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Comedy

Bayerisch integriert als „Karin I.“

Karin Zimny buhlt in „Dirndlalarm“ als blonde Ruhrpottpflanze um die Gunst des kritischen Oberpfälzer Publikums.
Von Michael Scheiner

Auf gutem Weg zur Duldung im Freistaat: Karin Zimny Foto: Scheiner
Auf gutem Weg zur Duldung im Freistaat: Karin Zimny Foto: Scheiner

Regensburg.Sich in Bayern integrieren, wie soll das gehen? Selbst Franken gelten bis heute vielfach als „Zuagroaste“, denen man milde lächelnd den Katzentisch zuweist. Und dann erst eine aus dem Ruhrpott! Man hört förmlich das Klatschen, wenn sich Einheimische vergnügt auf die Schenkel schlagen. Karin Zimny aber ist tapfer! Tagelang steigt sie im Untergrund des Statttheaters in den Ring und buhlt um die Gunst der Oberpfälzer. „Dirndalarm“ nennt die blonde Ruhrpottpflanze ihr Programm aus Songs, vergnüglichen Episoden ums Eheleben und Älterwerden und aus dem täglichen „Kampf gegen das Böse“, mit denen sie ihr Publikum erheitert.

Ob sie es soweit gewinnt und auf ihre Seite bringt, dass daraus eine Eins-zu-eins-Integration wird, muss abgewartet werden. Eine Duldung wird vermutlich herausspringen. Immerhin dulden die Bayern seit wenigen Tagen auch einen Franken als Ministerpräsidenten ihres hundertjährigen Freistaats, der einst als republikanische Großtat eines Berliners, also eines Preußen entstanden ist.

Auffrischung des Ehelebens

Zimny startet vorsichtig mit Lockrufen und einem „Brunftlied“, um das „scheue Wesen Bayer“ zu Gesicht zu bekommen. Dazu hat sie sich in ein hellblau kariertes Dirndl geworfen. Dem verdankt sie auch umgehend überraschende Erkenntnisse, denn schon das Dekolleté fördere „Dinge zutage, die es gar nicht gibt“. Sogar eine Auffrischung ihres Ehelebens kommt zustande, seit sie mit ihrem Ehegatten nach München gezogen ist. Bei einer Bergtour hat sie gewaltig mit der Natur, „der Feind des Menschen“, zu kämpfen. „Artgerechtes Wandern“ erkennt die integrationswillige Komödiantin nur bei der Nutzung von Rolltreppen im Shopping Center.

In der ersten Hälfte des Abends tut sich Zimny noch ein wenig schwer mit den abwartenden Oberpfälzern. In ihren vergnüglichen Erzählungen übers Kaschieren von Problemzonen, ihre häusliche Rolle als „Staubsaugerterroristin“ und bekennende „Herpesianerin“ wirkt sie leicht hölzern.

Die Verbindung zwischen verschiedenen Themen schafft sie mit bekannten Popsongs und Swingtiteln, die sie neu und spöttisch betextet hat. Bei diesen Liedern, playback oder zur eigenen Ukelelebegleitung gesungen, taut Zimny auf. Aus James Browns „I feel good“ wird eine hämische Putzhymne und aus Americas Folkrock-Ritt „A Horse with No Name“ eine beleidigte Klage über fehlende Desserts in einem bayerischen Ausflugslokal. Damit fängt die Anwärterin auf ein bayerisches Integrationsdiplom ihr Publikum nach und nach ein. Sie lässt es mitsingen und absurd-komische Refrains intonieren.

Immer lockerer und frecher

Vor allem nach der Pause dreht Zimny auf, wird immer lockerer und frecher in ihren Beiträgen. Am Ende ist sie einer Integration ganz nahe, träumt zu Rio Reisers Pophymne „König von Deutschland“ davon, dereinst als „Karin I.“, Königin von Bayern verehrt und geliebt zu werden. Den passenden Vornamen hat sie, blickt man auf die Reihe der Frist Ladys der letzten Jahrzehnte in Bayern. (mic)

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