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Kino

Bei Mozart geht’s um die Essenz

Im Leeren Beutel läuft ein Film über das Quatuor Ebène, der den Zuschauer unmittelbar am Alltag der Künstler teilhaben lässt.
Von Juan Martin Koch, MZ

Filmemacher Daniel Kutschinsky hat Quatuor Ebène begleitet.
Filmemacher Daniel Kutschinsky hat Quatuor Ebène begleitet.

Regensburg.„4“ – einfach nur die Zahl Vier. Ein ziemlich gewagter, aber umso passenderer Titel für einen Dokumentarfilm über ein Streichquartett, der alles Unnötige weglässt. Der keine Lobeshymnen von Kritikern und Weggefährten abfilmt, keine Fotos oder Bewegtbild-Schnipsel der über 15-jährigen Karriere zusammenschneidet und mit Off-Kommentaren garniert. Der sich vielmehr darauf konzentriert, uns ganz unmittelbar teilhaben zu lassen am gemeinsamen Alltag, an der Intensität des künstlerischen Ringens, an Höhenflügen und Frustrationen von vier Musikern, die immer wieder auf das Quartettsein, das Dasein zu viert zurückgeworfen werden.

Das exquisite Quatuor Ebène betrat spätestens mit dem Gewinn des ARD-Musikwettbewerbs 2004 die internationale Bühne und war dank des Engagements des Musikvereins auch in Regensburg wiederholt zu hören. Filmemacher Daniel Kutschinsky hat die Formation bei einer Konzertreise, vor allem in Italien begleitet und fing dabei mit seinem sensiblen Kameramann Arnd Buss von Kuk den einen oder anderen launigen und atmosphärischen Moment auf der Autobahn, bei der Suche nach Konzertsaaleingängen oder beim Abendessen nach getaner Konzertarbeit ein.

Ein dichter und intelligenter Film

Den breitesten Raum nehmen aber die Gespräche bei der Probenarbeit und anlässlich von Aufführungen ein. Und da geht es ans Eingemachte: Nach einem Auftritt ergeht sich Primarius Pierre Colombet in brutaler Selbstkritik und bricht damit eine schmerzhafte Grundsatzdiskussion über Eigen- und Fremdwahrnehmung vom Zaun. Oder die Meinungen darüber, wie Mozart zu spielen sei, gehen um Nuancen auseinander, die auf diesem interpretatorischen Niveau einen fast unüberwindlichen Graben bedeuten.

Dann ein anderer Abend: Endlich habe man wieder einmal über einen langen Zeitraum auf gleichbleibendem Niveau musiziert, so das einmütige Fazit über die letzten Auftritte. Beim Coaching durch den Kammermusik-Spezialisten Eberhard Feltz wiederum wird die ehrlich eingestandene Ratlosigkeit angesichts des vierten Quartetts von Béla Bartók zum Ausgangspunkt für ein ganz elementares Entdecken musikalischen Neulands. So nah Frustration und Euphorie beieinander liegen, so fragil scheint auch das Ensemble-Gefüge.

So nah Frustration und Euphorie beieinander liegen, so fragil scheint auch das Ensemble-Gefüge.

Menschlich beruht es auf spürbarer Zuneigung und Nähe, gerät aber dort ins Wanken, wo Interpretationsfragen ins Grundsätzliche, Persönliche gehen. Mathieu Herzog, zum Zeitpunkt der Filmaufnahmen noch streitbarer, charismatischer Bratschist, hat das Quartett Ende 2014 verlassen…

Wie auf diesem schmalen Grat Kunst entsteht, davon erzählt dieser dichte, intelligente und nicht zuletzt überaus musikalisch geschnittene Film.

„4“ ist bis noch bis Sonntag jeweils um 19 Uhr in der Filmgalerie im Leeren Beutel zu sehen. Am Samstag ist Regisseur Daniel Kutschinski zu Gast.

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