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Kultur
Montag, 21. Mai 2018 25° 1

Kirchenmusik

Bach und Mozart im Einklang

Die Regensburger Kantorei beeindruckt an Karfreitag in der Dreieinigkeitskirche mit der faszinierenden Totenmesse.
Von Andreas Meixner

Marina Szudras heller Sopran unterstützte die Kantorei. Foto: msr/Archiv

Regensburg.„Dies irae, dies illa, solvet saeclum in favilla - Tag der Rache, Tag der Sünden, wird das Weltall sich entzünden“. Mächtig erhebt sich der Chor nach dem kraftvollen Schluss der Kyrie-Fuge. Mozarts Requiem braucht in diesem Moment keine mystische Verklärung, es steht für sich selbst - entfesselt und wutentbrannt. Zwei Bassetthörner eröffnen im Zusammenspiel mit dem Fagott die Totenmesse, bevor die Posaunen mit vier aufrüttelnden Akkorden den Weg für den ersten Einsatz des Chores bereiten. Die Musik, über der ihr Schöpfer starb, bleibt ein Torso, gegossen in das umstrittene Stützkorsett seines Schülers Franz Xaver Süßmayr, der es nach seinen Möglichkeiten und in der gängigen Tradition der Zeit ergänzte und vollendete. Geblieben ist die Faszination, der sich am Karfreitag in der Dreieinigkeitskirche niemand entziehen konnte. Zumal sich die Regensburger Kantorei unter der umsichtigen Führung von Roman Emilius einmal mehr als Garant für qualitätvolle und beherzte Chorkultur erwies. Pünktliche Reaktion und dynamische Flexibilität ließen die große Besetzung vergessen. Da musiziert ein erfahrener, eingespielter Klangkörper, dem nur im Forte manchmal die Durchschlagskraft fehlte. Das Kammerorchester Regensburg präsentierte sich von seiner besten Seite, mit homogenem Streicherklang und einer engagierten Bläserbesetzung, die sich dezent in Szene zu setzen wusste. Tempi und Gestaltung bewegten sich bei der Interpretation von Emilius im konventionellen Rahmen. Sein Weg zu einer schlüssigen Gestaltung lag in der klaren Sprachbehandlung und besonderem Augenmerk auf der Sauberkeit von Anschlüssen sowie dem Zusammenspiel von Chor, Orchester und Solisten.

Das gelang bestens, zumal er sich auch auf ein souveränes Solistenquartett verlassen konnte. Vorneweg Marina Szudra, die mit ihrem hellen Sopran große, elegante Bögen zog, mit wohltuender Unaufgeregtheit, aber mit spürbarer Haltung gegenüber dem Werk. Eva Maria Summerer bestätigte mühelos ihren Ruf als Sängerin mit warmer, berührender Stimme. Der Tenor Mario Friedrich Eckmüller blieb bis auf eine leicht angestrengte Höhe tadellos, Christian Hilz fehlte als Bariton eine profunde Tiefe, die man vor allem im „tuba mirum“ schmerzlich vermisste. Sein größeres Augenmerk galt jedoch ohnehin J. S. Bachs Kreuzstabkantate, die dem Requiem als Prolog vorangestellt war. Dort erwies er sich als als bestens präparierter Barocksänger. Das ruhige, zurückhaltende Tempo der ersten Arie brachte ihn atmungstechnisch nicht in Verlegenheit, im Duett mit der Oboe in der Arie „Endlich, endlich mir mein Joch wieder von mir weichen müssen“ zeigte er sich flexibel und gelenkig in der Stimmführung. Die beiden Rezitative blieben hingegen blass und hätten mehr erzählerische Ausdruckskraft verlangt. Das änderte nichts daran, dass Bachs Kantate bestens mit der Musik Mozarts korrespondierte. „Komm, o Tod, du Schlafes Bruder, komm und führe mich nur fort“, heißt es im Schlusschoral. Einen besseren Bogen hin zum Introitus der Totenmesse hätte man kaum finden können. „Ich will den Kreuzstab gerne tragen, er kommt von Gottes lieber Hand.“ Da ist die Musik am Karfreitag in der Dreieinigkeitskirche weniger Konzert als vor allem Gottesdienst. Und das ist gut so.

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