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Konzert

Aug‘ in Auge mit den Musizierenden

Der Cellist Schöttle und die Pianistin Semova begeistern im Schloss Höfling.
Von Gerhard Dietel

Packende Intensität: Ruzha Semova und Rupert Schöttle Foto: Dietel
Packende Intensität: Ruzha Semova und Rupert Schöttle Foto: Dietel

Regensburg.„Es kommt noch etwas“, warnt der Cellist Rupert Schöttle diejenigen im Publikum, die sich bereits anschicken, nach dem fulminant gespielten zweiten Satz aus César Francks A-Dur-Sonate zu applaudieren. In der Tat: ein zu packender Intensität verdichtetes „Recitativo“ wartet noch auf die Hörer sowie ein Finale, bei dem Rupert Schöttle und die bulgarische Pianistin Ruzha Semova am Flügel einen kanon-artigen Rundgesang anstimmen, der sich immer wieder melodisch ineinander verschlingt, sich in den Schwanz beißt wie die Schlange Uroborus. Kommunikation nicht nur in Tönen, sondern auch in erläuternden Worten: Sie ist einfach, wenn die Musizierenden und die ihnen gebannt Lauschenden sich so nahe kommen wie im Salon des Schlosses Höfling, wo kein trennendes Podium Distanz schafft. Eine Atmosphäre entsteht, in der sich Kammermusik wahrhaft genießen lässt, was freilich auch aktiven Mitvollzug einschließt. Ihn braucht es bei der Uraufführung von Tommy Ballestrems „Abendgesang“, der Bezüge zu Franz Werfels gleichnamigem, recht nachdenklichem Gedicht hat, wie der anwesende Komponist erläutert. Keinen nur wohligen Abendfrieden verbreitet diese Musik denn auch: Wohl ist sie vorwiegend gesanglich gehalten, doch in ihren einzelnen Phrasen oft kleinräumig kreisend, bohrend und fragend, bevor ein ruhiges Ausatmen den Prozess des Einschlafens zu schildern scheint.

Eröffnet wird der Konzert-Nachmittag im Schloss Höfling mit Robert Schumanns Fantasiestücken op. 73, welche die beiden Interpreten mit schwärmerischem Ton anstimmen, dann zu motivisch dichtem Miteinander entwickeln, bevor sie die dritte Nummer („Rasch und mit Feuer“) zu romantischem Überschwang steigern. Als ausgesprochene Programmrarität gibt es noch die 1948/49 entstandene zweite Cellosonate des sowjetrussischen Komponisten Nikolai Miaskovsky zu erleben.

Eher spätromantisch als dem zwanzigsten Jahrhundert angehörig wirkt sie: mit einem breit entfalteten Kopfsatz, einem tänzerischen Andante und einem brillanten, rhythmisch treibenden Finale.

Eine Solodarbietung Ruzha Semovas bereichert das Programm: zart wie ein Nocturne und eingetaucht in dezentes Pedal-Sfumato lässt sie César Francks Prélude in h-Moll anheben, steigert die folgende „Fugue“ klanglich bis zum Einsatz mächtiger Bass-Oktaven, bevor die figurativ bereicherte Wiederholung des Anfangs das Stück sanft verklingen lässt. Anhaltenden Beifall gibt es zum Schluss für die beiden Musiker, die der neuen Konzert-Saison in Schloss Höfling einen gelungenen Start verschafft haben.

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