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Buchbranche in prächtiger Stimmung

Der Buchhandel startet mit gestärktem Selbstbewusstsein in das Branchentreffen in Sachsen. Nach einer längeren Krisenzeit steigen die Umsätze.
Von Birgit Zimmermann, dpa

  • Der Bundesrat der Schweiz, Alain Berset (links) unterhält sich zur Eröffnung der Buchmesse in Leipzig mit dem indischen Publizisten Pankaj Mishra. Mishra erhält 2014 den „Buchpreis zur Europäischen Verständigung“. Foto: Hendrik Schmidt/dpa
  • Mitarbeiter der Messebuchhandlung bereiten ihren Stand für die Eröffnung der Buchmesse in Leipzig vor. Vom 13. bis 16. März präsentieren sich 2000 Verlage mit ihren Neuerscheinungen. Foto: Hendrik Schmidt/dpa
  • Die Kinder- und Jugendbuchautorin Kirsten Boie zeigt Leserbriefe, die sie von Kindern bekommen hatte: Boie erhielt den „Luchs des Jahres“ zugesprochen. Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Leipzig.Der klassische Buchhandel sieht sich nach mehreren Krisenjahren im Kampf mit der Internet-Konkurrenz gestärkt und geht optimistisch in die Leipziger Buchmesse. Im vergangenen Jahr habe der traditionelle Buchhandel um 0,9 Prozent zugelegt. Dieser Aufwärtstrend habe sich auch Anfang 2014 fortgesetzt, sagte Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, am Mittwoch in Leipzig.

Die „eigentliche Sensation“ dabei sei, dass der lange totgesagte klassische Buchhandel wieder die Nase vor dem Online-Handel habe. Dessen Umsätze gingen um rund zwei Prozent zurück. Aus Sicht des Börsenvereins könnten die Erfahrungen des Buchhandels ein Vorbild für den gesamten Einzelhandel sein, der unter der Internet-Konkurrenz leidet.

Auf der Leipziger Buchmesse präsentieren sich vom 13. bis 16. März 2194 Aussteller (im Vorjahr waren es 2069) aus 42 Ländern. Das Frühlingstreffen der Buchbranche wird begleitet von Europas größtem Lesefestival „Leipzig liest“ mit rund 3000 Autoren und Mitwirkenden. Gastland der Buchmesse ist in diesem Jahr die Schweiz.

Favorit: Fabian Hischmann

Mit Spannung wird am Donnerstagnachmittag die Vergabe des mit insgesamt 45 000 Euro dotierten Preises der Leipziger Buchmesse erwartet. In der Kategorie Belletristik sind Fabian Hischmann („Am Ende schmeißen wir mit Gold“), Sasa Stanisic („Vor dem Fest“), Katja Petrowskaja („Vielleicht Esther“), Per Leo („Flut und Boden“) sowie Martin Mosebach („Das Blutbuchenfest“) nominiert. Die Leser haben Fabian Hischmann schon zum Sieger gekürt. Sein Debütroman „Am Ende schmeißen wir mit Gold“ landete beim Online-Voting mit gut 43 Prozent klar auf Platz eins. Hischmann ist mit 30 Jahren der jüngste im Quintett der Nominierten.

Die Messe wurde am Abend mit einem Festakt im Leipziger Gewandhaus eröffnet. Dabei stand auch die Verleihung des Preises zur Europäischen Verständigung an. Der mit 15 000 Euro dotierte Preis geht an den indischen Publizisten Pankaj Mishra für sein Werk „Aus den Ruinen des Empires. Die Revolte gegen den Westen und der Wiederaufstieg Asiens“.

Mishra sagte laut Redemanuskript, der Aufstieg rechtsextremer Parteien in Europa sei besorgniserregend. „Es ist nicht nur verblüffend, sondern auch entmutigend, wenn man sieht, dass nicht nur Rechtsextreme, sondern auch viele liberale Politiker und Intellektuelle in Europa mit einem Mehrheitsnationalismus flirten.“ Sein Buch solle „eine bescheidene Einladung an Asiaten wie Europäer sein, über die Gettos nationalistischer und imperialer Geschichte hinaus zu denken, in denen die meisten von uns gefangen sind“.

Der „Luchs“ ging an Kirsten Boie

Die Kinderbuchautorin Kirsten Boie (63) hat den „Luchs des Jahres“ zugesprochen bekommen. Ihr Buch „Es gibt Dinge, die kann man nicht erzählen“ wurde als das beste gekürt, das im vergangenen Jahr den monatlichen Kinder- und Jugendbuchpreis Luchs erhalten hatte. Radio Bremen und „Die Zeit“ vergaben die Auszeichnung am Mittwochabend zum Auftakt der Leipziger Buchmesse. Geehrt werde vor allem Boies Fähigkeit, in kunstvoller, poetischer Sprache die Gefühlswelt von Kindern in Swasiland begreifbar zu machen, befand die Jury. Die frühere Lehrerin hat rund 100 Bücher veröffentlicht. 2007 erhielt sie für ihr Gesamtwerk den Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises.

Der Vorsteher des Börsenvereins, Heinrich Riethmüller, sagte in seiner Eröffnungsrede, inzwischen würden fast 20 Prozent der Buchhandelsumsätze im Internet gemacht. Darauf habe sich der stationäre Handel aber inzwischen eingestellt, etwa mit eigenen Online-Angeboten. „Der Buchhandel bietet dem Kunden die Vorteile des Internets und die Vorteile des stationären Einkaufs wie persönliche Ansprache, ein wohl sortiertes Sortiment, regionale Verankerung und Veranstaltungsprogramme.“ Laut Börsenverein wurden im deutschen Buchmarkt 2013 rund 9,6 Milliarden Euro umgesetzt.

Börsenvereinsgeschäftsführer Skipis sagte, die gute Stimmung in der Branche sei „deutlich zu spüren und mit Händen zu greifen“. Sicher habe auch die Diskussion um die Arbeitsbedingungen und Steuerpraktiken des US-Versandriesen Amazon dazu beigetragen, dass Käufer in Deutschland wieder häufiger eine Buchhandlung ansteuerten.

Skipis warnte, bei den Verhandlungen über ein EU-Freihandelsabkommen mit den USA bewährte Schutzmechanismen wie die Buchpreisbindung zu opfern. Diese sei den großen amerikanischen Internetunternehmen ein Dorn im Auge. Ein Freihandelsabkommen möge auch Chancen bieten, aber: „Für den Kulturbereich sehe ich nur Risiken“, sagte Skipis. Die Bundesregierung müsse Ausnahmen für die Kultur beim Freihandelsabkommen durchsetzen.

Für das Publikum öffnet die Buchmesse am Donnerstag ihre Pforten. Auf dem Messegelände und in der gesamten Stadt Leipzig gibt es bis Sonntag zahlreiche Lesungen deutscher und internationaler Autoren. Erwartet werden etwa Margaret Atwood (Kanada), Simon Beckett (Großbritannien) oder Arne Dahl (Schweden).

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