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Literatur

Carl Mørck fesselt auch in „Verheißung“

Der dänische Bestseller-Autor Jussi Adler-Olsen überzeugt auch mit dem sechsten Band seiner Serie um das Sonderdezernat Q.
Von Benjamin Neumaier, MZ

Jussi Adler-Olsens „Verheißung“ führt die Spiegel-Bestsellerliste an.
Jussi Adler-Olsens „Verheißung“ führt die Spiegel-Bestsellerliste an. Foto: dtv

Regensburg.„Siebzehn Jahre lang hat Polizeikommissar Christian Habersaat vergeblich versucht, den Tod einer jungen Frau aufzuklären, die kopfüber in einem Baum hängend aufgefunden wurde. Kurz nachdem er Carl Mørck um Hilfe gebeten hat, kommt er auf schockierende Weise ums Leben – und nur wenig später sein Sohn. Die Recherchen des Sonderdezernats Q führen nach Öland, zu einem obskuren „Zentrum zur Transzendentalen Vereinigung von Mensch und Natur“. Carl Mørck und seine Assistenten ahnen nicht, dass sie sich in tödliche Gefahr begeben...“ – soweit der Klappentext.

In die Irre geführt

Jussi Adler-Olsens „Verheißung“ ist seit einigen Wochen die Nummer eins der Spiegel-Bestsellerliste – zu Recht?. Das kann man nur mit einem überzeugten „Ja“ beantworten. Vor allem das völlig unerwartete Ende – das an dieser Stelle natürlich nicht verraten wird – ist das Besondere im sechsten Teil der Thriller-Serie rund um das „Sonderdezernat Q“:

Der dänische Bestseller-Autor Jussi Adler-Olsen
Der dänische Bestseller-Autor Jussi Adler-Olsen Foto: dpa

Olsen schafft es immer wieder, durch geschickte Wendungen seinen Leser in die Irre zu führen – hier kommt ein Hauch von „Wild Things“, Kino-Kassenschlager von 1998 mit Neve Campel, Bill Murray und Denise Richards, auf. Das tröstet auch über den Mittelteil des 608-Seiten-Thrillers hinweg, der sich dann doch in einigen Teilen etwas zieht. Die Polizeiarbeit mag hier zwar nahe an der für Beamte wohl oft zermürbenden Realität liegen, aber hier hätte Olsen kürzen können.

Nach dem überraschenden Dahinscheiden Habersaats werden Carl und seine Truppe auf den Plan gerufen und schon bald deutet alles darauf hin, dass das Mädchen nicht – wie bisher angenommen – Opfer eines Verkehrsunfalls wurde. Die Spuren führen zu einer ominösen Sekte, die von Schweden aus operiert.

Spannend, humorvoll, bizarr

Das skurrile Trio Carl, Assad und Rose überzeugt. Die drei sind charakterlich wunderbar gezeichnet, auch wenn das Privatleben des Ermittlers und seiner Helfer im sechsten Band der Reihe mehr in den Hintergrund tritt als in Olsens vorangegangenen Publikationen. Einzig zu Assad und seiner geheimnisvollen Vorgeschichte wirft Olsen immer mal wieder ein paar Bröckchen als Köder aus – und obwohl den Olsen-Fans längst klar ist, dass Assad weit mehr ist als ein syrischer Immigrant, versteht es der Autor perfekt, nicht zu viel, aber gerade genug zu verraten, um den Leser bei der Stange zu halten.

Olsens Schreibstil – spannend, humorvoll und teilweise bizarr – kann man nicht nur mögen, sondern man muss es fast.

„Verheißung“ ist nicht nur für Fans des Sonderdezernats Q, sondern auch für Quereinsteiger der Serie geeignet und eigentlich ein Muss – egal ob in der Ferienwohnung, in einem Zug oder auf dem Kopfkissen daheim in mehreren Etappen gelesen.

Der Autor Jussi Adler-Olsen

  • Vita:

    Jussi Adler-Olsen wurde am 2. August 1950 unter dem bürgerlichen Namen Carl Valdemar Jussi Henry Adler-Olsen in Kopenhagen geboren. Er studierte Medizin, Soziologie, Politische Geschichte und Film. Bevor er 1995 mit dem Schreiben begann, arbeitete er in verschiedensten Berufen: als Redakteur für Magazine und Comics, als Koordinator der dänischen Friedensbewegung, war Verlagschef im Bonnier-Wochenblatt TV Guiden und Aufsichtsratsvorsitzender bei verschiedenen Energiekonzernen. Sein Hobby: Das Renovieren alter Häuser. Er ist verheiratet und Vater eines Sohnes.

  • Publikationen:

    1997 erschien sein erster Roman › Das Alphabethaus‹. Er erreichte in Schweden, Holland und Finnland, Spanien, Südamerika und Norwegen sofort die Spitzen der Bestsellerlisten. Es folgten die Romane ›Firmaknuseren‹ (2003) und › Das Washington Dekret‹ (2006), bevor Jussi Adler-Olsen 2007 mit dem ersten Fall für Carl Mørck, › Erbarmen. Die Frau im Bunker‹, einen Riesenerfolg hatte. 2008 stürmte er auch mit › Schändung. Fasanentöter‹, dem zweiten Fall für Carl Mørck, die Bestsellerlisten, es folgten 2009 › Erlösung. Flaschenpost von P‹, der dritte Fall für Carl Mørck, 2010 › Verachtung. Akte 64‹, der vierte Fall für Carl Mørck, 2013 › Erwartung. Der Marco-Effekt‹, der fünfte Fall für Carl Mørck. Im März 2015 erscheint der sechste Fall für Carl Mørck, › Verheißung. Der Grenzenlose‹ in Deutschland.

  • Die Serie:

    Die auf zehn Teile angelegte Carl-Mørck-Serie wird seit 2012 im Rahmen einer europäischen Co-Produktion (Zentropa und ZDF) für Kino und Fernsehen verfilmt. Die Verfilmungen von ›Erbarmen‹ (2013) und ›Schändung‹ (2014) wurden in Dänemark bereits Riesenerfolge, Filmstart von ›Schändung‹ in Deutschland, Österreich und Schweiz ist im Januar 2015.

  • Preise:

    Jussi Adler-Olsens Werk wurde bereits mit vielen angesehenen Literaturpreisen im In- und Ausland ausgezeichnet, u. a. mit dem Harald-Mogensen-Krimipreis 2009 für ›Erlösung‹, dem Reader’s Bookprize 2010, einem der bedeutendsten Literaturpreise Dänemarks, dem Glass Key Award 2010 - dem bedeutendsten Krimipreis Skandinaviens. Jussi Adler-Olsen ist außerdem Preisträger des Goldenen Lorbeers 2011, der wichtigsten literarischen Auszeichnung Dänemarks für das Gesamtwerk eines Autors, in Frankreich erhielt er bereits mehrmals in Folge den Elle-Leserpreis. Für ›Erbarmen‹, den Auftakt seiner Thriller-Reihe um Carl Mørck vom Sonderdezernat Q, erhielt Jussi Adler-Olsen 2012 den Barry Award in der Kategorie ›Bester Roman‹. Im März 2015 wird er mit dem Ripper Award ausgezeichnet - dem Europäischen Preis für Kriminalliteratur.

  • Erfolg:

    Mit seinen Büchern steht Jussi Adler-Olsen in Deutschland seit Jahren auf den Jahres-Bestsellerlisten. Seine Bücher wurden in über vierzig Länder verkauft, darunter:

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