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Kritik

Ausklang mit Mozart und James Bond

Das Kammerorchester Regensburg beschließt mit einer festlichen Serenade das Palazzo-Festival im Thon-Dittmer-Palais.
Von Veronika Lintner, MZ

Mi der festlichen Serenade endete das diesjährige Palazzo-Festival Thon-Dittmer-Palais
Mi der festlichen Serenade endete das diesjährige Palazzo-Festival Thon-Dittmer-Palais Foto: altrofoto.de

Regensburg.Elf Konzerte zählt das Palazzo Festival 2016. Eine bunte Weltmusikmixtur von Samba bis Rock, mit Gipsysound, Folk und Jazz. Den Schlussakkord setzen allerdings sinfonische Orchesterklänge, handgemacht aus Regensburg. Und so beschloss das Kammerorchester Regensburg am vergangenen Freitag den Konzert-Reigen. Dass sich aus klassischem Format auch Vielfalt schöpfen lässt, bewiesen die Musikerinnen und Musiker in ihrer „Festlichen Serenade.“

Gäste mit Tradition im Palais

Das Ensemble eint Streicher von jung bis alt und zählt zu den traditionellen Gästen im Thon Dittmer Palais. Das musikalische Heft nehmen dabei oft Gastdirigenten in die Hand. „Heute nun also eine Frau am Taktstock. Das ist auch etwas Besonderes.“ – so stellt Moderator und Bratschist Franz Schuhbeck die Dirigentin des Abends vor. Hildegard Schön hat ihre Lehrjahre, als Musikwissenschaftlerin und Orchesterleiterin, an den Musikhochschulen von München und Frankfurt verbracht. Dass sie aber keine Frau der grauen Theorie ist, beweist sie mit einem mutigen, üppigen Programm.

„Don Quichotte“, eine Suite des Barockmeisters Georg Philipp Telemann, gibt sich reizvoll schlicht. Der Kampf gegen die Windmühlen kleidet sich hier in das formale Klang-Korsett barocker Zeit. Dennoch entlockt das Kammerorchester dem Werk spritzige Pointen. Einen harten Bruch bilden hierzu Heino Ellers „Fünf Stücke für Streichorchester“ aus dem Jahr 1953. Dieses Herzstück estnischer Nationalmusik tönt in nordischer Romantik – klar und tief, intensiv und rau.

Mozart zart und empfindsam

Im Mittelpunkt des Programms steht dann Wolfgang Amadeus Mozart. Als Gastsolist präsentiert Simon Reitmaier das Konzert für Klarinette in A-Dur. Das Mozartsche Spätwerk klingt bei ihm von Anfang an zärtlich empfindsam. Dass das Zusammenspiel mit dem Orchester im langsamen Satz ab und an zu wanken droht, tut dem Genuss keinen großen Abbruch.

Nachdem Mozart noch einmal in einem Divertimento aufblitzt, ist Reitmaiers Qualität erneut in romantischen Gefilden gefragt. Das innige „Adagio für Klarinette und Streicher“ von Heinrich Baermann erinnert an den romantischen Stil Richard Wagners. Rossinis „Introduzione e Tema con Variazioni“ fordert dagegen auf ganz anderem Niveau. Nach einem verträumten Auftakt beschleunigt sich das Geschehen von Variation zu Variation. Reitmaier meistert die steigende Virtuosität sehr souverän. Die Moderationen im Plauderton leiten auf charmante Art zu den nächsten Stücken über.

Der Vielklang des Abends mündet in Filmmusik, Marke Hollywood. Unsterbliche Melodien schuf Ennio Morricone einst für die Italo-Western von Sergio Leone. Seine Ballade „Gabriels Oboe“ tönt hier im barocken Palais jedoch mit Cello und Klarinette. Ein Medley aus dem Mafia-Drama „Once Upon a Time in America“ rundet die Morricone-Hommage ab. Mit diesem breit gefächerten, kraftzehrenden Programm hat das Kammerorchester einiges gewagt. Und gerade deshalb wurde die beachtliche musikalische Leistung mit einem sehr ehrlichen, herzlichen Schlussapplaus honoriert.

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