenheit in der Bevölkerung spüren können – die sich freilich nur verstohlen äußerte. „Die jungen Leute waren ganz versessen darauf, mit uns Englisch zu sprechen, sie wollten einfach mit der Außenwelt in Berührung kommen“, erzählt Fürnrohr, der von der Freundlichkeit und Offenheit der Ägypter noch immer begeistert ist.

In der Weißen Wüste dominieren von Wind und Sand abgeschmirgelte Gesteinsformationen aus Kreide, die mit etwas Phantasie an die Umrisse von Tieren oder Pilzen erinnern. Hier kommt auch Fürnrohrs Vorliebe für Abstraktion ins Spiel. In Natur und Architektur sucht er nach Motiven und Bildausschnitten, die losgelöst von ihrer Umgebung in der Vorstellung des Betrachters etwas komplett anderes darstellen können.

In seinem Dünen-Bild etwa hätte ein Bekannter Schneewehen im Bayerischen Wald erkannt. „Das ist der Vorteil von Schwarz-Weiß-Fotografie: die Farben und Formen werden auf das Wesentliche reduziert, alles Unnütze wird weggelassen, weniger ist mehr“, erklärt der 38-Jährige.

Bereits mit 16 Jahren ist er Mitglied in der Fotografischen Gesellschaft geworden. Die älteren Vereinskollegen hätten ihm dabei geholfen, „den richtigen Blick zu lernen, ein Bild zu sehen“ wie Fürnrohr es formuliert. Aber auch die Vorstellungskraft, wie ein Motiv bei veränderten Lichtverhältnissen wohl aussehen könnte, spielt eine große Rolle bei seiner Arbeit: „Wenn es sein muss, geht man halt noch einmal auf den Berg hinauf“.

Von seinen sechs eingereichten Fotos hat die Jury des „Sony World Photography Awards“ das Bild „Dunes“ für die Kategorie „Nature & Wildlife“ nominiert, wo es mit neun Mitbewerbern um den Titel konkurriert. Aber überhaupt nominiert zu werden, ist schon ein Verdienst: Von über 17500 Fotografen aus 162 Ländern schafften es nur zwölf deutsche Fotografen und Fotografinnen in die Short-List der verschiedenen Kategorien des Wettbewerbs. Und die „Sony World Photography Awards“ gelten als der Fotografie-„Oscar“. Auch wenn sein Foto bei der Preisverleihung am 27. April in London nicht gewinnen sollte, wird das abstrakte Dünen-Foto in einem dicken Bildband erscheinen und auf Ausstellungstournee rund um die Welt gehen. Und Fürnrohr wird in London auf jeden Fall dabei sein: „Das lass ich mir nicht entgehen“.

Weitere Fotos der Bilderserie „Weiße Wüste“ werden im Rahmen der Kallmünzer Kunstschaunacht am Samstag, 7. Mai, ab 16 Uhr in der Fotogalerie von Stephan Fürnrohr ausgestellt. Im Sommer ist die Galerie sonntags geöffnet.

www.time-for-inspiration.de

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