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Konzert

Chin-Chao Lins fabelhafter Einstand

Philharmonisches Orchester und Publikum feiern den neuen Chefdirigenten.
Von Gerhard Dietel

Souverän und spürbar leidenschaftlich: Chin-Chao Lin ArchivFoto: S. Stolz
Souverän und spürbar leidenschaftlich: Chin-Chao Lin ArchivFoto: S. Stolz

Regensburg.„Der hat’s drauf“, meint eine Besucherin während der Pause voller Bewunderung. In der Tat: Regensburgs neuer Generalmusikdirektor (GMD) Chin-Chao Lin hinterlässt als Dirigent des ersten Sinfoniekonzerts des Philharmonischen Orchesters einen nachhaltigen Eindruck.

Nicht nur der gewohnte Publikumsbeifall brandet am Schluss des Abends auf, sondern auch das Orchester feiert seinen neuen Leiter und Intendant Jens Neundorff von Enzberg umarmt ihn gar. Dies alles sind Signale, die auf eine gedeihliche künstlerische Zusammenarbeit hoffen lassen. Seine Visitenkarte als Dirigent gibt Chin-Chao Lin zunächst bei Rossinis „Semiramide“-Ouvertüre ab. Nicht nur mit dem Taktstock setzt er Impulse, sondern mit der ganzen Körpersprache weiß er das Orchester zu einer temperamentvollen Wiedergabe der Partitur zu inspirieren. Rhythmisch prickelnd wird die Musik in Szene gesetzt, schmissig im Hochdrehen der Klangstärke bei Rossinis Crescendo-Walzen, doch auch voll Sentiment, wenn die Hörner sich im Einleitungsteil ganz romantisch aussingen dürfen.

Danach steht in Nino Rotas vergnüglich-eingängigem „Divertimento Concertante“ der Kontrabass im Mittelpunkt. Szymon Marciniak als Solist brilliert auf dem vermeintlich so schwerfälligen Instrument mit einer verblüffenden Wendigkeit des Spiels. Hurtiges Passagenwerk, Doppelgriffe und schnelle Lagenwechsel, während der Bogen über die Saiten und die Linke übers Griffbrett tanzt: all das bewältigt er bewundernswert leicht, vernachlässigt dabei aber auch nicht die melodischen Fähigkeiten seines Instruments. Als besonderes Gusto-Stückerl innerhalb dieses „Divertimento“ erweist sich der pfiffige, ein wenig nach Prokofieff klingende „Alla marcia“-Satz, bei denen Szymon Marciniak sich in ironisch gemeinten Tonleiteretüden ergehen darf. Viel Beifall gibt es am Ende für den Solisten und als Zugabe ein Solostück von Nicholas Walker.

Beethovens vierte Sinfonie erklingt als Hauptwerk des Abends. Im Tempo zurückhaltend lässt Chin-Chao Lin die Adagio-Einleitung mit ihrem harmonischen Schweifen und ihren abgerissenen, wie suchenden Motiven ausmusizieren, um die Fallhöhe für die Dynamik des folgenden „Allegro vivace“-Hauptsatzes zu schaffen. Der entfaltet derben, zuweilen auch polternden Humor, in dessen Zeichen dann auch die folgenden Sätze stehen: das Adagio, in dem seliges Singen immer wieder von pulsierenden rhythmischen Triebkräften durchkreuzt wird, das Scherzo mit bockigen, gegen den Takt gesetzten Zweier-Gruppierungen wie auch das Perpetuum-Mobile-Züge annehmende Finale mit seinem witzigen auskomponierten Zeitlupen-Effekt vor den rasanten Schlusstakten.

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