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Bis ans Ende unserer Pixel-Tage...

Zum Auftakt des Medienkunstfestivals „art.clouds“ gab Krimiautorin Ingrid Schmitz einen nachvollziehbaren Einblick in die Welt des Second Life.
Von Susanne Wiedamann, MZ

Ingrid Schmitz las im Medienraum der Mittelbayerischen Zeitung aus ihrem Krimi, der auch im Second Life angesiedelt ist. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Die Schwarzhaarige geht mit wiegenden Hüften vor uns her durch fremdes Land. Bunt schillernd ist diese Welt, scheinbar nur schwach bevölkert, dreidimensional – und doch wirkt sie wie für ein Kinderspiel auf dem Reißbrett entworfen. Angenehm werbungsarm sind die Szenen, dafür liegt schon einmal ein scheinbar Toter irgendwo auf dem Boden herum. Wir sind im Second Life, jener Parallelwelt im Internet, über die viel geschrieben wurde, die von vielen besucht wird, und vor der noch mehr Menschen zurückschrecken, aus Technikangst vielleicht oder aus Desinteresse an irrealen Welten im Allgemeinen.

Die Lady mit den hübschen Rundungen auf der Medienwand vor uns ist Sameja Lomba, das Alter Ego, bzw. der Avatar der Krimischriftstellerin Ingrid Schmitz. Sie nimmt uns mit auf einen kleinen Rundgang oder -flug, zeigt, wie Avatare kommunizieren. Der Ausflug ins Second Life ist Höhepunkt und Schluss von Ingrid Schmitz’ MZ-Krimilesung im Medienraum der Mittelbayerischen Zeitung, mit der sie das Medienkunstfestival „art.clouds 2009“ eröffnet.

Nicht frei von Verbrechen

„2 Leben – 1 Tod“ heißt ihr Buch, das sowohl im realen Leben spielt als auch in der virtuellen Welt. Ihre Protagonistin Mia Magaloff, Künstlerin, Trödelhändlerin und Hobbydetektivin, begibt sich zur Aufklärung eines Falls ins Second Life (SL). Sie erfährt, dass auch diese Welt nicht frei von Verbrechen ist, wie dort Sex funktioniert und dass Avatare nicht sterben können, ganz im Gegensatz zum realen Leben: In Schmitz’ unterhaltsamem Krimi wird durchaus gestorben.

Die Krefelder Autorin hat sich selbst 2006 zum ersten Mal ins Second Life begeben. Seither ist sie ein Teil dieser Welt, hat Freunde gefunden, viele Erfahrungen gesammelt. In einer Power-Point-Präsentation berichtet sie dem Publikum in der ersten Hälfte ihres mehr als zweistündigen Vortrags von ihrer Eroberung des Second Life – und von der allmählichen Überlagerung ihrer beiden Welten. Als Sameja Lomba kam sie im SL mit einem (realen) Herausgeber in Kontakt und feiert seither mit ihren Büchern doppelt Karriere: Im SL und im Hier und Jetzt.

Wer zum Schluss die Avatare auf der MZ-Medienwand tanzen sieht und verfolgt, wie sie mit platten Formeln in Endlosschleifen kommunizieren, der kann sich solch’ positive Auswirkungen kaum vorstellen. Die Möglichkeiten des Netzwerkes, die SL-Dimension, die über bloße Unterhaltung hinausgeht, ist in der gebotenen Kürze schwer vermittelbar. Einen Einblick geben kann das „art clouds“-Festival aber schon. Ludwig Bäuml, Vorsitzender des BBK Oberpfalz/Niederbayern, der Träger der veranstaltenden arts2media Medienwerkstatt ist, und Stellvertretender MZ-Chefredakteur Holger Schellkopf freuen sich denn auch über die gegenüber dem Vorjahr deutlich gewachsene Zuhörerschaft.

Zukunftsvisionen

Die Macher des Medienkunstfestivals „art.clouds 2009“, Max D. Well, Christian Wittkowsky und Andreas Müller von Pomodoro Bolzano, sind von der rasanten Entwicklung in diesem Bereich überzeugt. „Cloud Computing“, jenes System eines weltumspannenden Datenpools, werde PCs überflüssig machen und das Internet revolutionieren. Cloud Computing werde das Verhalten der Menschen verändern, ist Wittkowsky überzeugt. Die Bunkermentalität, alles für sich zu speichern, gehöre der Vergangenheit an. Er hält globale Netzwerke wie Second Life für sicher. „Wir machen seit zehn Jahren Kunst in diesem Bereich“, sagt Max D. Well. Die Zusammenarbeit der Künstler sie viel freier und leichter. Die positive Grundhaltung heiße aber nicht, dass er alles gutheiße. Krimiautorin Schmitz weiß beispielsweise, wo im Second Life die Gefahren lauern. Selbst Heiratsschwindler gibt es hier wie dort und auch im virtuellen Reich Paare, die sich das Jawort geben, „bis ans Ende unserer Pixel-Tage“.

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