MyMz

Kunstpartner

Blütenkleidteppich im Eiskeller

„Summamirl“ in Adlmannstein: Die Kunstpartner-Galerie in Bernhardswald ruft mit ihrer Ausstellung ab Sonntag unwiderruflich den Sommer aus.
Von Florian Sendtner, MZ

Schönheit von Irene Fastner (Ausschnitt) Foto: Sendtner

Bernhardswald.Es ist ein veritables Sommer-Happening, was Wilma Rapf-Karikari und Ingo Kübler mit der Ausstellung „Summamirl“, die am Sonntag in Adlmannstein eröffnet wird, in ihren liebevoll hergerichteten Gewölben präsentieren: Malerei, Holzskulpturen, Leporellos und eine Installation von insgesamt elf Künstlern, eine luftig-leichte Komposition, bei der jeder, der ein bisschen dafür anfällig ist, schon beim Anschauen „Summamirl“ (Sommersprossen) kriegt.

Gleich am Eingang wird der Besucher von einem Engel mit weitausgebreiteten Flügeln empfangen, einer Holzskulptur von Helmut Wolf, die darüber wacht, dass der Sommer so schnell nicht wieder abhaut. Ein paar Meter weiter dann das offizielle Empfangskomitee, ebenfalls von Helmut Wolf: ein Strandtrio mit rotweißen Schwimmreifen, die wie Rettungsreifen wirken. Alles klammert sich an den Sommer, niemand will ihn wieder hergeben.

Das buchstäblich Holzschnittartige der Wolf’schen Figuren (in unterschiedlichen Größen, auch Miniaturen) hat einen karikaturistischen Effekt, der am schönsten an der Stirnwand zu Tage tritt, wo ein einsamer Turnschuhminister auf dem langen Lauf zu sich selbst ist. Die rote Krawatte schlenkert gefährlich nach rechts, doch man muss sich Joschka Fischer als glücklichen Menschen vorstellen.

Zwischen Wolfs Holzskulpturen breiten sich locker die Leporellos von Matthias Schlüter aus und tauchen den ehemaligen Hühnerstall vollends in exotisches Licht. Hellbunte Szenen aus Afrika oder der Karibik, die aufgrund der Falttechnik aus einer anderen Perspektive oft ein ganz anderes Bild ergeben: auf einmal findet man sich in einer dunklen Dschungelstadt wieder. Matthias Schlüters Spezialität ist der leichte, lockere, schnelle Strich, der eine unmittelbar überspringende Lebendigkeit erzeugt (und manchmal an Ludwig Bemelmans erinnert). Der Berliner Künstler hat so ziemlich die ganze Welt bereist und dabei unzählige Skizzen, Leporellos und Postkarten gemalt und gezeichnet.

Im großen Gewölbe springen als erstes die Bilder von Irene Fastner ins Auge. „2 am Strand“: ein eckig-grelles Paar im Badeanzug vor gackerlgelbem Hintergrund, die Hände in die Hüften gestemmt, im Lauf der Jahre morphologisch aneinander assimiliert, mit den Zehen berühren sie sich. Daneben eine kurzhaarige Schwarze im gelben Kleid mit türkisfarbenen Augen und ebensolchen Ohrringen, umrankt von Blättern. Ein violetter Paradiesvogel mit einem Krönchen fliegt ihr gerade zu. Wenn irgendwo der Sommer wabert, dann auf den poppig-naiven Bildern von Irene Fastner.

Isabelle Roth kommt demgegenüber dezenter daher, auf ihren Bildern (Acryl und Kohle auf Leinwand) sticht schon ein gelber Vogel auf der Hand heraus. Die Münchnerin zelebriert die Zweisamkeit: „ich mit ihm“ – zwei, die sich aneinander schmiegen, die ineinanderfließen, Doppelporträts von einer Überzeugungskraft, wie man sie nicht mehr gesehen hat, seit Josef Achmann sich mit Georg Britting auf der Leinwand verewigt hat. Und zwischen Fastner und Roth als Ruhe- und Kontrapunktzwei große, abstrakte Gemälde von Maria Seidenschwann.

Doch der absolute Knaller kommt im rückwärtigen alten Eiskeller. Hier, wo noch vor kurzem, während der großen Regenzeit, das Wasser von der Decke tropfte, wird man vom nichtendenwollenden Blütenkleidteppich der Gruppe Kunst.Stoff überwältigt: ein sieben bis acht Meter langes, aus 6000 Blüten geknüpftes Kunstwerk, das hier seinen bislang schönsten Ort gefunden hat – und es war 2010 immerhin schon in der Zisterne von Sultan Ahmed in Istanbul ausgestellt.

„Glaube, Liebe, Hoffnung“ heißt das gigantische Teil. Es ist, als ob die Fronleichnams-Blumenteppiche (Frauenarbeit, versteht sich) sich verselbständigt hätten und zu einem flirrend-leuchtenden Fanal der Weiblichkeit mutiert wären. Ein Fetisch von einer Frau, aufgebahrt in einem Eiskeller – ein Monument der Menschheitsgeschichte.

Service

Kunstpartner Galerie Adlmannstein:

In der ehemaligen Schlossgaststätte aus dem 17. Jahrhundert betreiben Wilma Rapf-Karikari und Ingo Kübler seit 2005 eine Galerie. Seit 20 Jahren geben sie den Kunstpartner-Kalender heraus, ein Sponsorenprojekt, das Werke ostbayerischer Künstler präsentiert.

Ausstellungseröffnung am Sonntag, 9. Juni, 11 Uhr. Die Ausstellung dauert bis 30. Juni; geöffnet Sonntag 14 bis 17 Uhr, Mittwoch 18 bis 20 Uhr.

Jeden Mittwoch von 18 bis20 Uhr: „Glückliche Stunde“ mit Tapas und Wein. Sonntag, 23. Juni, 20 Uhr: Vollmondwanderung, ca. zwei Stunden (ohne Anmeldung). Samstag, 29. Juni, 19 Uhr: Hans Wax und Dorothea Scheierling: Muntere Musik aus der Oberpfalz, Frankreich und Andalusien (nur mit Anmeldung)

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht