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Kultur
Donnerstag, 26. April 2018 16° 2

Konzert

Chor sprengt Grenzen in St. Cäcilia

Die „Philippine Madrigal Singers“ und das Renner Ensemble begeisterten beim gemeinsamen Adventskonzert.
Von Michael Scheiner

Philippinische Sänger brachten Power in die Kirche. Foto: Scheiner

Regensburg.Kurz konnte er sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Als die Männer des Renner Ensembles vorne im Altarraum der Kirche St. Cäcilia das schwungvolle Weihnachtslied „Ding Dong!“ von Göte Widlund anstimmten, kam dem Sänger des großartigen Chors „Philippine Madrigal Singers“, kurz Madz, in der Bank neben dem Autor ein kurzes Lächeln aus. Ein schnelles Deuten auf den Programmzettel, wo als letztes Lied des philippinischen Chors ebenfalls ein Ding Dong stand – das fröhliche englische „Ding Dong Merrily On High“.

Beim gemeinsamen Adventskonzert mit dem Regensburger Ensemble standen die 24 Frauen und Männer aus Fernost mit zwei Programmteilen im Mittelpunkt. Am Schluss intonierten die beiden Ensembles zusammen mit Ehemaligen das pathetische Friedenslied „Prayer of St. Francis“.

Die philippinischen Sänger begleiteten jede Zeile mit weichen, stimmigen Gesten des Öffnens, Einladens und Mitnehmens, ähnlich wie bei manchen Kirchentag-Songs. Überhaupt erlebten die Besucher in der nahezu voll besetzten Kirche mit den „Madz“ einige Überraschungen, was den Gesang angeht ebenso wie das Auftreten des Chors. Entgegen gewohnter Traditionen saßen die Chormitglieder bis auf das christliche „Tenderly“, das die Frauen im Stehen sangen, während des gesamten Auftritts. Chorleiter Mark Anthony Carpio war, für das Gros des Publikums nicht sichtbar, links eingereiht war.

Auch die Einteilung der Stimmen widersprach hiesigen Gewohnheiten. Statt in Gruppen zusammengefasst besetzten abwechselnd eine Sängerin und ein Sänger das Halbrund der Stühle. Die einzelnen Stimmen in den Liedern vermischten sich zu einem prächtigen, homogenen Ensembleklang und waren nicht mehr zu orten. Vom machtvollen „Magnificat“ des jungen Komponisten Ily Matthew Maniano über „An den Sturmwind“ aus den drei Chorgesängen von Peter Cornelius bis zum inbrünstigen Gospellied „My God Is A Rock“ wurde alles auswendig gesungen. Dabei leitete Carpio die Chormitglieder, die ungemein diszipliniert in einheitlicher Haltung auftraten, durch leichte Bewegungen des Oberkörpers und seiner Mimik.

Ein „beschauliches Adventskonzert“, wie in der Begrüßung gewünscht, war dieses Ereignis trotz einiger ruhiger Lieder vom Renner Ensemble, erfreulicherweise keineswegs. Vielmehr brachten die philippinischen Sänger mit ihrem fortissimo in Josu Elbertins „Cantate Domino“ und christlichen Liedern, die ihnen zum Teil von einheimischen Komponisten auf den Leib geschrieben waren, eine Power in den Kirchenraum, der die Grenzen alles zuvor Gehörten zu sprengen schienen.

In zartesten Klängen und Summtönen wurde das ganze Spektrum an dynamischen Nuancen perfekt und mit äußerer wie innerer Hingabe ausgelotet. Ein berauschender Genuss vom ersten bis zum letzten Ton von Paul McCartneys Hymne „Let It Be“, die auch als religiöse Botschaft gelesen werden kann.

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