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Aufführung

Bis die Zungen ausgetrocknet heraushängt

Der berüchtigte Einakter „Durst“, des irischen Schriftstellers Flann O’Brien, ist in der Alten Filmbühne ein köstlicher Spaß.
Von Michael Scheiner, MZ

Christoph Malz schildert die Höllequalen des Durstes. Foto: Scheiner
Christoph Malz schildert die Höllequalen des Durstes. Foto: Scheiner

Regensburg. Es ist die Hölle! Die Zunge liegt rissig, ledern, vollständig ausgetrocknet in der Mundhöhle. Der Körper – verdorrt. Die Augen so trocken, dass kein Lidschlag mehr möglich ist. Aus dem Hals quillt nur noch „trockener, heißer Durst“. Von oben senkt sich erbarmungslos die Sonne herunter, verbrennt alles und jeden, der sich in der „meso-po-damischen Wüste“ bewegt. „Es ist wie auf dem Grill, nur ohne Soße“, stößt Christoph Maltz laut krächzend hervor.

Umgeben von grünlich schimmernden Flaschen, zapft Maltz hinter einer schummrig beleuchteten Theke Bier oder gießt schwungvoll Whiskey in ein Glas, das ebenso schwungvoll sofort in seiner ausgedörrten Kehle versickert. Er muss ja weiter erzählen können von seinen Kriegserlebnissen im Nahen Osten. Als gemeiner Soldat hat er diesen in der Levante verbracht, das dem heutigen Libanon, Syrien, Israel und Jordanien entspricht. Es ist eine Paraderolle für den Theatermacher, Schauspieler und „Antichristoph“, wie er sich selbst in Facebook charakterisiert. Mit drei Freunden, man ist geneigt zu denken „Saufkumpanen“, hat Maltz den Einakter „Durst“ des irischen Schriftstellers Flann O`Brien in der Szenekneipe „Alte Filmbühne“ inszeniert. Von den Mitspielern sind die alkoholisierten Gäste (Hans Camin, Christoph Reichenbach) mehr oder weniger Staffage, Stichwortgeber für den Gastwirt (Maltz). Dieser muss den Polizeisergeanten (Hans Schröck), der hereinschneit um die Einhaltung der Polizeistunde zu kontrollieren, irgendwie davon abhalten seines Amtes zu walten und Strafen zu verhängen. Also fängt er an den Uniformierten vollzuquatschen. Zunächst typisch irisch übers Wetter und den vergangenen Sommer, mäandert sich der gewiefte Wirt zielsicher in einen Monolog über vaterländische Abenteuer, sengende Hitze, eine unbarmherzig brennende Sonne und – folgerichtig – eine nach jedem Rinnsal dürstende Kehle. Nur unterbrochen von wenigen Einwänden und besserwisserischen Fragen, manövriert er damit den ungerührt schreibenden Polizeibeamten in eine emotionale Schräglage. Nach und nach entgleisen dessen Gesichtszüge, weiten sich die Augen, perlt der fiktive Schweiß, bis er sich am Ende zur Theke umdreht und wie verdurstet ein ganzes Bier – das die ganze Zeit auf ihn wartet – auf ex hinunterkippt.

Es ist ein köstlicher Spaß, der ganz von den beiden komplementären Protagonisten lebt. Während der Polizist souverän alles ignoriert, was sich hinter seinem Rücken abspielt, steigert sich der ausgekochte Fabulierer – einem bauernschlauen Bayer nicht unähnlich – in dramatische Höllenqualen, bis selbst dem vergnügten Publikum die Zunge halb vertrocknet aus dem Hals hängt.

Weitere Vorstellungen von Flann O’Briens Einakter „Durst“ in der Alten Filmbühne (Taubengässchen 2), gegenüber der Historischen Wurstküche, am 9. / 14. und 15. September, jeweils 21 Uhr


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