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Musik

Aus dem Kleiderschrank in die Charts

Als Mosaik rappt der Regensburger Student Konstantin Franz über Alltägliches. Auf iTunes steigt das Interesse bereits.
Von Emily Buchner und Magdalena Rohrmeier

Die Bilder zu Mosaiks neuem Album entstanden am Sylvensteinspeicher in Österreich. Foto: Konstantin Franz
Die Bilder zu Mosaiks neuem Album entstanden am Sylvensteinspeicher in Österreich. Foto: Konstantin Franz

Regensburg.Seine Fans kennen ihn als Mosaik: Konstantin Franz aus Weiden. Unter dem Pseudonym macht der Wahl-Regensburger Musik, die irgendwo zwischen Hip-Hop, Rap und Indie liegt. So ganz lässt sich das selbst für ihn nicht definieren. Die Vielfältigkeit seines Musikstils spiegelt sich auch in seinem Künstlernamen wider, wie er sagt. Damit versucht er zu verdeutlichen, dass die einzelnen Lieder eine zusammenhängende Geschichte erzählen – und sich somit aus vielen kleinen Teilen ein Gesamtbild ergibt.

Die Musik begleitet den 20-Jährigen schon lange. Vor acht Jahren ist er durch das Album „Jung, brutal, gut aussehend 2“ von Farid Bang und Kollegah auf Hip Hop gekommen; heute bezeichnet er sie als seine „Wurzeln“. Durch sie inspiriert, begann er selbst Musik zu machen. Sein erstes „Tonstudio“ richtete er in seinem Kleiderschrank ein. „Am Anfang klang das furchtbar“, sagt er rückblickend. Aber er hatte Spaß daran, probierte viel aus und fand mit der Zeit immer mehr einen eigenen Sound.

Anstatt aufzupassen schrieb er im Unterricht lieber seine ersten Songtexte. Dabei orientierte er sich stark an den Tracks seiner damaligen Vorbilder. Mittlerweile ist er aber „krass von dem Stil abgekommen“. Seine einzige „richtige Inspirationsquelle“ sei aktuell der österreichische Rapper Gerard – „weil er seinen Sound einfach durchzieht, obwohl er gewagt und abgespaced ist“. Genau das hat sich auch Mosaik vorgenommen.

Das Tonstudio in der Studentenbude

In seiner Studentenbude hat er sich inzwischen ein richtiges Tonstudio eingerichtet – „krass professionell“, erzählt er ein bisschen stolz. In seiner Wohnung schreibt er zurzeit auch den Großteil seiner Texte, denn Musik kann er nur in den eigenen vier Wänden machen. Das sei in gewisser Weise ein Tick von ihm. Zuhause vor den Eltern war ihm das hingegen immer ein bisschen peinlich, wie er zugibt. Als Jugendlicher war es schwer für ihn, mit seinen Eltern übers „Mucke machen“ zu reden. Heute freuen sie sich gemeinsam über seine Erfolge – davon gibt es für sein Alter genug. 20 Jahre jung, ein Vertrag mit dem Münchner Plattenlabel „New Word Order“ und mit seinem neuen Album auf Platz fünf der iTunes Vorbestellungscharts: „Das war richtig krass“, sagt er. Denn Mosaik hatte durchaus Bedenken: Das Album unterscheidet sich sehr von dem vorherigen („Charakter zum Mitnehmen“), mit dem er auf Platz 97 in den iTunes Charts in der Kategorie Hip-Hop landete.

„Ich finde nicht mal das C am Klavier“

Mosaik, Rapper

Gerechnet hatte er mit dem Erfolg nicht. Seine ersten Live-Auftritte absolvierte er in kleinen Bars mit unprofessioneller Anlage und vor wenigen Zuschauern. Noch dazu sah er sich selbst nie als musikalisches Talent. „Ich finde nicht mal das C am Klavier“, verrät er. In diesem Jahr ist aber Großes für den jungen Mann geplant: Eine Tournee durch Bayern und ein Auftritt als Headliner beim Neustadt Open Air stehen an. Denn mit seinem Album „Dreidimensional“ startet der Musiker jetzt durch.

Das Album sei „total losgelöst und gibt es in der Form noch nicht“. „Sphärisch, neuartig“, wie er die Tracks beschreibt – ein Mix aus Indie, Hip-Hop, Rap. Auch poppige Elemente finden sich. Ein durchaus gewagter Mix, dessen ist sich Mosaik bewusst: „Entweder man feiert es oder man kann gar nichts damit anfangen“. Aber genau das war sein Ziel. Er will mit seinem Sound polarisieren und Genre-Grenzen sprengen. Dabei geht es ihm nicht darum zu revolutionieren, sondern das zu machen, womit er sich wohlfühlt. Mosaik will sein eigenes Ding machen, „seinen“ Sound spielen.

In unserem Videointerview können Sie Mosaik noch besser kennenlernen:

Konstantin Franz macht als "Mosaik" Karriere

Unterstützung erfährt er dabei seit einiger Zeit von dem Musikproduzenten „AREAH“. Mit ihm zusammen kreiert er seinen Sound – und davon fast alles „in der Box“. Ohne Kontakt mit „echten“ Musikern ist es ihm so möglich, seine Lieder mit Instrumentalklängen zu ergänzen. Bei seinem neuen Album fügte er Violinen und Gitarren hinzu, obwohl die, wie er selbst sagt, „eigentlich nichts zu suchen haben im klassischen Rap“. Aber die Technik erlaubte ihm zu experimentieren.

Rap-Karriere trotz Studium

Abseits des Musikbusiness’ studiert der Rapper Psychologie an der Universität Regensburg. Trotz seiner Leidenschaft für die „Mucke“ sieht er das Studium noch als seine Hauptbeschäftigung. Es sei eigentlich an der Zeit, sich ein Jahr frei zu nehmen, um sich voll und ganz der Musik zu widmen. Doch dazu fehle ihm noch der Mut. Denn trotz Karriereträumen in der Rap-Szene kann er sich durchaus vorstellen, später einmal im wirtschaftspsychologischen Human- Ressources-Bereich zu arbeiten. Als Psychologe in einer Klinik sieht er sich allerdings nicht.

„Wenn der erste Song stimmt und die Crowd gut ist, dann bin ich in meinem Element.“

Mosaik, Rapper

Auf die Frage, ob neben Musik und Studium überhaupt noch Zeit ist, Regensburgs Nightlife auszukosten, gerät Mosaik ins Schwärmen. Er liebe die Stadt und ihre Kneipen, sagt er. Und für die Entstehung von neuen Songs sei das Feiern unerlässlich. Denn die besten Songideen kämen ihm oftmals allein auf dem Nachhauseweg. Zu seinen Lieblingslocations gehören das „Zentral“ und das „Picasso“. „Hauptsache Kneipen“, meint er. Denn der Dult-Typ oder Tänzer sei er nicht.

Die größte Party allerdings erlebt er bei seinen Live-Auftritten: „Wenn der erste Song stimmt und die Crowd gut ist, dann bin ich in meinem Element. Dann verschwindet auch der letzte Rest Lampenfieber und es macht einfach nur Spaß.“

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