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Ausstellung

Bildhauerei: Zwischen Fülle und Leere

Die Lothar-Fischer-Preisträgerin Leunora Salihu will Spannung erzeugen. Ab 17. Juni sind ihre Werke in Neumarkt zu sehen.
Von Claudia Böckel

Der Urknall, ein riesiges Objekt der Lothar-Fischer-Preisträgerin 2017, füllt einen der unteren Räume im Museum in Neumarkt. Foto: Böckel
Der Urknall, ein riesiges Objekt der Lothar-Fischer-Preisträgerin 2017, füllt einen der unteren Räume im Museum in Neumarkt. Foto: Böckel

Neumarkt.Leunora Salihu beschäftigt sich mit den elementaren Themen der Bildhauerei. „Was ich als Bildhauer mache: Spannung erzeugen zwischen Fülle und Leere.“ Der Urknall – ein riesiges Objekt der Lothar-Fischer-Preisträgerin 2017 – bespielt alleine einen der unteren Räume im Lothar-Fischer-Museum Neumarkt.

Im Wechselspiel von Innen und Außen, von Fülle und Leere, von Volumen und Masse entfaltet sich ein halb skelettiertes, halb mit Multiplexplatten überzogenes Bildwerk, das an der Schnittstelle einen organisch wirkenden und wertvoll glänzenden Keramikkern enthält.

Zusammengebaut wurde diese entfernt an eine Hantel erinnernde Skulptur erst im Museum in Neumarkt. 1000 Schrauben waren dazu nötig – und viele Hände. Im K21 Ständehaus in Düsseldorf, wo die Künstlerin eine Einzelausstellung hatte, hätten die Skulpturen gar nicht so groß gewirkt, sagt Thomas Heyden, Mitglied des Vorschlagsgremiums für den Lothar-Fischer-Preis, der alle zwei Jahre vergeben wird. 1999 floh die jetzt in Düsseldorf lebende Künstlerin nach Deutschland, studierte zunächst in Kiel, dann an der Kunstakademie Düsseldorf, wurde 2009 Meisterschülerin von Prof. Tony Cragg. Viele ihrer Werke entstehen aus Modulen, die aneinandergefügt werden. „Bewegung in statischer Form“, sagt sie dazu.

Handwerklich nicht perfekt

Es sei ihr sehr wichtig, dass ihre Arbeiten handwerklich nicht ganz perfekt seien. Diese kleinen Abweichungen, da ein kleiner Spalt, dort ein wenig überstehendes Material, das Unperfekte eben mache die Arbeiten so lebendig. „Tischler wären nicht begeistert von meiner Arbeit.“ Das Material ist Leunora Salihu wichtig. Oft werden zwei unterschiedliche Werkstoffe kombiniert, Holzplatten und Keramikobjekte, wie bei der „Welle“. Wobei die Holzplatten einen Überzug haben, der sie wie Metallplatten aussehen lässt. Gebogene, mit länglichen Schnitten durchbrochene Keramikplatten, außen mit grüner Glasur überzogen, innen roher, roter Ton, sind übereinandergeschichtet, in minimaler Abweichung sitzen sie nicht exakt in Reih und Glied. Das Eckige und das Runde, das Konkave und das Konvexe: Alles gerät in Schwingung, und wenn es nur die unsichtbare Luftsäule im Inneren der Skulptur ist.

Leunora Salihu Foto: Böckel
Leunora Salihu Foto: Böckel

Leunora Salihus Werke sind in der Ausstellung bestens in Szene gesetzt. In einem Raum hat sie die Werke aus rotem Ton versammelt, zu denen auch der „Propeller“ gehört, dessen Mittelstück aus einer durchbrochenen, vielfach gedrehten Gitterstruktur aus Ton besteht. Leunora Salihu begleitet das Material durch alle Stadien, vom Trocknen bis zum Brand. Es müsse sehr sorgfältig gearbeitet werden, damit es sich nicht verformt. Und diese in sich schon komplexen Gitterstrukturen sind positioniert auf einem Sockel aus geschichteten MDF-Platten, der aber doch kein Sockel ist, weil er sich oben wiederholt.

Das Motiv von Sockel und Stütze, von Bewegung und Statik, von Drehung und Biegung geht hier durch alle Ebenen und scheint durch all ihre Werke. Auch die Materialvielfalt und -kombination zeichnet ihre Arbeiten aus. Salihu durchforscht die Beschaffenheit ihrer Materialien, geht bis an die Grenzen des Materials, organisiert alles akribisch, streng und klar – und erreicht damit eine unglaubliche Lebendigkeit, Vielfalt und Leichtigkeit.

Meisterschülerin ist gefragt

  • Künstlerin:

    Die 1977 in Prishtina/Kosovo geborene Leunora Salihu zog 1999 nach Deutschland. Sie war Meisterschülerin des international bekannten Bildhauers Tony Cragg. Leunora Salihu lebt und arbeitet in Düsseldorf. Sie hat bereits in Slowenien, Israel und Holland ausgestellt.

  • Ausstellung:

    Die Werke von Leunora Salihu werden von 17. Juni bis 7. Oktober 2018 im Museum Lothar Fischer in Neumarkt gezeigt. Es gibt ein umfangreiches Begleitprogramm.

„Im Zeichnen ist alles möglich“

Eingestreut zwischen die Skulpturen sind Salihus Zeichnungen. „Man kann hier den Gedanken und der Hand freien Lauf lassen. Im Zeichnen ist alles möglich. Alle Bildhauer zeichnen auch. Als Bildhauer hat man Dinge, die man gern überwinden würde.“ Und auch ihre Tuschezeichnungen führen ihre Suche nach Bewegungsabläufen vor, nach Schwingungen, Verschiebungen.

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