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Endspurt

Aufwühlender deutscher Affenfilm

Die letzten Tage der 63. Berlinale: Die Favoritensuche hat begonnen. Und eine bewegende deutsche Dokumentation über traumatisierte Affen hat Premiere.
Von Elke Vogel, dpa

Gefangen in einer Kiste: Das Schicksal ehemaliger Labor-Affen behandelt der Film „Unter Menschen“ Foto: Denkmal-Film

Berlin. Das Rennen um den Goldenen Bären geht in die Zielgerade. Am Samstag verkündet die Berlinale-Jury die Gewinner der Festivaltrophäen. Nach einer durchwachsenen ersten Halbzeit wird nun unter Kritikern und Publikum fieberhaft nach echten Bären-Kandidaten Ausschau gehalten. Filme aus Chile, dem Iran und Rumänien stehen derzeit hoch im Kurs bei den Festivalbesuchern.

Doch auch ein Blick auf die Nebenreihen der Berlinale lohnt sich: In der Special-Reihe hat am morgigen Donnerstag ein aufwühlender Film zweier deutscher Filmemacher Weltpremiere. In ihrer Dokumentation „Unter Menschen“ erzählen Christian Rost und Claus Strigel von 40 ehemaligen Labor-Affen, die heute schwer traumatisiert in einer Anlage in der Nähe von Wien betreut werden.

Die illegal aus Sierra Leone nach Europa gebrachten Schimpansen waren Versuchstiere für die Entwicklung von Aids- und Hepatitis-Impfstoffen. Sie lebten jahrelang in völliger Isolation – ohne Tageslicht und ohne Kontakt zu Artgenossen. Jetzt lernen die Affen langsam, in Gruppen zu leben und sehen im Außengehege erstmals die Natur. „Es ist tief berührend, wie die Tiere miteinander umgehen“, so Strigel. Die heutigen Pflegerinnen der Affen sind die selben, die die Schimpansen damals im Labor betreuten.

Im offiziellen Wettbewerb standen gestern Filme aus den USA und Bosnien und Herzegowina auf dem Programm. Dramatische Szenen spielen sich in dem mit Laienschauspielerin gedrehten Werk „An Episode in the Life of an Iron Picker“ („Epizoda u zivotu beraca zeljeza“) von Danis Tanovic ab. Eine Roma-Familie spielt darin eine Episode aus ihrem eigenen Leben nach. Weil die Familie das Geld für die Krankenhausbehandlung der Mutter nicht bezahlen kann, stirbt die schwangere Frau fast. „Es war schmerzhaft, diesen Film zu machen. Aber es ist mir wichtig. Denn ich möchte nicht, dass noch einmal jemand erleben muss, was mir passiert ist“, sagte Darstellerin Senada Alimanovic.

Lässig und lakonisch ist dagegen die US-Komödie „Prince Avalanche“ von David Gordon Green. Paul Rudd („Our Idiot Brother“) und Emile Hirsch („Into the wild“) spielen in der Independent-Produktion zwei Straßenarbeiter, die ganz unterschiedlich mit der Einsamkeit in den texanischen Wäldern umgehen. Großes Kino ganz außer Konkurrenz gibt es am heutigen Mittwoch am Abend mit der Weltpremiere von Bille Augusts Bestseller-Verfilmung „Nachtzug nach Lissabon“ – Starpower mit Jeremy Irons und Martina Gedeck auf dem roten Teppich.

Zwei Highlights hat sich Berlinale-Direktor Dieter Kosslick für den Schluss aufgehoben: Als letzter Wettbewerbsfilm startet am Freitag die französische Komödie „Elle s’en va“ („On my Way“) von Emmanuelle Bercot (Frankreich). Darin setzt sich Filmdiva Catherine Deneuve ins Auto, um Zigaretten zu holen – ein kleines Roadmovie beginnt. Echtes Spektakel verspricht außerdem der 3D-Animationsfilm „The Croods“ über eine Steinzeitfamilie – erwartet wird unter anderem Hollywoodstar Nicolas Cage, der dem Steinzeit-Papa seine Stimme leiht.

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