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Konzert

Aufgeknöpftes, munteres Musizieren

Die französische Gruppe „Le Caravansérail“ und Sopranistin Rachel Redmond begeisterten im Reichssaal.
Von Gerhard Dietel

Die Sopranistin Rachel Redmond, begleitet vom Ensemble „Le Caravanséreil“ Foto: altrofoto.de
Die Sopranistin Rachel Redmond, begleitet vom Ensemble „Le Caravanséreil“ Foto: altrofoto.de

Regensburg.Stickig ist die Luft im Reichssaal in dieser frühen Nachmittagsstunde des Pfingstmontags. Meine Banknachbarin fächelt sich mit dem Programmtext geräuschvoll Luft zu, und auch einige der Musiker von „Le Caravansérail“ auf dem Podium kommen ins Schwitzen. Unter zustimmendem Beifall des Publikums entledigen sie sich ihrer Jacken und spielen im Hemd weiter, so aufgeknöpft, wie es denn auch ihrem kurzweiligen Programm „A Fancy – Fantasy on English Airs and Tunes“ entspricht.

Erst leise, dann dynamisch

Eine regelrechte Theater-Leidenschaft muss im London des späten 17. Jahrhunderts ausgebrochen sein, nun, da nach dem Ende der puritanisch geprägten Republik unter Oliver Cromwell und der Rückkehr der Stuarts das Musikleben wieder aufblühte. Davon kündet das Programm von „Le Caravanserail“ mit Gesängen und instrumentalen Schauspielmusiken von Matthew Locke und Henry Purcell, aber auch weniger bekannten ihrer Zeitgenossen wie den aus dem Süden nach London zugewanderten Giovanni Battista Draghi und Louis Grabu.

Recht leise und getragen lassen die Streicher von „Le Caravansérail“ das Konzert mit den ersten Takten eines „Curtain Tune“ von Matthew Locke beginnen, die Zuhörer zur Aufmerksamkeit zwingend, bevor der Klang an Dynamik zunimmt und die Musik in einen rhythmisch bewegten Teil übergeht. Munter tanzt später die Blockflöte Marine Sablonnières bei einer „Hornpipe“ über dem Streichersatz, während Ensemble-Gründer Bertrand Cuiller im grundierenden Continuopart gelegentlich nahtlos vom Cembalo zur Orgel und zurück wechselt.

Wunder an Wandlungsfähigkeit

Eine Klasse für sich bei diesem Konzert ist Rachel Redmond mit ihrer naturfrischen, gleichzeitig schlanken und doch sinnlichen Stimme, die für ihren Vortrag mehrfach Zwischenapplaus erhält. Wunder an Wandlungsfähigkeit vollbringt sie: volkstümlich schlicht kann ihr Sopran in einigen fast folkloristischen Nummern anmuten, doch auch höchst artifiziell, wenn sie in jagenden Tonketten Purcells „I see, she flies“ formt. Mal gibt sie sich ganz lyrisch, wenn sie in dessen „O Solitude“ einen Lobpreis auf die Abgeschiedenheit anstimmt, mal wieder derb und leicht verrucht bei Gesängen, die ins Zwielicht der Spelunken und der käuflichen Liebe führen.

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