MyMz

Konzert

Bei der Matthäus-Passion stimmte alles

In der Dreieinigkeitskirche war erstmals wieder das gewaltige Bach-Werk zu hören. Die Regensburger Kantorei und La Banda setzten es punktgenau um.
Von Gerhard Heldt, mz

Regensburg.Die Matthäuspassion, Bachs grandiose Vertonung des Geschehens um das Leiden und Sterben Jesu, war mangels geeigneter Aufführungsräume lange nicht in Regensburg zu hören. In der renovierten Dreieinigkeitskirche erlebte sie nun durch die Regensburger Kantorei und das Orchester La Banda unter der Leitung von Roman Emilius eine Aufführung, die in ihrer textlichen und musikalischen Gestaltung die Leidensgeschichte miterlebbar werden ließ.

Glänzend disponierte Sänger

Die Regensburger Kantorei, glänzend disponiert, überzeugte in allen Belangen. Der stets homogene Klang der beiden Chöre ist ebenso bezwingend wie die durchgehend ausgezeichnete Textverständlichkeit; Akzente, vom Rhythmus und von der Diktion her vorgegeben, setzt dieser Chor punktgenau um. Ob barocke Stufendynamik oder romantische Crescendi und Decrescendi – es stimmte bei dieser langen Aufführung, deren zwei Teile von einer 45-minütigen Pause unterbrochen waren, am Karfreitag einfach alles!

Klangschwelgerische Aufführung

Die Arien waren die intendierten kontemplativen, retrospektiven Ruhepausen im Ablauf des dramatischen Geschehens, markierten gleichzeitig aber auch die Kommentare der frommen Seele der Gläubigen zum Handlungsablauf. Die Chöre der aufgebrachten Massen setzten schneidend scharfe Akzente („Barrabam!“ und „Lass ihn kreuzigen!“). In den Chorälen, die zu Bachs Zeiten vom Volk mitgesungen wurden, waren die Fermaten am Ende einer jeden Zeile, die textliche Zusammenhänge zerrissen, auf die Dauer ermüdend. Doch gerade sie zeigten, wo Emilius trotz des auf alten Instrumenten historisch spielenden Orchesters durchaus noch in der Tradition Karl Richters musizierte: Eine romantisch klangschwelgerische Auffassung lebte noch einmal auf, die Emilius in Rezitativen, Arien und Volkschören durchaus zurückhielt.

Dass im Eingangschor Soprane des Universitätschores beim Choral „O Lamm Gottes“ mitwirkten, hätte im Programmheft durchaus erwähnt werden können.

In zwei Chöre geteilt, davon der erste etwas stärker besetzt, bewältigte die Kantorei ihre anspruchsvolle Aufgabe in der Dreieinigkeitskirche vom ersten bis zum letzten Ton mit spannungsgeladener Intensität. Man hat den Eindruck, dass der Umstand, wieder in der Dreieinigkeitskirche singen zu können, den Chor mit zu dieser außerordentlichen Leistung beflügelte. Gleiches gilt für das Orchester, das, ebenfalls zweigeteilt, unaufdringlich und unpathetisch musizierte, den Intentionen des Dirigenten exakt folgte und als Kollektiv wie in den instrumentalen Einzelleistungen überzeugte.

Das Publikum applaudierte stehend

Auffallend war neben den „romantisch“ musizierten Chorälen, dass die Gesangssolisten bei der Wiederholung des ersten Teils ihrer Arien nicht zur barocken Praxis der Auszierung griffen. Dabei standen der leichtstimmigen portugiesischen Sopranistin Leonor Amaral und der in Israel ausgebildeten Altistin Anna Haase von Brincken die sängerischen Mittel dazu zur Verfügung. Leonor Amaral sang ihre Partie mit zartem, glockenhellen Sopran stilgerecht, zeichnete die Gefühle, die die von ihr gesungenen Gedanken auslösen, schlicht und zurückhaltend. Anders verhält es sich bei der Altistin, der Bach Gefühlsaufwallungen beim Miterleben von Jesu Schicksal in die Rolle schrieb. Mit klarer, nie pastos auftrumpfender Stimme war sie eine der Entdeckungen des Konzerts.

Reiner Geißdörfer fand als Evangelist nicht durchgehend zu ausgewogener Ausgestaltung. Auch Daniel Jenz brauchte einige Anlaufzeit, um seinen schlanken, nicht immer höhensicheren Tenor in den Arien nachhaltig in Szene setzen zu können. Christian Hilz fühlte sich in den höheren Regionen der Basspartien (Judas, Petrus, Pilatus, Arien) auch erst im zweiten Teil richtig wohl, da hier die „echten“ Bassstellen sind. Martin Danes gab der Jesus-Partie mit lyrischem, aber zur Dramatik fähigen Bariton Gewicht.

Roman Emilius ist seine erste Matthäus-Passion in Regensburg großartig geglückt; das Publikum in der ausverkauften Dreieinigkeitskirche bedankte sich mit standing ovations.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht