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Bunt und sozial: Olivia Jones wird 50

Die Dragqueen ist eines von St. Paulis Aushängeschildern und macht sich stark für Toleranz. Sie tut das, was ihr Spaß macht.
Von Christiane Bosch

Olivia Jones vor ihrem Burlesque-Nachtclub: Die Dragqueen will Paradiesvögeln ein Nest und eine Bühne geben. Foto: Axel Heimken/dpa
Olivia Jones vor ihrem Burlesque-Nachtclub: Die Dragqueen will Paradiesvögeln ein Nest und eine Bühne geben. Foto: Axel Heimken/dpa

Hamburg.Wo Deutschlands wohl berühmteste Dragqueen Olivia Jones auftaucht, ist sie sofort ein Hingucker. Mit ihren zwei Metern Körpergröße und ihren stets auffälligen und bunten Kostümen, Perücken und High Heels sticht die Wahlhamburgerin auffällig aus der Masse heraus. Längst hat sich die politisch engagierte Künstlerin ihren Platz in der Unterhaltungsbranche gesichert. Zudem hat sie in den vergangenen Jahren erfolgreich ein kleines Jones-Imperium auf der Reeperbahn aufgebaut.

Am Donnerstag wird die Niedersächsin 50 Jahre alt – und hat schon jetzt ihre jugendlichen Träume erfüllt. Schluss sei deshalb noch lange nicht, sagt die Entertainerin. Außerdem mache sie gerade genau das, was sie immer tun wollte. „Das ist meine Berufung. Ich werde das mit 80 und 90 noch machen, ob das Publikum will oder nicht!“

Erste Auftritte mit 18 Jahren

Aufgewachsen im beschaulichen Springe, war Jones früh klar, dass sie auf die Bühnen einer Großstadt möchte. Ihrer Familie war es zunächst vor allem „furchtbar unangenehm“, dass Jones in Frauenkleidern auftrat. Heute sieht ihre Familie das anders: „Jetzt sind alle ganz stolz. Komischerweise waren die, die damals die blödesten Sprüche gemacht haben, die ersten, die ein Autogramm haben wollten“, lacht Jones.

Reeperbahn und Fernsehen

Angefangen habe sie mit 18 Jahren in kleineren Bars in Hamburg auf St. Pauli. „Mein Ziel war, davon irgendwann leben zu können. Ich wollte nicht berühmt werden, sondern den größtmöglichen Spaß haben“, sagt Jones. Bald hatte sie ihre eigene Show im Theater „Schmidt Tivoli“ und wurde in Hamburg ein Star. International machte sie als „Miss Drag Queen of the World“ von sich reden. 1997 gewann sie in Miami diesen Titel. Ihr Erfolg verschaffte ihr mehr Engagements, mehr Präsenz im Fernsehen, Durchsetzungskraft auf der Reeperbahn und Berühmtheit. Das mündete 2008 in ihre erste eigene Bar – die Olivia-Jones-Bar in der Großen Freiheit. Jones hat eine Familie aus Freunden um sich vereint. Etwa 100 Menschen zählt das Team der „Olivia Jones Familie“ mittlerweile. Sie sei sehr stolz, dass sie damit vielen Paradiesvögeln ein Nest und auch eine Plattform gebe.

Sie genießt das Doppelleben

  • Bekanntheit:

    Sie ist natürlich nicht immer als Dragqueen Olivia Jones unterwegs. Bis zu zwei Stunden dauert es, diesen Teil ihres Lebens mit Make-up, Perücke und Kostüm zu perfektionieren. „Ich habe ein tolles Doppelleben, das ich sehr genieße“, sagt die Wahlhamburgerin.

  • Anonymität:

    Gleichzeitig aber liebe sie auch die Anonymität als Mann. „Ich habe schon diesen Selbstdarstellungstrieb, den ich gern auslebe. Aber den muss ich nicht 24 Stunden haben.“ Sie sei froh, dass sie auch in ihren Läden mit Gästen über sich reden könne, weil sie nicht erkannt werde.

Für eine bunte Republik, Offenheit, Aufklärung, Vielfalt und Toleranz setzt sie sich seit Jahren ein. Dafür wird Jones von vielen Seiten geschätzt. „Sie hat keine Villa in Irgendwo, sondern sie lebt hier und hilft den Menschen. Das finde ich richtig gut“, sagte Reeperbahn-Quartiersmanagerin Julia Staron kürzlich. Zu ihrem Geburtstag hat Jones einen klaren Wunsch: „Ich würde mir für die Gesellschaft wünschen, dass wir irgendwann alle so tolerant geworden sind, dass wir keinen Christopher Street Day mehr brauchen.“

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