mz_logo

Kultur
Sonntag, 27. Mai 2018 29° 2

Klassik

Aufregender Abend mit Sharon Kam

Die Klarinettistin zog beim Konzert des Musikvereins in Regensburg mehr Gäste an, als der Saal fassen konnte.
Von Claudia Böckel

Sharon Kam Foto: Lübke/dpa

Regensburg.Wenn es so weitergeht, wird der Musikverein sich größere Räumlichkeiten als den Saal im Vielberth-Gebäude suchen müssen. Bereits eine halbe Stunde vor Beginn quoll das Foyer über mit potenziellen Konzertbesuchern ohne Eintrittskarte. Und tatsächlich konnte nicht für Alle Platz geschaffen werden.

Der Anziehungspunkt war einerseits wohl die außergewöhnliche Programmzusammenstellung mit den drei schönsten Kammermusikwerken mit Klarinette, andererseits natürlich die isrealisch-stämmige Klarinettistin Sharon Kam, die schon zweimal den ECHO Klassik als Instrumentalistin des Jahres erhalten hat.

Lesen Sie mehr über Konzerte des Musikvereins Regensburg: „Extreme Gegensätze ausgekostet“

Normalerweise wird ein Klarinettenquintett als Zutat eines Streichquartettabends gespielt. Hier lief es ganz anders. Sharon Kam hat sich bekannte und renommierte Musiker ausgesucht, um mit ihnen zusammen die Klarinettenquintette von Mozart, Brahms und Reger aufzunehmen und, wie in Regensburg, sie im Konzert zu spielen, nicht in der Formation 4 + 1, sondern als Solistenensemble von fünf Musikern. Zudem konnte man so diese drei großartigen Werke, die durchaus aufeinander Bezug nehmen, in der Zusammenschau erleben beziehungsweise sich „erhören“. Und das war aufregend.

Renommierte Streicher

Bei Mozart stehen sich die Klarinette und die Streicher zunächst noch eher antipodisch gegenüber: hier Solist, da Miniorchester. Das Blasinstrument sorgt für reizvolle Farbmischungen, zeigt subtil ausgekostete Registerunterschiede, die Streicher agieren eher homogen zusammen. Auch die vier Streicher sind renommierte Musiker. Isabelle van Keulen und Ulrike-Anima Mathé sind neben ihrer Konzerttätigkeit Professorinnen an wichtigen Musikhochschulen, Volker Jacobsen und Gustav Rivinius sind als Kammermusiker und Solisten tätig.

Deutliche Akzente, gestochen scharf gesetzt

Brahms´ Klarinettenquintett op. 115, in der Sommerfrische in Bad Ischl komponiert, packt Sharon Kam klar und sehr dramatisch an, setzt ganz deutlich die Akzente, führt gestochen scharf. Manchmal holt sie ihren Klang aus dem Nichts hervor. Im Adagio erfreuen sich alle Musiker am österreichischen Schmäh. Unisono geführte Passagen zwischen erster Geige und Klarinette bestimmen das Klangbild, die Melodielinien greifen geschmeidig ineinander. Bei Max Regers Klarinettenquintett op. 146 ist das Klangbild wieder ganz anders. Hier wirkt das Blasinstrument oft wie ein Verstärker in Richtung orchestralen Sounds, ist mehr eingebettet in den Streicherklang. Es wird verdichtet, dann wieder ausgedünnt, ruhige Melodieschwünge folgen dramatisch-dicken Stellen. „Wir sind vielleicht nicht so schnell wie die Geiger und Pianisten, aber wir haben dafür die Möglichkeit, mit einem Knopf direkt das Herz zu öffnen.“, sagte die Klarinettistin in einem Interview. Das ist ihr mehr als gelungen an diesem Abend.

Hier geht es zur Kultur.

Hier geht es zu unserem Special „Ganz klassisch!“

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht