MyMz

Dialog

Blindes Vertrauen

Nick Woodland tritt in der Heimat auf. Die Gitarre erweist sich als Jungbrunnen.
Von Peter Geiger

Songs mit magnethafter Wirkung: Nick Woodland spielt auf dem 38. Bayerischen Jazzweekend.
Songs mit magnethafter Wirkung: Nick Woodland spielt auf dem 38. Bayerischen Jazzweekend.

Regensburg.Mit seinem Zylinder und der Nickelbrille sieht Nick Woodland aus, als wäre er dem Figurenarsenal eines Dylansongs entsprungen. Ist der aus London stammende Gitarrist, der seit den frühen 1970er Jahren in München ansässig ist, ein Zauberer, ein Landstreicher oder ein Harlekin? Wohl alles gemeinsam!

Und in der „Heimat“ an diesem Freitagabend, da ist er vor allem ein Magnet! Einer, dem’s spielend gelingt, die Räumlichkeiten so zu befüllen, dass kein Plätzchen mehr frei ist. Und somit auch kein Zutritt mehr möglich ist. Weshalb der Rezensent zwar nicht abseits, aber doch lange draußen vor der Tür ausharren muss. Um den beiden 40 Minuten-Sets aus der Distanz zu lauschen.

Die magnethafte Wirkung der Songs aber tröstet hinweg, über solche Unbill. Das Programm der Band – Nick Woodland wird begleitet von Tom Peschel am Bass, Manfred Mildenberger am Schlagzeug und Klaus Reichardt an den Keyboards – es besteht vor allem aus dem Material, das er auf den letzten beiden Alben „Play it all Night long“ (2018) und „Street Level“ (2016) versammelt hat.

Das klingt alles, als entstamme es der Feder eines Eric Clapton, eines Mark Knopfler oder eines J.J. Cale. Das sind allesamt leise, unaufgeregte Nummern, die dem 1951 geborenen Storyteller dazu dienen, seine höchstpersönliche Geschichte zu erzählen, vielstrophig und im Geiste Dylans.

Die Story, wie es Blueser Woodland zu einem Auftritt am Jazzweekend geschafft hat, die erzählt Bassist Tom Peschel im Anschluss ans Konzert. Eigentlich sei das, was sie im Bandverbund abliefern, ja viel mehr als bloßer Blues. Bei ihnen sei alles wie beim Jazz handgeschnitzt. Und stets auch ein Spiel ohne Netz und doppelten Boden. „Keiner weiß, wann und wie wir aus einem Song wieder rauskommen!“ Dazu aber muss sich jeder auf den anderen blind verlassen können.

In der Wikipedia steht zu lesen, es sei eine Legende, dass Nick Woodland einst Mick Taylor hätte ersetzen sollen, bei den Stones. Mit Mythen ist es wie mit Neid. Man muss sie sich hart erarbeiten. Nick Woodland ist das gelungen – und sein Gitarrenspiel, das erweist sich für ihn als Jungbrunnen!

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht