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Konzert

Chorphilharmonie zeigt ihr Potenzial

Packende Aufführung von Bachs Matthäuspassion in der Herz-Jesu-Kirche
Von Gerhard Dietel

Die Mitwirkenden der Regensburger Chorphilharmonie Foto: Dietel
Die Mitwirkenden der Regensburger Chorphilharmonie Foto: Dietel

Regensburg.Knapp drei Stunden sitzen die Zuhörer in den Kirchenbänken von „Herz Jesu“ und bleiben doch stets gebannt von einer packenden Aufführung der „Matthäuspassion“ Johann Sebastian Bachs durch die Regensburger Chorphilharmonie. Stehende Ovationen gibt es am Schluss für alle Mitsingenden und Mitspielenden. Nur die in den Rahmenchören des ersten Passionsteils mit Choralzeilen beteiligten, dann den Chorraum verlassenden Domspatzen können den Applaus nicht mehr selbst entgegennehmen. Das Ensemble hatte das gleiche Werk am Vortag bereits in „Mariä Himmelfahrt“ in Kelheim präsentiert.

Horst Frohn, der sämtliche mitwirkenden Kräfte umsichtig koordiniert, gibt bisweilen recht zügige Tempi vor und verleiht dadurch etwa dem Eingangschor trotz seiner inhaltlichen Gravität viel Vorwärtsdrang. Das Orchester der Chorphilharmonie geht diesen Kurs wendig mit, auch im überraschend beschwingt musizierten „O Mensch, bewein dein Sünde groß“. Dazwischen bestechen manche der Orchestermitglieder in Bachs konzertant begleiteten Arien mit vorzüglichen solistischen Leistungen auf Flöten, Oboen, Soloviolinen und der Viola da Gamba.

Der Chor zeigt sich reaktionssicher in den oftmals recht jäh einsetzenden Turbachören, die teils fanatisch klingen können, teils rechthaberisch oder, was die Jünger Jesu betrifft, deren Begriffsstutzigkeit porträtieren. Höchst variabel, was Tempo, Dynamik und Phrasenbildung betrifft, erklingen die den Passionsbericht immer wieder kommentierenden Choralstrophen, und zum ergreifenden Wiegenlied für den toten Jesus wird das beschließende „Wir setzen uns mit Tränen nieder“. So groß ist das stimmliche Potenzial des Chors, dass aus ihm heraus auch die Einzelstimmen der Soliloquenten kompetent besetzt werden können.

Wesentlichen Anteil am nachhaltigen Gesamteindruck dieser „Matthäuspassion“ haben die Vokalsolisten. Doris Döllinger (Sopran) und die besonders präsente Sonja Koppelhuber (Alt) sorgen in ihren Arien für kontemplative Momente, mit manch schmerzlichen, doch nie larmoyanten Tönen. Markant gestaltet Holger Ohlmann seine Basspartien als Petrus und Judas, während Florian Dengler der Rolle des Jesus weniger leidende als herrscherlich majestätische Züge verleiht.

Im Zentrum steht freilich Martin Platz als Evangelist. Überragend ist es, wie er mit klarer Diktion nicht nur vom Passionsgeschehen berichtet, sondern den Text voller Empathie gestaltet, Details akzentuiert und bedeutungsvolle Einzelworte heraushebt. Wenn er mit stimmlichen Mitteln ein „Zagen“ oder eine „Finsternis“ formt: das geht unmittelbar unter die Haut.

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