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Kunst

Ausstellung zum Thema Inszenierung

Werke von acht Künstlerinnen und Künstlern hat Kuratorin Anjalie Chaubal für die Schau zusammengetragen.
Von Gabriele Mayer

Teil der Ausstellung „inszeniert“ sind auch diese alten Porträtfotos, bei denen die Künstlerin Kratzer sogar noch verstärkt. Foto: Wolfram Schmidt Fotografie
Teil der Ausstellung „inszeniert“ sind auch diese alten Porträtfotos, bei denen die Künstlerin Kratzer sogar noch verstärkt. Foto: Wolfram Schmidt Fotografie

Regensburg.Die anregende Ausstellungsreihe „Aspekte“ im Donau-Einkaufszentrum schließt eine Lücke im Regensburger Kunstbetrieb. Es geht bei „Aspekte“ jeweils um ein übergeordnetes Thema, das durch unterschiedliche künstlerische Positionen beleuchtet wird. Wobei die Werke ihrerseits zu ungewohnter Geltung kommen können. Heuer hat die Kuratorin Anjalie Chaubal das Thema Inszenierung gewählt – mit Werken von acht Künstlerinnen und einem Künstler.

Alles was dargestellt wird, in den Medien, der Politik, im Unterricht usw., sei es bildlich, sprachlich oder körperlich, ist immer auch inszeniert, insofern es sich um eine bewusste und zielgerichtete Auswahl, Anordnung und Präsentation handelt. Auch die Menschen selbst inszenieren sich ständig, durch ihre Mode, ihr Gehabe. Sogar wenn man auf eine Inszenierung mit Absicht verzichtet, dann stilisiert, inszeniert man eben dies. Im Netz wird ständig inszeniert: weggelassen, vereinseitigt, manipuliert, so selbstverständlich, dass man gar kein Bewusstsein mehr davon hat. Auch Kunst ist immer Darstellung und automatisch Inszenierung, und zwar in möglichst origineller Weise. Von der Kunst kann man etwas über Inszenierungen und ihre Gründe und Wirkungen erfahren.

Barbara Sophie Höcherl inszeniert die Natur

Inszeniert wird bei Barbara Sophie Höcherl die Natur, in der Ausstellung sind es ästhetisch drapierte Vogelfedern. Weil das Arrangement in einer geschlossenen Kammer hängt, wirkt es umso unnahbarer und kostbarer. Birgit Szuba vergrößert alte Porträt-Fotos und intensiviert die Aura von Bewegtheit und Zeitnähe dadurch, dass sie Kratzer und Flecken auf den Fotos am Computer verstärkt und verfremdet.

Jedes Nachrichtenbild im Fernsehen zeigt nur einen bestimmten Ausschnitt, eine Perspektive, es ist schon deshalb von vornherein inszeniert – und will doch als wahrhaftig gelten. Höchst eindrucksvoll collagiert Astrid Behrens prägnante Zeitschriften-Fotos und -Texte und präsentiert sie per Video als Foto-Folgen, wobei jeweils ein Kurztext mehreren Bildern zugeordnet wird. Und fast wie beim Fernsehen konstruieren wir flugs einen vermeintlich authentischen Sinn. Aber genauso schnell entschwindet er wieder. Und doch, es wirkt etwas weiter, das ebenso gut Verständnis wie Missverständnis sein kann.

Florian Gröschl macht Zeichnungen aus Sprüchen

Der Newcomer Florian Gröschl macht verwegen wirkende Zeichnungen mit Sprüchen, als wären es private Notate: Inszenierung von Spontaneität. Juliane Ehrenberg hat alte Kreuzwegstationen aus Holz mit einigen Gebrauchsdingen ihres Großonkels bestückt und inszeniert sein Leben als Kreuzweg: um etwas zu verdeutlichen. Und auf Barbara Regners Fotos sind historische Frauengestalten als Kämpferinnen mit Waffen nachgestellt. Indem die Figuren aber unecht oder unbeholfen wirken, wird ihre Inszeniertheit und Hinterfragbarkeit offengelegt. Susanne Neumann überhöht, bewahrt und transformiert ihre Erinnerungen an Autoreisen über die Alpen in Malerei und in Form eines alten Autosessels, auf dem Moos liegt.

Sarah Huby ordnet Ereignissen Posen zu

In der raffinierten Choreographie von Anna Konjetzky erzeugt die Tänzerin Sarah Huby Bedeutung durch Posen, für die sie in ihren Bewegungen stillhält und sie „einfriert“. Schließlich erklärt sie nebenbei, welche Pose, also Inszenierung, was bedeutet, es werden immer komplizierte Ereignisse den zeichenhaften Posen zugeordnet. Sie zeigt damit ironisch, wie Bedeutung und in der Folge davon Kommunikation zwischen Schöpferischem und Schablonenhaftigkeit entsteht.

Aber Inszenierung ist nicht alles. Oder hat man es vergessen, das Unbewusste, Unwillkürliche, Unverfälschte? Das Wahre, das man jenseits der Inszenierung sucht, ist vielleicht am ehesten in der Gesamtheit aller Inszenierungen aufzuspüren, die wir ständig treffen. Es zeigt sich sowieso nur indirekt; wenn man es an einer Stelle festnageln will, hat man es schon verfehlt. Aber insofern der Mensch etwas definiert und mitteilt und dabei immer etwas betont, ausklammert und bewertet, inszeniert er schon. Und verstellt auch immer etwas.

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