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Bad aus Lachtränen und Endorphin

Frank Sauer präsentiert bis Samstag im Statt-Theater Rezepte für den Beziehungssalat.
Von Peter Geiger

„Scharf angemacht“ wird Kabarettist Frank Sauer von roten High-Heels.  Foto: Peter Geiger
„Scharf angemacht“ wird Kabarettist Frank Sauer von roten High-Heels. Foto: Peter Geiger

Regensburg.Gerne wollte man ja glauben, dass das Verhältnis zwischen Mann und Frau komplizierter ist, als es uns klischeehafte Schulweisheiten gemeinhin vermitteln wollen. Aber wie plausibel Zotiges sein kann, das belegt vielleicht jener Ausruf einer Dame am eindrucksvollsten, die bei Frank Sauers Auftakt zu seinem viertägigen „Scharf angemacht“-Gastspiel im Statt-Theater ganz vorne Platz gefunden hat.

Der in Stuttgart schulisch und in Siegen universitär sozialisierte Kabarettist, soeben 60 geworden, hebt jedenfalls gerade zum Tiervergleich an. Und zitiert dabei die durchaus smarte Bananenschnecke herbei. Ein possierliches, nur wenige Zentimeter langes Zwittertier, das an der amerikanischen Westküste beheimatet ist.

Trotz all seiner Unscheinbarkeit aber verfügt es über ein besonderes Merkmal. Kaum hat dieser sich über alles lustig machende Sauer diesbezüglich die Katze aus dem Sack gelassen und drauf verwiesen, dass das Fortpflanzungsorgan dieser Schnecke nicht nur die eigene Körpergröße um ein Vielfaches überragt, sondern dass dessen Ausmaß – in nackten Zahlen gesprochen – rund 84 Zentimeter beträgt, da erschallt aus dem Frauenmund von ganz vorne ein anerkennend-überraschtes „Ah, Du spinnst ja!“.

Womit die These, dass es am Ende in partnerschaftlichen Angelegenheiten auf harte Fakten ankommt wie die schlichte Größe der Länge, zumindest kräftig Futter bekommen hat. Und genau auf dieser Welle setzt Frank Sauer seinen sämtliche politische Korrektheiten missachtenden und wortspielsüchtigen Ritt fort – und beschert seinem schnappatmenden Publikum ein zweistündiges Bad in einer Mixtur aus Lachtränen und ausgeschütteten Endorphinen.

Als Schuss in den Ofen erweist sich übrigens der Tipp, dass der rote hochhackige Damenschuh bald eine Hauptrolle spielen werde, in diesem den Abend nicht nur quantitativ füllenden Zweistunden-Programm. Der High-Heel (dieses rote, Männer erröten lassende Erotikwerkzeug) steht zwar prominent auf einem Tischchen und posiert ganz brav. Er kommt aber nur im Rahmen einer Erklärung zum Einsatz, deren Inhalt ist, warum er nicht zum Einsatz kommen darf.

Das Mikro dagegen, das unscheinbar am Bühnenrand steht, das dient dem alles Paradoxe und Widersprüchliche so liebenden Komödianten final dazu, im Stil eines grandiosen Schnulzensängers partnerschaftliche Idyllen heraufzubeschwören – und diese sogleich weinenden Auges und stehenden Fußes wieder zu zerstören. Denn ist unser Leben nicht dann am spannendsten, wenn’s richtig zur Sache geht, im Beziehungssalat?

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