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Regensburg.

Ausstellungsmacher im „Leeren Beutel“

Über 20 Jahre lang leitete Dr. Herbert Schneidler die Städtische Galerie Regensburg im Leeren Beutel. Am 31. März geht er in den Ruhestand.

Dr. Herbert Schneidler vor dem Gemälde „Mannheimer Vision“ von Xaver Fuhr aus dem Jahr 1932, das zu den bedeutendsten Werken in der Sammlung der Städtischen Galerie Regensburg gehört. Foto: Christian Kober/Archiv

Von Ulrich Kelber, MZ

Die Ausstellung von Franz Hitzler, die im Februar endete, war noch einmal ein prächtiger Glanzpunkt, denn in den impulsiven, farbgewaltigen und oft bedrohlichen Bildern des aus Thalmassing stammenden Künstlers scheinen die Schicksalkräfte des Lebens miteinander zu ringen. Auch wenn Hitzler schon 1967 nach München ging, so zählt er doch zu den wenigen Künstlern des Regensburger Raumes, die es in den letzten Jahrzehnten zu internationalem Ansehen gebracht haben.

Regionale und internationale Kunst: In diesem Spannungsfeld bewegt das Ausstellungsprogramm der Städtischen Galerie Regensburg. Als Dr. Herbert Schneidler, der vom Museum Morsbroich in Leverkusen kam, im November 1987 als Nachfolger von Dr. Veit Loers die Leitung der Galerie übernahm, meinte er optimistisch: „Langfristig wird sich der Leere Beutel nur profilieren können, wenn Eigenproduktionen überregionale Ausstrahlung bekommen.“ Bei seiner Arbeit wolle er auf „drei Stränge“ setzen betonte er damals und nannte die „klassische Moderne“, die „absolute Gegenwartskunst“ und die „Auseinandersetzung mit der Regensburger und mit der Oberpfälzer und niederbayerischen Kunst“.

Rund 150 Ausstellungen später ist nun Bilanz zu ziehen. Am 31. März tritt Dr. Schneidler in den Ruhestand. Große Namen sind zu nennen – von Arnulf Rainer bis Joseph Beuys und Edvard Munch. Aus der bekannten Sammlung Murken, aus der sich viele große Museen bedienen, war die Schau „Melancholie und Eros in der Kunst der Gegenwart“ im Leeren Beutel zu sehen.

Besonders ambitioniert war im Jahr 1995 „Standpunkt Stadt“, wo es um „urbane Thematik in der zeitgenössischen Kunst“ ging. Doch die Städtische Galerie litt immer unter einer mangelhaften finanziellen Ausstattung, die große Projekte weitgehend unmöglich machte.

Gespür für Talente und Qualität

Wenn es um die „absolute Gegenwartskunst“ geht, dann gehört sicher die Ausstellung von Heribert Ottersbach zu den herausragenden Ereignissen. Sie zeigt exemplarisch Dr. Schneidlers Spürsinn für Qualität und für Talente. Der 1960 in Köln geborene Künstler wurde in Regensburg bereits zu einem Zeitpunkt gezeigt, bevor er seinen großen Durchbruch erlebte. Heute sind Ottersbachs Bilder im Museum Frieder Burda zu sehen, die Altana-Kulturstiftung sammelt seine Werke und im vergangenen Jahr widmete ihm auch die Kunsthalle Tübingen eine Ausstellung und rühmte ihn als einen der „profiliertesten deutschen Maler der Gegenwart“.

Bei der Kunst aus Bayern und der Region ist an Ausstellungen von Herbert Achternbusch, Erwin Eisch, Günter Dollhopf, Josef Achmann und Alfred Kubin zu erinnern, dann an die große Xaver-Fuhr-Retrospektive. Und natürlich tauchen die in Regensburg wichtigen Namen auf von Hans Geistreiter, Rupert D. Preißl, Richard Vogl bis Walter Zacharias oder – um auch die jüngere Generation zu würdigen – Georg Fiederer, Jürgen Huber, Astrid Schröder und Jürgen Schönleber.

Dr. Herbert Schneidler, ein feinsinniger und nobler Mann, hat sich nie um schrille Effekthascherei bemüht, wie sie heute bei vielen Museumsleuten Mode geworden ist. Eitle Selbstdarstellung liegt ihm nicht. Und so wollte er zum Abschied auch kein großes Gespräch mit der MZ führen. Nur ein paar Sätze ließ er sich entlocken. Seine persönliche Bilanz: „Ich habe versucht, im Rahmen der Möglichkeiten das Beste daraus zu machen.“ Und dann bricht doch der Stolz durch: „Ich weiß, was ich geleistet habe. Ich habe verdammt viel getan als Einzelkämpfer.“

Ja, ein Einzelkämpfer war er wirklich. Er hat darunter gelitten, wie sehr sich in Regensburg in den vergangenen Jahren der Umgang mit der Kultur verändert hat, dass freimütige Äußerungen plötzlich verpönt waren. Und es hat ihn gekränkt, dass der Leere Beutel immer mal wieder in der Kritik stand. Doch es lag an der Stadt, dass der Leere Beutel nur auf „Sparflamme“ laufen durfte. Deshalb verdient es hohen Respekt, was Dr. Schneidler im Lauf der Jahre trotzdem alles an Ausstellungen auf die Beine gestellt hat.

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